Balkan-Blog

24. April 2019 10:26; Akt: 07.05.2019 20:47 Print

Warum wir Balkan-Söhne richtige Nesthocker sind

Irgendwann kommt der Moment, da muss man das wohlbehütete Zuhause verlassen. Am Balkan zögert man diesen aber gern etwas hinaus.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wie schön ist es, seine eigenen vier Wände zu haben. Einfach nach Hause kommen, wann man möchte, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Mal das Geschirr etwas länger stehen lassen, bevor man es abwäscht. Ins Bad zu gehen, ohne dass es besetzt ist. Wie schön das ist? Keine Ahnung.

Umfrage
In welchem Alter sind Sie ausgezogen?

Wir ihr inzwischen mitbekommen habt, komme ich vom Balkan – und dort hat das "Hotel Mama" eine ganz besondere Bedeutung.

Bis 30 im Hotel Mama

Studien aus den vergangenen Jahren zeigen immer wieder deutlich, dass Kroaten die größten Nesthocker der EU sind. Während man in Österreich im Durchschnitt mit 25 Jahren von zuhause auszieht, lässt man sich in Kroatien nochmals sechs Jahre länger Zeit.

Natürlich ist einer der Hauptgründe dafür die starke Bindung zur Mama. Besonders bei den Söhnen. Denn: Für die Balkan-Mutter ist es das Wichtigste, dass es ihrem Sohn gut geht. Wenn er nicht genug isst, wird gekocht. Natürlich muss er nicht selbst die Wäsche waschen – und aufräumen kann die Mama eben auch besser als der Sohnemann.

Na gut, vielleicht ist diese Darstellung ein wenig überzogen. Aber es stimmt schon, dass die Mama vom Balkan immer besonders darauf achtet, dass es ihrem Buben an nichts fehlt. Gleichzeitig ist man aber auch der Sündenbock für alles mögliche.

Wenn auch nur ein Krümel nach dem Essen auf dem Tisch liegen bleibt, wird gleich die Existenz des ganzen Stammbaums hinterfragt: "Womit habe ich das verdient? Neun Monate musste ich dich austragen und du tust mir sowas an!" Nein, das ist jetzt nicht übertrieben. Ist tatsächlich so passiert.

Kein Geld zum Ausziehen

Somit wäre geklärt, dass meine persönliche Nesthockerei ein Resultat von Faulheit und Gemütlichkeit ist. Man muss eben einige Sachen in Kauf nehmen, um sich nicht nur von Tiefkühl-Pizza zu ernähren. Für junge Menschen, die in Kroatien selber leben, sind die Hintergründe oftmals ernster.

Obwohl die Gehälter in Kroatien höher sind als in Serbien oder Bosnien, verdient man dennoch sehr wenig. Das Durchschnittseinkommen beläuft sich auf knapp 800 Euro pro Monat. Zum Vergleich: In Österreich liegt das monatliche Einkommen im Durchschnitt bei 2.200 Euro.

Und wie manchen im Sommer-Urlaub in Kroatien aufgefallen sein mag, sind beispielsweise die Preise in Supermärkten doch relativ nah an den heimischen dran. So ähnlich verhält es sich auch bei der Miete. Heißt konkret: Junge Menschen in Kroatien können sich das Ausziehen schlicht nicht leisten.

Und ein wenig "Hotel Mama" genießen sie natürlich auch, obwohl sie es ungern zugeben würden...

Zu weiteren Geschichten vom Balkan geht es HIER entlang >>>

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(red)

Themen
Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria am 24.04.2019 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Verdienst für junge Leute

    Bitte woher stammt die Info vom Österr. Durchschnittsgehalt über 2200??? Nach Lehrabschluss im Einzelhandel bekommt man zw. 1100 - 1250,- netto. Und da geht sich keine Wohnung, Gas und Strom und Lebensmittel aus!

    einklappen einklappen
  • NeroWien am 24.04.2019 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Mass

    Also am Balkan hat die Mehrheit der Einwohner ein Haus und die Kinder ziehen meistens nach der Hochzeit aus dem Haus um eine eigene Familie zu gründen. Das hat wenig mit Hotel Mama zu tun! In Städten zieht man natürlich früher aus, weil man seinen Freiraum braucht... Das hier genannte Durchschnittsgehalt hätte ich gern

  • Leistungs- und Rolexträger. am 24.04.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Karriere mit Lehre?

    Dann hätte man statt Lehre lieber doch Schule weitergemacht und idealerweise abgeschlossen. Dann klappts auch mit den 2200.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Balkanese am 25.04.2019 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist normal

    Die Mutter kocht und wäscht für den Sohn,das wird im Text als etwas "besonderes" dargestellt? Wer soll das sonst machen? Etwa der Sohn? Und was soll die Mutter dann machen? Auf dem Sofa sitzen,Katzen kraulen und nonstop Zigaretten rauchen oder wie?

  • Slawe am 25.04.2019 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Passt eh so

    Viele ziehen nicht aus weil das Leben so billiger ist,das machen auch viele Kroaten,Bosnier und Serben in Österreich. Man heiratet zwar und gründet eine Familie aber lebt weiter zusammen mit den Eltern.

  • Leistungs- und Rolexträger. am 24.04.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Karriere mit Lehre?

    Dann hätte man statt Lehre lieber doch Schule weitergemacht und idealerweise abgeschlossen. Dann klappts auch mit den 2200.

  • Herr von L. am 24.04.2019 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Worauf stolz....

    Weil die allerwenigsten eine "voll korrekte" Schulbildung bzw. generell Bildung haben und somit halt lang bei da Mami wohnen "müssen".

  • NeroWien am 24.04.2019 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Mass

    Also am Balkan hat die Mehrheit der Einwohner ein Haus und die Kinder ziehen meistens nach der Hochzeit aus dem Haus um eine eigene Familie zu gründen. Das hat wenig mit Hotel Mama zu tun! In Städten zieht man natürlich früher aus, weil man seinen Freiraum braucht... Das hier genannte Durchschnittsgehalt hätte ich gern