Interview

17. Juni 2019 12:09; Akt: 18.06.2019 08:35 Print

Darum sehen wir in Wien jetzt so viele Schlangen

Derzeit werden vermehrt Reptilien in der Bundeshauptstadt gesichtet. Warum dem so ist und wie man sich verhalten sollte.

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Zahlreiche Leser-Fotos haben es in den letzten Wochen bewiesen: In Wien werden derzeit jede Menge Schlangen gesichtet. Tierärztin Martina Konecny, Reptilienexpertin an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

"Heute": Mehr Schlangen-Sichtungen in Wien – ein zu dieser Jahreszeit normales Phänomen?

Martina Konecny: Ja, das ist ein vollkommen normales Phänomen, da die Tiere wechselwarm sind. Das bedeutet, dass sie ihre Temperatur der Umgebung anpassen. Normalerweise kommen die Tiere bei einer Temperatur um die 20 Grad aus ihren Winterquartieren, um auf ihren Sonnenplätzen Energie für die Futteraufnahme, Verdauung und Paarung zu tanken. Da aber dieses Jahr der Frühling lange auf sich warten hat lassen, hat sich diese Zeit etwas nach hinten verschoben.

Steigen die Temperaturen weiter an, beginnen die Tiere auf die Jagd zu gehen. Männliche Schlangen sind in dieser Zeit sehr bewegungsfreudig, da sie aktiv auf der Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen sind.

"Heute": Wie sollte man sich verhalten, wenn einem eine Schlange begegnet und ist Furcht vor den Tieren gerechtfertigt?

Konecny: Eine Furcht vor Schlangen ist nicht gerechtfertigt wenn man sich auch dementsprechend verhält: ruhiges Auftreten, den Schlangen immer einen Ausweg bieten, um flüchten zu können und den Tieren aus dem Weg gehen. Durch die verursachten Vibrationen flüchten die scheuen Tiere meist. Wenn man versucht, sie in die Enge zu treiben oder fangen zu wollen, kann natürlich mit Gegenwehr gerechnet werden und dadurch ein Bissunfall entstehen.

"Heute": Welche Arten kann man in Wien antreffen?

Konecny: Es gibt insgesamt sechs verschiedene Schlangenarten, die in Österreich beheimatet sind. Vier davon gehören zu den ungiftigen Nattern; dazu zählen die Ringelnatter, Äskulapnatter, Würfelnatter und Schlingnatter. Deutlich zu erkennen an ihren runden Pupillen und ihrem schlanken Körperbau.

Gerade Ringelnattern und Äskulapnattern können gehäuft in Wien und Umgebung angetroffen werden. Unsere zwei einheimischen Giftschlangen, dazu zählen die Kreuzotter und Hornotter, werden jedoch nicht oder sehr selten in Großstädten gesehen.

"Heute": Welche Rolle spielen Schlangen im Ökosystem einer Großstadt bzw. deren Außenbezirken?

Konecny: Gerade Äskulapnattern sind gern gesehene Schädlingsbekämpfer, da sie sich von Nagetieren wie Mäuse und Ratten ernähren. Sie sind auch in der Nähe von Hühnerställen oder Vogelvolieren öfters anzutreffen, um hier Mäuse, die sich am Körnerfutter der Vögel satt fressen, zu jagen. Ringelnattern jedoch begnügen sich eher mit Fischen und Amphibien und halten hier die einheimische Fauna im ökologischen Gleichgewicht.

"Heute": Was sollten unsere Leser noch wissen?

Konecny: Bissunfälle kommen in Österreich sehr selten vor, meist verursacht durch unachtsame Wanderer, die unabsichtlich auf die Tiere drauftreten. Unsere einheimischen Giftschlangen zählen zu den schwach giftigen Tieren, jedoch sollten vor allem Kinder, alte und immunsupprimierte Menschen aufpassen, wenn solche Tiere gesichtet werden. Kommt es dennoch zu einem Bissunfall sollte immer ein Arzt oder der Notruf kontaktiert werden.

Die Blindschleiche wird immer wieder gerne fälschlicherweise mit einer Schlange verwechselt, jedoch handelt es sich hierbei und eine Echsenart deren Beine zurückgebildet sind. Alle Schlangen stehen unter strengem Naturschutz. Das bedeutet, dass diese Tiere weder gefangen, getötet, bejagt oder aus ihrer Umgebung entfernt werden dürfen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 14.06.2019 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlangen

    Wohne am Rand von Wien und da gibt es einige Teiche und wenn ich mit meiner Hündin spazieren gehe sehen wir fast täglich 2 bis 3 Schlangen. Auch im Garten haben wir jedes Jahr welche. Finde es schön wenn man sie sieht.

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  • seven am 14.06.2019 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schlangen

    In der Seestadt sind die Schlangen dank arabischer Flötenmusik schon im tiefschlaf.

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  • Desert Eagle am 15.06.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Junior glaubte immer,

    Schlangen seien naß und glitschig. Erst, als er sich im Klagenfurt Reptilienzoo eine Königspython um den Hals legen durfte, erkannte er, daß die Tiere warm und staubtrocken sind (außer sie waren schwimmen).

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Desert Eagle am 15.06.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Junior glaubte immer,

    Schlangen seien naß und glitschig. Erst, als er sich im Klagenfurt Reptilienzoo eine Königspython um den Hals legen durfte, erkannte er, daß die Tiere warm und staubtrocken sind (außer sie waren schwimmen).

  • seven am 14.06.2019 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schlangen

    In der Seestadt sind die Schlangen dank arabischer Flötenmusik schon im tiefschlaf.

    • AbdulBulbul am 15.06.2019 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Schlangen sind haram

      Landtiere ohne Ohren sind haram. Es ist also i.O.,Schlangen mit orientalischer Flötenmusi zu malträtieren.

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  • Sandra am 14.06.2019 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlangen

    Wohne am Rand von Wien und da gibt es einige Teiche und wenn ich mit meiner Hündin spazieren gehe sehen wir fast täglich 2 bis 3 Schlangen. Auch im Garten haben wir jedes Jahr welche. Finde es schön wenn man sie sieht.

    • Skyrider am 14.06.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      SANDRA!

      Wenn Du ES schön findest, daß man Schlangen sieht - bitte sehr! Ich jedoch, werde mich mit dieser Sorte Getier auf keine Grundsatz-Diskussion einlassen, zu welcher Gattung, Ober- oder Unterart sie sich zählt! Wird ES meinen Mini-Enkelinnen oder jener Lady, die mich seit bald 45 Jahren erträgt, zu einer Gefahr, ist ES Geschichte! BASTA!

    • Sandra am 14.06.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Skyrider

      Also dieser Kommentar ist überflüssig! Vor allem wer will das wissen? Aber es wird entschuldigt den es ist sehr heiß! Tiere in der Natur zu sehen ist was schönes es gibt ohnehin nur mehr wenige!

    • Ah geh am 14.06.2019 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Skyrider

      Die schlängeln doch nur genüsslich durch die Sonne. Was ist daran so schlimm? Die tun ja nix. Aber ich verstehe es, manche ekeln sich oder sind vorsichtig bei Schlangen, bei mir sind es Spinnen. Da würden Sie dann zu mir sagen, dass die ja eh nix tun und harmlos sind. Mancher mag sie, mancher nicht.

    • Hilflose Maid am 14.06.2019 14:13 Report Diesen Beitrag melden

      Herakles

      @Skyrider: Es ist schön zu lesen, dass Sie ihre Enkelin und ihr "Wonderwoman" so energisch beschützen (wollen). Das ist heute eher selten, die meisten Männer/Bobos sind nämlich echte Lulus (seufz) !

    • Drakensang am 14.06.2019 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hilflose Maid

      Trotzdem gilt aber der Arten- und Tierschutz! Das bitte nie vergessen und einfach ruhig zu Seite gehen und nicht töten! Auch Schlangen und andere Reptilien haben ein Recht zu leben, außerdem sind sie nützlich und helfen uns durch ihren Verzehr von Ratten, Mäusen udgl.! Warum jetzt mehr Fotos auftauchen: Ganz klar, jeder hat ein Smartphone dabei!

    • S.Oliver am 14.06.2019 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Skyrider

      UFF! Häuptling hat gesprochen! Macht böse Schlangen tot. Falls er überhaupt je eine treffen sollte, ist die eh viel schneller und weg.

    • Nana am 14.06.2019 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      Schlangen

      Ich mag sie auch nicht, diese hinterhältigen Tiere! Die greifen auch an, wenn sie nicht in die Enge getrieben werden! Auch wenn sie von Experten lieb beredet werden...,für mich sind sie grauslich, obwohl ich Tiere liebe, aber Schlangen ekeln mich!!

    • Desert Eagle am 15.06.2019 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      Mich hat noch nie eine

      Schlange "einfach so" angegriffen. Und der einzige Biß, den ich erhielt, war von einer Ringelnatter.

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