Von Skandalen überschattet

03. August 2017 13:32; Akt: 03.08.2017 13:44 Print

Steht der Dieselmotor vor dem Aus?

Seit der Schummel-Affäre von VW steht der Dieselantrieb unter Beobachtung. Bei gewissen Autos könnte der Dieselmotor schon bald keine Option mehr sein.

Verbot für Dieselfahrzeuge: Ab dem 1. Jänner 2018 tritt der

Verbot für Dieselfahrzeuge: Ab dem 1. Jänner 2018 tritt der "Umwelthilfe"-Plan der Stuttgarter Stadtregierung in Kraft. (Bild: picturedesk.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Mittwoch trafen sich in Berlin die deutschen Umwelt- und Verkehrsminister, Politiker aus den Bundesländern und Vertreter der Autoindustrie zum sogenannten "Diesel-Gipfel". Es wurde nach Lösungen gesucht, um ein drohendes Fahrverbot für Dieselautos in deutschen Städten abzuwenden. Der Entscheid: Mehr als fünf Millionen Dieselautos in Deutschland sollen neue Software erhalten und so weniger Schadstoffe ausstoßen ("heute.at" berichtete).

Doch damit sei das Problem keineswegs gelöst, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte und Professor an der deutschen Universität Duisburg-Essen, zu gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten". "Die Software-Updates bringen kaum was. Das Thema ist damit noch nicht vom Tisch."

Der Dieselmotor hat seiner Ansicht nach bei Personenwagen ausgedient. "Die Kunden wollen das nicht mehr. Das Image des Diesels ist kaputt", so Dudenhöffer. Er ist überzeugt, dass die Hersteller den Dieselantrieb nun langsam beerdigen werden. Einzig bei großen Fahrzeugen und SUV sieht er künftig noch eine Nachfrage nach selbstzündenden Dieselmotoren.

Verbrennungsmotoren werden teurer

"Technologisch ist es machbar, dass der Diesel sauber wird. Allerdings sind solche Motoren in der Entwicklung und Herstellung teuer", erklärt Thomas Hilfiker. Er forscht bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in der Abteilung Fahrzeugantriebssysteme. Hilfiker erwartet deshalb, dass Hersteller bei kleinen Modellen und Kompaktwagen aus wirtschaftlichen Gründen künftig auf den Dieselantrieb verzichten könnten.

Bei anderen Fahrzeugtypen habe der Dieselmotor aber weiterhin seine Berechtigung. "In größeren Fahrzeugen, etwa bei Lastwagen, wird der Diesel auch künftig eine wichtige Rolle spielen", sagt Hilfiker. Auf Langstrecken, speziell bei Gütertransporten, gebe es derzeit keine echten Alternativen zum Dieselantrieb. Die Dieselmotoren von Lastwagen stoßen in vielen Fällen pro Kilometer weniger Schadstoffe aus als Dieselpersonenwagen.

Laut Hilfiker werden sämtliche Verbrennungsmotoren tendenziell komplexer und teurer. "Das gilt auch für Benziner." So würden künftig etwa auch Benzinmotoren Partikelfilter benötigen, um die Schadstoffgrenzwerte einhalten zu können.

Ein Ende der Erfolgsgeschichte

Spätestens seit der Diesel-Affäre von VW wurden die Defizite von Dieselmotoren bei Personenwagen immer offensichtlicher. Unter realen Bedingungen können die von den Herstellern angegebenen Emissionswerte kaum eingehalten werden. Bereits in den vergangenen Wochen haben die deutschen Hersteller Audi, Daimler oder VW den Rückruf von insgesamt mehreren Millionen Dieselfahrzeugen angekündigt.

Dieselautos waren für die deutschen Hersteller lange eine Erfolgsgeschichte. Im Heimmarkt stieg der Marktanteil innerhalb von 25 Jahren von gut 10 Prozent auf fast 50 Prozent im Herbst 2015. Grund für die Beliebtheit ist vor allem der Treibstoffverbrauch, der in der Regel geringer ausfällt als bei Autos mit Benzinmotor.

(red)

Themen
Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susanne B. am 03.08.2017 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Relation

    Solange Containerschiffe Tonnen von Schweröl in die Atmosphäre verblasen, ist der Schadstoffausstoß von Diesel- und Benzinfahrzeugen vernachlässigbar.

