Chinas neue Wirtschaft

08. April 2018 07:46; Akt: 08.04.2018 10:41 Print

Wer bei Rot über die Ampel geht, kommt in die Hölle

von Christian Nusser - China will die größte Wirtschaftsmacht der Erde werden. Wie Österreich davon profitieren könnte, was die Risiken sind.

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China rollt Österreich den Teppich aus. Ein Goliath verbeugt sich vor dem Zwerg. Gerade einmal 3,7 Milliarden Euro an Waren exportierte Österreich 2017 ins Land der Mitte. Zwar ein Plus von 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber China schickte gleichzeitig Produkte um 8,5 Milliarden zu uns.

Umfrage
Soll Österreich mit China verstärkt Handel betreiben
70 %
19 %
11 %
Insgesamt 1398 Teilnehmer

Es ist aber nicht allein der Reiz an Zuwachs in beide Richtungen, der den aktuellen Staatsbesuch der größten Delegation aller Zeiten befeuert. China hat wesentlich ehrgeizigere Ziele und da kann Österreich ein wertvoller Verbündeter in der EU sein. Das Land will nämlich die USA als größte Wirtschaftsnation der Erde ablösen, wurde beim 13. Volkskongress vor rund einem Monat als Ziel ausgegeben. 2021 will man die Armut besiegt haben, 2035 ein "moderner Staat", 2049 dann die Nr. 1 im business sein. Es könnte auch schneller gehen.

"Amerika tritt ab, China tritt an", sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ganz nüchtern.

Peking muss Chicago werden

Für Österreich bedeutet das gute Chancen. China arbeitet am Projekt "Neue Seidenstraße", will mit Europa viel stärker Handel treiben, sucht nach Partnern, Investoren und KnowHow, etwa auch was den Umweltschutz betrifft. Seit 1978 hat sich das Bruttoinlandsprodukt bisher jedes Jahr verdoppelt.

China modernisiert rasant. Wer jetzt durch Peking fährt, kann mit freiem Augen kaum mehr einen Unterschied zu US-Städten ausnehmen. an jeder Ecke Hochhäuser, überall dieselben globalisierten Marken. Die Immobilienpreise etwa in Peking explodieren. Der Quadratmeter Wohnraum kostet bis zu 12.000 Dollar. Durchschnittseinkommen in China: 9.000 Dollar pro Jahr.

Ziel: Die totale Kontrolle

Seinen Zielen ordnet das Land alles unter. Datenschutz ist hier ein Fremdwort. Was China macht, könnte sogar Facebook blass werden lassen. Viele der weltweiten Social-media-Netzwerke und Mailsservices sind hier gesperrt: Google, WhatsApp, Twitter, YouTube, Gmail - Fehlanzeige. China hat Klone errichtet, etwa WeChat für WhatsApp oder Renren für Facebook. Die gesammelten Daten nutzt der Staat.

Und er will das in Zukunft in einer Intensität tun, wie es George Orwell sich nicht in seinen kühnsten Träumen hätte ausdenken können. China beginnt mit dem Test eines "Social Credit Systems". Heißt: Bürger werden bevorzugt oder benachteiligt, je nachdem wo sie in der Hierarchie dieses "Systems" stehen.

Einen besseren Rangplatz erarbeitet man sich mit Wohlgefälligkeiten. Umgekehrtes Beispiel: Wer bei Rot über die Ampel geht, bekommt Minuspunkte und die können dramatische Auswirkungen haben. Hat man zu wenige "Social Credits", dann bekommen die Kinder etwa einfach keinen Studienplatz.

Partei steht über dem Recht

Da China alle, wirklich alle Daten sammelt, auswertet und nutzt, die im Land verfügbar sind und weil es auch keinen Widerstand in der Bevölkerung dagegen gibt (woher sollte der auch kommen), entsteht hier das Musterland eines digital kontrollierten und regulierten Landes. Die Partei ist alles, sie steht auch über dem Recht.

Alle Medien, egal ob Zeitung oder TV, gehören der Partei, also dem Staat. Für ausländische Journalisten ist das Arbeiten hier ein beruflicher Überlebenskampf. Viele Webseiten sind blockiert, die Umgehung nur via VPN (virtual private network) möglich. Aber China kann das jederzeit "abdrehen". Wer nicht mehr wohlgelitten ist, wird nicht ausgewiesen, sondern sein Visum nicht mehr verlängert. Wer Abos von ausländischen Zeitungen hat, findet immer wieder Exemplare im Postkarten, aus denen Seiten herausgerissen oder herausgeschnitten wurden. China mag keine schlechte Berichterstattung über sich.

Und China mag alles wissen. Nun wurde damit begonnen, in alle Unternehmen "Vertraute" des Staates in die Geschäftsleitungen unterzubringen, auch und vor allem bei ausländischen Unternehmen.

Das wird noch spannend die nächsten Jahre, so oder so.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • seven am 08.04.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    wer es noch nicht begriffen hat

    China IST die Wirtschaftsmacht der Erde !

  • Steuer - Zahler am 08.04.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Betriebsausflug

    Das nenne ich Betriebsausflug! 278 Teilnehmer wo doch 28 völlig ausreichend gewesen wären. Hoffentlich bringt jeder der Glücklichen einen Milliardenauftrag mit.

  • Sochal am 08.04.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat der hat

    Man kann sich ja selbst belügen, aber China ist mit über 1 Billion Dollar der größte Gläubiger der USA. Was auch bedeutet die Chinesen könnten, natürlich mit eigenen Verlusten die Armys verhungern lassen. Demnach ist China die größte Wirtschaftsmacht und das schon lange.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • wirvergessennichts am 11.04.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    VdB dürfte sich in China

    wohl fühlen. Zitat VdB "Glauben Sie wirklich das allgemeines Wahlrecht der Weisheit letzter Schluß ist" ( Quelle Youtube Interview 22.11.2011 VdB & Fleischhacker bei 1:06:26 )

  • Egon am 09.04.2018 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Demnächst

    Dieses "Pilotprojekt" wird in den nächsten Jahren auch in den sogenannten Industriestaaten umgesetzt. D.h. auch in Europa und USA. Wetten, dass ........ PS: Georg Orwells "1984" ist dagegen eine Verharmlosung dessen, was noch bevorsteht.

  • lilly am 09.04.2018 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    falscher Satz

    Ich gehe maximal bei Rot über die Straße nicht über die Ampel denn so hoch kann ich nicht springen

  • Franz Absberg am 09.04.2018 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Rascher Aufstieg zur Weltmacht

    Als ich 1981 zum ersten Mal in China war, fuhr in Peking auf staubigen Strassen ein einziges Auto, in Schanghai war es Nachts stockfinster das höchste Gebäude war im "Bund" in der Größe des Ringturms. Aber die Bevölkerung war überall interessiert, lernbegierig, fleissig und sehr höflich man spürte die Leistungsbereitschaft und trotz der damals zum Teil ärmlichen Verhältnissen gab es keine Kriminalität. In Gesprächen erfuhr man die Hoffnung auf wirtschaftliche Fortschritte durch die Regierung, die wie ersichtlich rascher erfüllt wurde als wir alle glaubten.

  • mopsi am 09.04.2018 03:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fr

    viele der Chinawaren sind zwar billig aber nur Schrott....keine Qualität und hochgiftig....nein danke und ruiniert unsere Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze