Balkan-Blog

13. März 2019 06:00; Akt: 13.03.2019 07:26 Print

Wegen einem -ic im Namen behandelt man uns anders

Der Nachname hat für die meisten Menschen eine große Bedeutung. Doch manchmal kann er auch leider zur Last werden.

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Der Nachname hat für die meisten Menschen eine große Bedeutung. Doch manchmal kann er auch leider zur Last werden. Der serbische BMW, der kroatische Stolz und das türkische Bosnien. Am Balkan gibt es klare Unterschiede zwischen den Nationen - die man mit einem Zwinkern betrachten sollte. Von Außen wirkt es wohl so, als ob alle Jugos gleich heißen würden. Stimmt natürlich nicht. Und die immer gleiche Endung ist auch gar nicht so besonders. Šaban Šaulic ist der Größte. Da gibt es keinen Zweifel. Seine Musik wird ewig weiterleben. Laut Karl Lagerfeld würde man die Kontrolle über sein Leben verlieren, wenn man eine Jogginghose trägt. Demnach herrscht am Balkan Anarchie. Eine Ein-Zimmer-Wohnung in Wien, aber eine Villa am Balkan. Und das nur, um sie dann ein paar Tage im Jahr zu nutzen. Unser Blogger wuchs am Balkan auf. Dort hat er einige Dinge kennengelernt, die wohl jedem Jugo-Kind bekannt sind. Kennen Sie zum Beispiel Vegeta oder Argeta? Auch in anderen Lebensbereichen gibt es Konfliktpotenzial. Stichwort: Alkohol. Unser Autor rührt nämlich bis heute keinen Rakija an. Als Abstinenzler fühlt er sich am Balkan manchmal wie ein Alien. (Ja, das auf dem Bild neben dem Teletubbie ist wirklich unser Blogger.) Wenn wir schon beim Thema Kulinarik sind - ein kurzer Rückblick Balkan-Kinder wachsen von klein auf mit Unmengen an Fleisch auf. Kommen Vegetarier zu Besuch, wird es kritisch. Denn ein Spanferkel gehört bei uns zu jedem guten Fest. Unser Blogger kennt die Konflikte, Für seine Mama ist dieser Umstand nach wie vor schwer zu verdauen. So eine Hochzeit ist am Balkan das Höchste der Gefühle. Unser Blogger verbrachte seine ersten Lebensjahre am Balkan. Eine Beziehung zu Wien bestand aber schon damals: Man beachte das Wiener Kennzeichen. In seinem Blog berichtet er jede Woche von seinem Leben zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln. Mehr unter heute.at/balkanblog

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vor kurzem haben wir uns schon mit dem Phänomen der Balkan-Nachnamen auseinandergesetzt. Denn (fast) alle Enden mit einem -ić. Die Erklärung dafür wurde zwar bereits geliefert, jedoch nicht die Auswirkung.

Umfrage
Denken Sie, dass Sie aufgrund Ihres Namens anders behandelt werden?
38 %
15 %
14 %
33 %
Insgesamt 328 Teilnehmer

Einige Leser meldeten sich nämlich mit ihren Geschichten, die sie aufgrund ihrer Namen erlebten. Denn ein Nachname, der ziemlich laut schreit, "Ich bin ein Jugo", kann manchmal sehr mühsam werden. Da sind sich auch (fast) alle einig.

Verfluchter Stolz?

Klar, es gibt die eine Seite, die stolz ist, dass der Name die Wurzeln nochmal unterstreicht. Man will irgendwie zeigen, dass man vom Balkan kommt. So antwortete eine Dame auf den Kommentar einer Leserin, die meinte, sie sei froh, dass sie trotz ihrer Herkunft kein -ić im Namen hat, wie folgt: "Ich bin auch eine Kroatin und stolz darauf, auch ein ić zu haben!"

Doch nicht wenige erklärten die Schwierigkeiten, die ein simples Suffix mit sich bringt. Ein -ić oder ein nicht-ić entscheidet darüber, wie sich Personen bei Behörden oder Ämtern gegenüber einem Verhalten. So fällt mir auf, dass meine Mutter, beispielsweise bei Ärzten, immer freundlicher empfangen wird als ich. Ich muss erklären, dass meine Mama neu geheiratet hat. Sie hat nun einen sehr österreichisch klingenden Namen, ich hingegen habe ihren Mädchennamen behalten.

