Abschiebungen

09. August 2018 14:03; Akt: 10.08.2018 09:46 Print

Österreichs Wirtschaft will Bleiberecht für Lehrlinge

Wirtschaftskammern aus den Bundesländern lehnen Abschiebung von asylwerbenden Lehrlingen ab. Sie brauchen Fachkräfte.

Pressekonferenz mit Rudi Anschober und Friedrich Schneider zum Thema:

Pressekonferenz mit Rudi Anschober und Friedrich Schneider zum Thema: "Abschiebung von Asylwerber-Lehrlingen kostet uns 24. Mio. Euro". (Land OÖ/Werner Dedl) (Bild: keine Quellenangabe)

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Die Vorarlberger Wirtschaftskammer will, dass jugendliche Asylwerber eine begonnene Lehre in einem Mangelberuf fertig machen können. Man halte es für "wenig sinnvoll", junge Flüchtlinge während der Ausbildung abzuschieben, so Direktor Christoph Jenny. Möglich wäre, ein humanitäres Bleiberecht auszusprechen oder eine Rot-Weiß-Rot-Card zu vergeben. "Da sollte man der Bundesregierung alle Spielräume offen lassen, Hauptsache man erreicht inhaltlich und menschlich das Ziel", erklärte der Wirtschaftskammerdirektor. Auch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hatte sich im Landtag für einen Verbleib ausgesprochen.

Umfrage
Soll es ein Bleiberecht für asylwerbende Lehrlinge geben?
29 %
13 %
26 %
32 %
Insgesamt 3950 Teilnehmer

Oberösterreich

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich betonte zwar: "Asylrecht muss Asylrecht bleiben." Es könne nicht durch das Beginnen einer Lehre ausgehebelt werden. Aber die Interessenvertretung schlägt auch vor, einen Aufenthaltstitel für derartige Asylwerber zu schaffen. Ähnliches gebe es ja jetzt auch schon für Studenten oder Schüler.

Salzburg

Der Salzburger Wirtschaftskammer-Präsident Konrad Steindl sieht in der Beschäftigung von Asylwerbern als Lehrlinge ebenfalls einen Beitrag, dem Fachkräftemangel zu begegnen. "Wir befürworten es nicht, dass Lehrlinge in Ausbildung abgeschoben werden", erklärte Steindl gegenüber der APA und forderte eine Lösung. Er ließ aber offen, wie diese aussehen könnte.

Auch der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hat sich wiederholt dafür ausgesprochen, die Abschiebung gut integrierter Lehrlinge zu verhindern.

Niederösterreich

Gute und engagierte Lehrlinge seien willkommen, das gelte für die heimische Jugend ebenso wie für Asylwerber, stellte die Wirtschaftskammer NÖ (WKNÖ) am Donnerstag fest. Tatsache sei, dass die Unternehmen dringend Fachkräfte bräuchten.

Steiermark

Für ein Bleiberecht spricht sich auch die steirische Wirtschaftskammer aus: „Die Wirtschaft braucht diese jungen Menschen, die Wirtschaft braucht die Fachkräfte.“

Die Wirtschaftlichkeit

Der Ökonom Friedrich Schneider hatte berechnet, dass durch eine abgebrochene Ausbildung volkswirtschaftliche Kosten von 77.500 Euro entstehen würden. Eine Lösung wäre das deutsche 3plus2-Modell. Dort können Asylwerber, die einen Lehrplatz gefunden haben, drei Lehr- und zwei Betriebsjahre absolvieren plus eine Verlängerungsoption von weiteren zwei Jahren. Die Betriebe würden dabei positiv aussteigen. Während dieser Zeit wird das Asylverfahren eingefroren. Insgesamt sind in Österreich rund 950 junge Asylwerber betroffen.

Österreicher für Bleiberecht

Das Meinungsforschungsinstitut Sora hat in der vergangenen Woche rund 900 Personen befragt, und das Ergebnis fiel eindeutig aus: Rund 80 Prozent sprachen sich in der repräsentativen Umfrage gegen die Abschiebung von Asylwerbern während der Lehrzeit aus. Über alle Parteigrenzen hinweg gibt es eine klare Mehrheit für ein Bleiberecht während der Ausbildungszeit – selbst unter Menschen, die politisch zu der FPÖ tendieren.

