Balkan-Blog

21. Mai 2019 14:43; Akt: 23.05.2019 10:12 Print

Warum so viele Balkaner Fans von der FPÖ sind

Ein Kernthema der Freiheitlichen ist die rigide Asylpolitik. Da überrascht es, dass ehemalige Flüchtlinge die FPÖ so stark unterstützen.

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Dass die FPÖ seit Jahren eine Nähe zur Balkan-Community sucht, ist kein Geheimnis. Im Gegenteil: Die Partei der Freiheitlichen sympathisierte offen mit der größten Migrantengruppe Österreichs. Vor allem mit den Serben.

Große Balkan-Freunde

Der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache betonte öfters: "Ja, ich bin ein Freund der Serben". Häufig trug er eine sogenannte Brojanica am Handgelenk. Als Verschluss diente ein serbisch-orthodoxes Kreuz. Zudem suchte er gezielt den Kontakt zu den Serben, indem er bestimmte Lokale besuchte, die vor allem in der "Jugo-Community" beliebt sind.

Ein weiterer "Serben-Freund" – der mittlerweile aber nicht mehr in der FPÖ ist, ist Johann Gudenus. Der einstige Vize-Bürgermeister von Wien heiratete seine Tajana 2017 in Banja Luka, in Bosnien. Sie selbst ist eine Serbin. Die Feier lief traditionell orthodox ab. Im selben Jahr, kurz nach der Nationalratswahl, feierte Gudenus mit einem umstrittenen Ex-Politiker aus Serbien in Wien.

Vergeben und vergessen

Die Mühe zahlt sich aus. Große Teile der Balkan-Community machen seit längerem ihr Kreuz neben der FPÖ. "Bizarr", möchten einige meinen. Denn gerade 1992, als der Flüchtlingsstrom aus dem ehemaligen Jugoslawien startete, setzten sich die Freiheitlichen unter Jörg Haider entschlossen gegen die Zuwanderung ein. Sogar ein Volksbegehren unter dem Namen "Österreich zuerst" wurde initiiert. Die Kernaussage: "Österreich ist kein Einwanderungsland".

Nach nunmehr Jahrzehnten scheint alles vergeben und vergessen. Vor allem deshalb, weil sich die Blauen – allen voran die Parteispitze – an die Community schmiegt. Die Botschaft, die man bei den Zusammentreffen verbreitet, lautet: Wir müssen gemeinsam gegen die "Bedrohung" aus den muslimischen Ländern kämpfen. Damit riskiert man klarerweise die Stimmen der Bosniaken, die allerdings machen im Vergleich zu den Serben und Kroaten einen schwindend geringen Anteil der Wählerschaft aus.

Musterschüler der Nation

Auch innerhalb der Partei zeigt man den Balkanern, dass sie zur FPÖ gehören. So ist Konstantin Dobrilovic ein enger Vertrauter von Heinz-Christian Strache. Er war bis vor kurzem auch zuständig für die auswärtigen Angelegenheiten des geschäftsführenden Klubobmanns Gudenus und Berater des Vizekanzlers für den Balkan. In der SPÖ beispielsweise ist die Balkan-Community eher in der zweiten Reihe. Besonders der Bosnier Ahmed Husagic sticht hier hervor. Bei der letzten Nationalratswahl erreichte er hinter Kern und Doskozil die meisten Vorzugsstimmen. Ins Parlament durfte er dennoch nicht.

Aus diesen Gründen nützt bei FPÖ-Balkanern das Argument "die sind gegen Ausländer" nichts mehr. Dem wird nämlich immer entgegnet: "Uns meinen die aber nicht". Denn die Freiheitlichen verpassen es nicht, die Balkan-Community in puncto Integration zu loben. Auch deshalb fühlt man sich wohl ein wenig als "Musterschüler" der Nation und möchte nicht, dass einem andere Zuwanderer diesen Rang abschlagen.

"Kroatien ist eine Scheiße!"

Ob man aber nun weiterhin zur FPÖ steht, das wird sich demnächst zeigen. Denn in den "Ibiza-Videos" zieht Heinz-Christian Strache auch ordentlich über Serbien und Kroatien her ("heute.at" berichtete).