Jedoch ist meine Aussprache um einiges österreichischer als ihre. Meine Mama redet tatsächlich das klischeehafte Jugo-Deutsch, wie man es aus seichten Filmen und Serien kennt. Sie kann zwar alles sagen, es hört sich nur ein wenig komischer an. Dennoch wird sie zunächst herzlicher empfangen als ich. Und meine Erfahrungen decken sich mit jenen meiner Freunde und Bekannten.

Vorurteile wegen einem Suffix

So erzählte mir eine Studienkollegin, dass sie merkt, wie die Damen und Herren bei Ämtern immer ihr offensichtlichstes Hochdeutsch auspacken, wenn sie an der Reihe ist. "Sie reden sehr langsam und richtig deutlich, als ob ich alt und schwerhörig wäre", meinte sie. Auch spüre sie, dass ihr zu Beginn des Gesprächs eine gewisse Abneigung entgegen schlägt. Einfach nur wegen einem -ić im Namen. Dabei lebt sie seit ihrer Kindheit in Österreich. Akzent oder Sprachprobleme? Keine Spur.

Kurios wird es, wenn der Name dann doch nichts über die Wurzeln aussagt. Oder zumindest nur etwas über die weit entfernten. Denn ein Leser erklärt beispielsweise, dass er keinerlei Verwandschaft am Balkan hat, sein Nachname dennoch mit einem -ic endet. Auch er schreibt, dass er dadurch oft vorverurteilt wird. Das merke er im alltäglichen Leben.

Faszinierend eigentlich, was ein -ić so alles ausmachen kann...

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Suzi am 13.03.2019 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht

    Ich habe auch das typische ic, ich wurde noch nie deswegen schlechter behandelt. Es kommt schon auch auf das eigene Auftreten dem Gegenüber an. Wenn ich blöd komm, bekomm ich es genauso zurück egal ob ic oder nicht.

  • Anton Fuchs am 13.03.2019 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Das glaube ich nicht. Gerade in Wien, im Weinviertel und im Burgenland sind ausländisch klingende Namen sehr verbreitet, und keiner wird deswegen anders behandelt.

  • Bertl67 am 13.03.2019 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Auch umgekehrt

    Es gibt aber auch teilweise Vorteile wenn man in "-ic" am ende des Namens hat - dann wenn man bei z.B einer Behörde sitzt wo der Bearbeiter auch in "-ic" am Ende hat - oder bei einem Portier - da wird man ja auch manchmal leichter reingelassen als ohne "-ic". Weil "Du ja einer von uns bist". Also wenn dann beide Seiten der Münze betrachten

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Jenny am 02.04.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich eine Frechheit

    meine Mutter ist Österreicherin, mein Vater ist Serbe (kein Kontakt seit ich 2 Jahre alt bin, bin komplett ''österreichisch'' Aufgewachsen) und mein Name endet auch auf ic. Als ich auf Jobsuche war, hagelte es nur Absagen obwohl ich eine gute Ausbildung und nachweisbare Qualifikationen hatte. Irgendwann hatte ich die Nase voll und änderte meinen Nachnamen im Lebenslauf auf Huber und schickte ihn an die selben firmen 1 zu 1 so weg wie er davor auch war, nur eben mit dem ausgedachten ''österreichischen'' Namen. Ich habe von 4 Firmen eine Einladung bekommen, die mir 1 Woche zuvor Abgesagt haben..

  • zachaeus am 13.03.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns im Burgenland

    stimmt diese Behauptung nicht! Siehe Türschilder vom Amt der Landesregierung abwärts in allen Behörden und Ämter. Da bist ohne -ic, etc., nackt auf der Bühne.

  • Karl Max am 13.03.2019 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    IC

    Dass Ihr mit einem "ic" im Namen den Österreichern gegenüber aber viele Vorteile genießt, darüber habt ihr euch aber noch nie beschwert.

    • stolzmitic am 13.03.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Max

      welche Vorteile hab ich dadurch? bitte um nähere Erläuterung.

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  • Max Mustermann am 13.03.2019 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Das -i hat nix damit zu tun

    Man wird nicht wegen dem -i anders behandelt, sondern wenn man sich daneben benimmt. Wenn Leute weder "Bitte" noch "Danke" sagen können/wollen, wenn nicht gegrüßt wird, wenn lautstark herumgebrüllt wird, wenn Verbote missachtet werden, dann darf man sich halt auch nicht wundern, wenn man geächtet wird. Anstatt aber den Fehler beim eigenen Verhalten zu suchen, schiebt man es der Einfachheit halber auf den fremden Familiennamen und die böse "rassistische" Bevölkerung.

  • Bernd Schuster am 13.03.2019 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    stimmt ic werden bei jeden Amt und Behörden sowie bei Arbeitsplätzen bevorzugt.