Aus der Bundesregierung erklärte Integrationsministerin Karin Kneissl (FPÖ) allerdings zuletzt, dass keine Gesetzesänderung angedacht wird.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nil am 09.08.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Kein Bleiberecht keine Lehrstelle. Gesetze sind da um eingehalten zu werden. Klar das die Wirtschaft es wünscht weil sie damit zig tausende Euro Förderung bekommen.

    einklappen einklappen
  • Ehklar am 09.08.2018 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Wer mit jemanden der keine Arbeitserlaubnis hat, einen Lehrvertrag abschließt, gehört bestraft! Im Wiederholungsfall bis zum Entzug der Ausbilderberechtigung! Wir bezahlen für jeden Schmarrn horrende Strafen, und hier fördern ÖFFENTLICHRECHTLICHE KÖRPERSCHAFTEN! Gesetzbruch zum "Wohle" einiger ZWANGSMITGLIEDER!

  • rea am 09.08.2018 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann es soetwas geben?

    Wie kann jemand einen Asylwerber ohne Bleiberecht als Lehrling einstellen? Wie das von. Iemanden überprüft? Müsste doch spätestens der Krankenkasse auffallen. Gehören alle zur Rechenschaft gezogen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Johann!!! am 11.08.2018 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzestreu!

    Wer kein Bleiberecht hat kann doch keine Lehrstelle bekommen!Ist es in Österreich schon so daß jeder seine eigenen Gesetze machen kann!

  • Verzweifelte Mutter am 11.08.2018 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Österreicher bekommen keine Lehrstelle

    Mein Sohn wartet seit 3 Monaten auf einen Lehrplatz. Das AMS teilt mit, dass es doppelt so viele arbeitslose Lehrlinge gibt, wie offene Stellen. Kein Wunder, wenn die gesetzwidrigerweise mit Asylwerbern besetzt werden, während unsere Kinder das Nachsehen haben. Fall sie die Wirtschaft das wirklich fordert - was Ich bezweifle - dann wohl nur aus einem einzigen Grund: Billige Hilfskräfte. Das führt zum Aushebeln der Lehrlingsentschädigung, die ohnehin ein Witz ist.

    • Hartmannn am 15.08.2018 22:30 Report Diesen Beitrag melden

      genau so ist es !

      Wir können hier nicht nachgeben ! Die Industrie will billige Arbeitskräfte ! Wir wollen eine Zukunft in diesem unseren Land ! Orientieren wir und endlich an der Schweiz und an Australien damit es wieder besser läuft !

    einklappen einklappen
  • Markus am 10.08.2018 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Asyl Lehre

    Hat man oft genug erlebt, Kriminelle fangen DREI Tage vor der Abschiebung eine Lehre an - außerdem wer sagt, dass Lehrlinge nur junge Männer sind? Das sind genauso 50 jährige Straftäter. Gesetze gehören eingehalten - hier wird nur von Links wieder versucht das Fremdenrecht mit Mitleid zu umgehen

  • Karl Fensterstock am 10.08.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz uneigennützig

    Ganz uneigennützig, natürlich, die Wirtschaftstreibenden. Es geht ihnen darum, billige Sklaven zu finden, die z.B. in der Gastro zu unmenschlichen Bedingungen und einem Minimumlohn zu arbeiten.

  • Heimatland am 10.08.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Seiten einer Medaille

    Wirtschaftskammern sehen nur die Interessen ihrer Mitgliedsbetriebe, das ist offensichtlich. Daher ist es aber auch legitim zu sagen, dass es objektive Kriterien gibt, ob jemand hier bleiben kann. Und die sind nicht, ob jemand gerade eine Lehre absolviert. Man kann nämlich den Spieß auch umdrehen und sagen: jemandem, der vielleicht abgeschoben wird, hätte man nie ermöglichen dürfen eine Lehre zu beginnen.