Staatsbesuch

10. April 2018 06:00; Akt: 10.04.2018 08:33 Print

In Chinas Silicon Valley sind sogar Kühe digital

von Christian Nusser - Im Guten im wie im Bösen: Vor den Toren Pekings führte Huawei Digitalministerin Schramböck vor, was in naher Zukunft technologisch alles möglich sein wird. "Heute" war dabei.

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Eine Autostunde nördlich von Peking, die nächste Hochhäuserfront tut sich auf. Chinas Antwort auf "Silicon Valley" steht hier, Chaoyang, ein riesiger Technologiepark. Im Zentrum, in einer parkähnlichen Anlage, liegt das Headquarter von Huawei, ein Gebäude im Baustil später Trump. 15 Manager stehen vor der Tür und warten auf Österreichs Digitalministerin Margarete Schramböck. Die ist vom Fach, war in ihrem früheren Leben 20 Jahre lang in der Telekombranche.

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Vor 20 Jahren, da war Huawei noch nicht einmal ein Punkt in der Landschaft. Heute ist das chinesische Unternehmen ein Riese. 260.000 Angestellte, in 170 Ländern der Erde präsent, Nr. 83 auf der "Forbes"-Liste der Größten der Welt.

Und die Chinesen haben einen klaren Plan, den sie "Mission" nennen: die totale Vernetzung. "Jede Person, jeden Haushalt, jede Organisation digitalisieren". "Smart" ist das Schlagwort dafür. Smart sind Städte, smart sind Geschäfte, smart ist die Überwachung, smart sind sogar Kühe.

Und wo ist die Leistung?

Wer jetzt fragt: Und wo bleibt der Datenschutz, vergisst, dass die Geschichte in China spielt. Hier ist das kein Thema, nirgendwo. Und deshalb hat Huawei im Erdgeschoss des Headquarters eine etwa 100 Meter lange Präsentationsstraße eingerichtet, in der die Vernetzung nicht nur ungeniert hergezeigt wird, sondern auch stolz. Beispiel: Auf einem Foto ist ein Osterbild von Schramböck (geklaut von ihrer Facebookseite) zu sehen, eine Software analysiert alles, was aus dem Bild zu sehen ist.

Eine kleine Spielerei, aber gleich nebenan ist zu beobachten, was da Großes daraus werden kann. Ein Stadtteil ist zu sehen, alle gesammelten Daten tauchen auf dem riesigen Screen auf. Wo welches Auto fährt, welche Straße frei ist und wo welcher Parkplatz. Wie lange welche Ampel Grün anzeigt, wie hoch der Amoniakgehalt im Wasser ist, wie heiß die Wohnungen sind. Auf Wunsch kann man es auf jedes einzelne Objekt runterrechnen.

Connected Cows are Cash Cows

Einen Screen weiter, werden Passanten gefilmt, eine Datenbank spielt aus, um wen es sich handelt. Dann steht ein Terminal da, der aussieht wie ein Bankomat. In Wirklichkeit ist es ein Beamter 4.0. Man wählt das Service aus, klickt sich durch, kann alles ausdrucken und mitnehmen.

Die Straßenlaterne 4.0? Ist gleichzeitig auch ein Computerterminal, eine Wetterstation, eine E-Ladestation, ein Wlan, hat eine Überwachungscam. Was beim Menschen geht, funktioniert erst recht bei Tieren. Und deshalb steht da eine Kuh, darüber der Slogan "Connected Cows are Cash Cows". Auf einem Screen wird nicht nur die Milchleistung angezeigt, sondern auch die Performance aller Kühe im digitalen Stall.


Ein Ständchen für Ministerin Schramböck (Video: Christian Nusser)

Forschungszentrum in Österreich?

Ministerin Schramböck, die sich im tadellosen Englisch mit den Chinesen unterhält, die weniger tadellos englisch sprechen, weiß um die Chancen und Risiken genau Bescheid. Sie hätte gerne ein Forschungszentrum von Huawei in Österreich. Vier gibt es derzeit in Europa, "das in England könnte ja nach dem Brexit übersiedeln", sagt sie mit einem Schmunzeln.

Die Chancen stehen nicht so schlecht. Kurz bevor die Ministerin das Gebäude verlässt, spielt ihr zu Ehren eine Musikgruppe ein Ständchen - den "Donauwalzer". Immerhin ein Anfang. Ende Juni kommen die Chinesen nach Wien, dann will man weiter reden.

"Es ist an der Zeit, dass wir uns auch um die großen Konzerne kümmern", sagt Schramböck. Man brauche "Mut zur Technologie". Sich selbst sieht sie als "Oberverkäuferin für Österreich".

Smart City als Muster

Gemeinsam mit Infrastrukturminister Norbert Hofer arbeitet sie daran, eine Smart-Mustergemeinde in Österreich zu errichten, in der alle technologischen Innovationen ausprobiert werden können.

Vorerst einmal wird die Lizenz für den superschnellen Standard G5 ausgeschrieben, im Herbst soll es so weit sein. So radikal wie die Chinesen wird man es nicht angehen, aber beim Preis will man "vernünftig" bleiben.

Wie es die Chinesen gemacht haben? Sie haben die Lizenz gratis hergegeben.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian am 10.04.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Woche Luxus Sightseeing

    Eine Woche Luxus Sightseeing auf unsere Kosten für die größte Delegation aller Zeiten (den besten Finanzminister aller Zeiten hatten wir ja schon)! Endlich können wir Schweinefleisch, Milch und Obst nach China exportieren, damit bei uns die Regale wieder leer werden für die "Billigsdorfer Produkte" aus der ganzen Welt! Das alles auch noch 100% klimaneutral. Jetzt können wir ja weiter unsere Landwirtschaft mit über 50% fördern, dass sparen wir alles ganz leicht beim kleinen Mann/Frau ein! Ich bin so stolz auf unsere Politiker!

  • Calimero am 10.04.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Export

    Die Online Plattform JD.com hat zum Beispiel rund 266 Millionen registrierte Kunden, bei uns kennt diese Firma kaum jemand. Das ist eine Chance für österreichische Unternehmen, um mit Qualität und Innovation made in Austria zu punkten. Auf der anderen Seite wollen wir auch den Standort stärker in den Fokus unserer chinesischen Partner rücken und gezielt um Unternehmensansiedelungen nach Österreich werben, so Wirtschaftsministerin Schramböck.

  • Calimero am 10.04.2018 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bambus

    Neues Panda-Männchen für Wien "so gut wie fix" Tierische Mission: China prüft wohlwollend, ob Wien einen neuen Panda bekommt.

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  • Christian am 10.04.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

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