  • Hans am 03.08.2017 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin vom Diesel begeistert

    "Die Kunden wollen keinen Diesel mehr." Trifft auf mich nicht zu. Ich fahre sehr viel und bin begeistert beim Diesel nicht nur weniger zu verbrauchen, sondern auch weniger zu bezahlen. Und der Motor ist auch robuster, den kann ich ewig fahren. Ich habe einen alten Diesel und fühle mich überhaupt nicht schuldig.

    einklappen einklappen
  • giovanni58 am 03.08.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendetwas läuft da schief

    Irgendwie komisch, wie man derzeit auf die europäische und da vor allem auf die deutsche Autoindustrie einprügelt und Dieselmotoren sofort verbieten will. Was ist mit den Schiffsdieselmotoren - die sind eigentlich weltweit die größten Umweltverschmutzer. Will man einen amerikanischen Elektroautohersteller forcieren und spielen da unsere Politiker mit? Fragen über Fragen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • 1002Himmelszelt am 08.08.2017 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wer es wissen wollte, hat es gewusst

    So wie es aussieht haben die deutschen Autohersteller ein Absprache-Kartell gebildet,um die Käufer viele Jahre lang zu betrügen und um gegen Abgas-Gesetze wissentlich zu verstoßen. Dazu saßen (zB. bei VW) auch zwei gesetzlich vorgeschriebene Politiker im Vorstand, die sich sicher ebenfalls dumm stellen und angeblich nie was gewusst haben. Merkel selbst hatte (wie alle hochrangigenPolitiker) die besten Kontakte zu diesen Autoproduzenten. Alle (Justiz) haben daher weggesehen, obwohl der Dieselschmäh und Kat-Schmäh seit den 90er Jahren in jeder Werkstatt u. bei den Automobilzeitungen bekannt war.

  • anton am 06.08.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diesel

    keine Diesel Pkw, Lkw, Bote, Autobus, Taxi, Aggregate, Diese Lock, Panzer, am besten gehen wir wieder in die Steinzeit.

  • Susanne W. am 05.08.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umweltfreundlicher Strom,E-Autos statt Benzin und

    Hat sich schon mal wer gefragt woher der Strom für die vielen E- Autos kommen wird? Sicher aus "umweltfreundlichen "Atomkraftwerken, oder "landschaftsschonenden" Windparken? Ich glaube wir werden alle ganz schön verarscht, damit eine riesige Geschäftemacherei losbrechen kann. Aber uns fragt ja keiner.

    • 1002Himmelszelt am 08.08.2017 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Geschäftemacherei, made in EU

      Richtig, die wollen Diesel und Benzin früher oder später - nicht durch Erdgas- oder Wasserstoff-Autos ersetzen, oder durch Hybride oder inkl. Solardach, - sondern sie wollen Elektroautos verkaufen. Und Atomstrom. Und die Lithium-Batterien sind anfallender giftiger Sondermüll. Die Autos kosten 3x mehr (= mehr Gewinn), und halten vermutlich dank dieser Batterien viel weniger lang. Wer besitzt eigentlich die Lithium-Lagerstätten weltweit???

    einklappen einklappen
  • Pferdetaxi am 05.08.2017 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein neuer Vorstoss, ...

    ... um teure und unbeliebte E-Karossen auf den Markt zu pressen, und sich gleichzeitig der Erdölindustrie zu entziehen. Hat sich eigentlich schon jemand überlegt, woher der Strom für 100% E-Karossen herkommen soll? Das ist natürlich ein gutes Argument um zur "sauberen" Atomengergie zurück zu kehren. Hat sich jemand überlegt, wohin mit den riesen Mengen hochgiftiger Abfällen von Batterien? Batterien lassen sich nicht 100% recyclen, nur Gehäuse und Metalle! Jedenfalls zwingen uns die Politiker zum Kauf von neuen Autos - und gleichzeitig wird die Volksverschuldung vergrössert...

  • Ist Er am 04.08.2017 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mag.

    Dass Dieselab gase giftig sind, wusste man schon in den 60iger Jahren, Jahrzehnte war es egal ob es uns schadet, jetzt auf einmal ist es wichtig? Warum wohl?

    • 1002Himmelszelt am 08.08.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      Recht auf saubere Luft zum Atmen?

      Verbot, weil man in den Städten durch die Feinstaub-Emmissionen mittlerweile nicht mehr atmen kann und alle krank werden?

    einklappen einklappen