Am Balkan kamen die Äußerungen nicht sonderlich gut an. Kroatiens Außenministerin Marija Pejčinović Burić wollte erst gar nicht reagieren. In der Bevölkerung fühlt man sich im Nationalstolz gekränkt. Auf den sozialen Medien wird über den ehemaligen FPÖ-Chef hergezogen. Da auch mit Gudenus der zweite große Balkan-Freund abdanken musste, werden sich die Freiheitlichen nun etwas überlegen müssen, um die Community zu halten.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Southpaw am 22.05.2019 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Warum seltsam?

    Meine Frau ist auch Ausländerin und für die FPÖ. Ich muss aber dazu sagen, dass wir uns an die Gesetze halten und ich jedesmal einen Eiertanz mit Dokumenten aufführen muss um die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu bekommen. Sie arbeitet auch und sieht wohl nicht ein, dass sie Leute finanzieren muss, welche ohne Papiere in unser Land kommen und die Hand aufhalten.

  • Bogdan Mileki am 22.05.2019 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die "Balkanesen" wissen ganz genau

    wie es dort in ihren Heimatländern ausschaut. Sonst wären sie ja nicht da, eingebürgert und mehrheitlich gut integriert. Wie die Daheimgebliebenen wählen würden interessiert niemanden, denn sie haben ja kein Stimmrecht und die bei uns lebenden sind in erster Linie christlichen Werten zugetan und wollen einfach keine muslimische Umvolkung wie im Kosovo. Die einzige Partei ist die FPÖ die sich da klar äußert - also ist alles ein logischer Vorgang dass sie die FPÖ wählen.

  • Statistiker am 22.05.2019 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch logisch

    Es ist überhaupt nicht "bizarr", dass echte Flüchtlinge ihr Kreuz bei der FPÖ machen, zumal die Serben auch nicht einer Religion angehören, die mit unseren Anschauungen inkompatibel ist. Und auch diese Menschen, die uns für die Hilfe dankbar sind, möchten nicht von Horden kulturfremder Eindringlinge und Eroberer, die rein aus Versorgungsgründen zu uns schwemmen, überrannt werden. Auch für sie bleibt als einzige Alternative: X FPÖ!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Lika am 22.05.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahl

    ich als Kroatin wär nie auf die Idee gekommen blau zu wählen....

  • Durchblicker am 22.05.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig

    Das Strache nur auf Stimmenjagd war,darauf kommen viele Serben nicht?

    • Southpaw am 22.05.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, es ist so.

      Politiker gehen auf Stimmenjagd sie Durchblicker. Gut erkannt.

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  • Maha am 22.05.2019 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Das macht nix

    Die FPÖ wird von so vielen Österreichern gewählt - sie wird den Verlust dieser Comunity verschmerzen!

  • Serbe am 22.05.2019 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kultur

    Die Serben lieben es gelobt zu werden, und wenn jetzt auch noch ein bekannter Poltiker zu ihnen hält, dann würde man ihm am liebsten die serbische Staatsbürgerschaft verleihen. Weiters liegt in der Kultur der Serben jemanden nicht abzulehnen der Nähe und Freundschaft sucht. Anders gesagt, die Serben sind ein leicht zu manipulierendes Volk.

    • Sara am 22.05.2019 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Wurzeln

      Stimmt das, dass er serbische Wurzeln hat? Habe das gehört

    • Habs mal Gegoogelt am 22.05.2019 13:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Sara, nein...

      Dem Namen nach stammt er entweder aus Polen oder der Ostslowakei... Sein Name bedeutet übrigens auf Deutsch, je nach Herkunft, Angst oder Schrecken...

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  • Fortitudo am 22.05.2019 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ungebildet

    Strache hat taktisch einen guten Zug gemacht, mit der Brojanica. Viele Serben haben nur deswegen die FPÖ gewählt. Aber diese "Verherrlichung" die Strache den Serben entgegen brachte, musste ihm zum Verhängnis werden! Wann in der Geschichte waren Serben Österreichs Freunde??