Doktor Sex

27. Oktober 2018 08:10; Akt: 27.10.2018 08:12 Print

"Sobald wir nackt sind, wird es schwierig"

Manuel und seine Freundin fühlen sich wohl in ihrer Beziehung. Aber beim Sex ist die Stimmung angespannt. Und beim Versuch, darüber zu reden, gibt es Probleme.

 (Bild: iStock)

(Bild: iStock)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Frage von Manuel (18) an Doktor Sex:Ich habe seit drei Jahren eine Freundin. Wir mögen uns und verbringen gerne Zeit zusammen. In der Beziehung fühlen wir uns wohl, aber im Bett ist alles anders. Sobald die Kleider weg sind, wird es schwierig und die Stimmung ist angespannt. Oft habe ich das Gefühl, ihr sei unwohl beim Sex. Aber wenn ich frage, ob sie nicht will, sagt sie: "Doch". Wenn ich frage, was sie anmacht, meint sie: "Ich weiß es nicht." Was soll ich tun? Wie kann ich herausfinden, was sie möchte, wenn sie mir keine klaren Antworten gibt?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Manuel

Ihr scheint euch sehr zu lieben. Und du scheinst eine hohe Frustrationstoleranz zu haben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass du drei Jahre lang in dieser diffusen und wohl für beide ziemlich frustrierenden Situation verharren und immer wieder die gleichen Strategien anwenden kannst, deren einzige Auswirkung ist, dass alles so bleibt, wie es ist.

Wahrscheinlich ist es dir ergangen wie anderen Verliebten: Erst warst du blind vor Glück und daher nicht in der Lage, die neue Situation differenziert einschätzen zu können. Später hast du zwar gemerkt, dass etwas nicht stimmt, hofftest aber, dass sich die Lösung mit der Zeit von selbst einstellen würde. Und irgendwann hat dann eine gewisse Verzweiflung eingesetzt, die dich schließlich dazu brachte, mit deiner Freundin zu reden. Leider hast du es aber verpasst, ihr die passenden Fragen zu stellen. Und vor allem ist es dir nicht gelungen, über dich und darüber zu sprechen, was du erlebst und wie es dir dabei geht.

Wichtig scheint mir, dass du – dass ihr beide – die Kommunikation in eurer Beziehung verändert. Damit meine ich nicht nur die Inhalte, sondern auch Struktur und Kontext, in dem sie stattfinden. Nachfolgend einige Punkte, an denen ihr ansetzen könntet.

Was den Teil eures Sexuallebens anbelangt, den du in deiner Frage beschreibst, scheinst du derjenige zu sein, der handelt und die Sache angeht. Deine Freundin hingegen verhält sich passiv und wirkt irgendwie gehemmt und etwas überfordert. Auf den Punkt gebracht: Du arbeitest und sie lässt dich immer wieder auflaufen. Versucht, aus diesem Rollenmuster herauszukommen, indem ihr euch bewusst werdet, welche Motive sich dahinter verbergen.

Hier ein paar Fragen, zu denen ihr euch je einzeln in Zusammenhang mit dem Thema Rollenverteilung beim Sex Gedanken machen könnt: Wie ist aus meiner Sicht die Verantwortung dafür verteilt, ob und wie in unserer Beziehung Sex stattfindet? Woran erkenne ich, wer auf welche Weise Verantwortung übernimmt? Gibt es Gefühle, Gedanken, Geschlechterrollenbilder oder Wertvorstellungen, die dazu führen, dass die Verantwortung so verteilt ist, wie ich es wahrnehme? Wenn ja: Verspüre ich den Wunsch, dass die Verteilung anders ist? Und was kann ich dazu beitragen, dass sich die Situation in die Richtung verändert, die ich mir wünsche?

Parallel dazu könntet ihr beginnen, euch anhand der folgenden Fragen inhaltlich mit Sex und Sexualität auseinanderzusetzen. Was verstehe ich unter diesen Begriffen? Unterscheiden sie sich inhaltlich für mich und falls ja, wie? Wie geht es mir mit der Vorstellung, mit dem Partner/der Partnerin darüber zu sprechen? Gibt es Aspekte der Sexualität, mit denen ich mich eher schwer tue oder bei denen ich Scham empfinde? Wenn ja: Was brauche ich, damit ich trotzdem in Gespräche mit meinem Partner/meiner Partnerin einsteigen kann? Kenne ich meine ganz persönlichen Bedürfnisse beim Sex oder orientiere ich mich an dem, was ich gehört oder gelesen habe? Gibt es Praktiken, die ich gerne ausprobieren würde? Wie wichtig ist mir der Orgasmus, wenn es darum geht, sexuell befriedigt zu sein? Was spielt bezüglich der sexuellen Befriedigung auch noch eine Rolle oder ist möglicherweise sogar wichtiger als der Höhepunkt selbst? Wie denke ich über Selbstbefriedigung? Was bedeutet mir sexuelle Treue? Welche Haltung habe ich gegenüber expliziten Darstellungen von sexuellen Handlungen?

So weit meine Vorschläge. Probiert aus, was davon für euch hilfreich ist, um in eurem Prozess weiterzukommen. Viel Glück!

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(wer)

Themen
Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TantePolly am 28.10.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ein gemeinsames warmes Bad

    wirkt entspannend und danach eine gegenseitige Oralverwöhnung im Bett.

  • TantePolly am 28.10.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    P.S.:

    Vielleicht hatte sie ein traumatisches Erkebnis, fürchtet sich vor dem Sex, oder, dass dabei herauskommt, dass sie keine Jungfrau mehr ist. Schlaft einfach ohne Sex einige Nächte hindurch mitsammen um Vertrauen aufzubauen und Stress abzubauen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • TantePolly am 28.10.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    P.S.:

    Vielleicht hatte sie ein traumatisches Erkebnis, fürchtet sich vor dem Sex, oder, dass dabei herauskommt, dass sie keine Jungfrau mehr ist. Schlaft einfach ohne Sex einige Nächte hindurch mitsammen um Vertrauen aufzubauen und Stress abzubauen.

  • TantePolly am 28.10.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ein gemeinsames warmes Bad

    wirkt entspannend und danach eine gegenseitige Oralverwöhnung im Bett.