Anwalt: "Nicht in der Lage"

03. September 2012 06:51; Akt: 03.09.2012 13:24 Print

Herzanfall! Elsner nicht beim BAWAG-Prozess

Nach mehrwöchiger Pause hätte am Montag die zweite Auflage des BAWAG-Strafprozesses im Wiener Landesgericht weitergehen sollen. Doch nach fünf Minuten wurde der Prozess vertag. Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner konnte der Einladung nicht nachkommen. Laut Anwälten erlitt er gestern Nacht einen Herzanfall und muss drei Wochen behandelt werden.

 (Bild: Leserreporter Thomas K.)

(Bild: Leserreporter Thomas K.)

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Der zweite BAWAG-Strafprozess musste auch am heutigen 17. Verhandlungstag ohne den mitangeklagten Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner auskommen. Er ließ den Prozesstermin nach der mehrwöchigen Pause im August wieder platzen. Seine Anwälte meldeten ihn krank. Der herzkranke 77-Jährige Elsner halte sich im bayerischen Kurort Bad Reichenhall auf.

Richter Böhm ist mächtig sauer

Richter Christian Böhm vertagte die Verhandlung nach nur fünf Minuten auf morgen. In einem kurzen Wortwechsel mit Elsners Anwälten zeigte sich der Richter verstimmt, dass der Angeklagte seiner Ladung neuerlich nicht Folge leistete. Elsner ist bisher kein einziges Mal zum zweiten BAWAG-Prozess vor Gericht erschienen. Der heutige Verhandlungstag wäre alleine dem Ex-BAWAG-Chef gewidmet gewesen.

Elsner habe neuerlich Flüssigkeit in der Lunge und müsse drei Wochen lang behandelt werden, sagte Elsners Anwalt Andreas Stranzinger. Letzte Nacht habe der herzkranke 77-Jährige außerdem einen Angina-Pectoris-Anfall erlitten, ergänzte Elsners Anwalt Jürgen Stephan Mertens. Die Verteidiger legten zwei medizinische Atteste vor.

Richter ätzte gegen Elsner

Die Einrichtung, wo sich Elsner aufhalte, werbe im Internet mit ihren Wellnesseinrichtungen, ätzte der Richter. "Das ist kein Hotel, sondern eine Kuranstalt", konterte Anwalt Stranzinger. Mertens zeigte gewisses Verständnis für das Gericht, Elsner sei aber nicht vom Staatsanwalt angeklagt, sondern nur von der BAWAG in einer Privatanklage. Deswegen werde sein Mandant nicht das Risiko eines Herztodes eingehen, so der Anwalt.

Für morgen, Dienstag, sind nun alle Angeklagten geladen, auch Elsner soll vor Gericht erscheinen. Laut seinen Anwälten wird Elsner aber auch morgen wegen gesundheitlicher Gründe nicht kommen. Die anderen Angeklagten, darunter der Spekulant Wolfgang Flöttl, die Ex-BAWAG-Vorstände Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker, Christian Büttner und Peter Nakowitz, nutzten bisher die Abwesenheit Elsners, um unwidersprochen ihn als Mastermind der Vertuschung der Spekulationsverluste darzustellen. Der frühere Generaldirektor der damaligen Gewerkschaftsbank habe keinen Widerspruch geduldet, so seine früheren Vorstandskollegen unisono.

Zweiter Prozess gänzlich ohne Elsner?

Ob Elsner überhaupt je zu einer Verhandlung bei der Neuauflage erscheinen wird, bleibt also damit offen. Bisher war Elsner beim zweiten BAWAG-Prozess unter Verweis auf seine angeschlagene Gesundheit nicht dabei - deswegen war er auch nach seiner Verurteilung im ersten Prozess für haftunfähig erklärt worden. Er wurde mittlerweile bereits fotografiert.

Elsner ist schon im ersten Prozess rechtskräftig wegen Untreue zur Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt, wovon er viereinhalb Jahre abgesessen hat, bis er vergangenen Sommer aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde. Im zweiten BAWAG-Strafprozess ist Elsner nur wegen einer Subsidiaranklage der BAWAG mitangeklagt - die Staatsanwaltschaft hatte auf eine neuerliche Anklage verzichtet.

Lesen Sie auf Seite 2 die Chronologie des zweiten Prozesses nach!

In der ursprünglichen Prozessplanung hätte Elsner an drei Tagen vor Gericht erscheinen sollen. Bisher ist er jedoch immer unter Verweis auf gesundheitliche Gründe nicht gekommen. Schon am 2. Mai war Elsner erstmals geladen, damals lag er jedoch im Wiener Wilhelminenspital. Am 21. Mai verkündete der Richter ein Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen und Kardiologen Günter Steurer, wonach Elsner verhandlungsfähig sei. Die Verhandlungstermine vom 29. Mai bis zum 1. Juni, an denen Elsner eigentlich kommen sollte, platzten, weil Elsner von einem Arzt untersucht wurde. Der Gutachter stellte schließlich eine zweimonatige Verhandlungsunfähigkeit fest. Elsner werde wegen Tuberkulose behandelt, während der Behandlung sei er nicht verhandlungsfähig.

   Am 6. August leistete Elsner einer neuerlichen Ladung wieder nicht Folge. Er sei zu krank, um vor Gericht zu erscheinen, so seine Anwälte. Am 7. August in der Früh verlief ein Vorführungsversuch durch Beamte in Elsners Wiener Wohnung erfolglos - der Angeklagte war nicht da. Elsner halte sich im deutschen Kurort Bad Reichenhall auf, wo seine Lungenerkrankung behandelt werde, so seine Anwälte.

  


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