Speedrunner erzählt

22. Februar 2018 15:08; Akt: 22.02.2018 17:46 Print

"Ich habe das Spiel gut 2.000 Stunden gezockt"

Speedrunner widmen sich jahrelang dem gleichen Game, um Sekundenbruchteile schneller zu sein als andere. Ein Rekordhalter erzählt.

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Die meisten von uns dürften ein Videospiel einmal durchzocken und danach wieder ins Regal stellen. Und wohl nur wenn das Game an ein Meisterwerk grenzt wird man es wieder mal spielen. Der Nostalgie zuliebe.

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Andere spielen nicht nur das gleiche Game dutzende Male durch, sondern verbringen gar Monate damit, Abkürzungen, Tricks und Spielfehler zu finden, um das Spiel ein paar Sekundenbruchteile schneller durchspielen zu können. Die jeweiligen Zeiten werden in verschiedenen Kategorien – beispielsweise "ohne das Ausnutzen von Spielfehlern" oder "mit allen Gegenständen" – festgehalten und wieder und wieder von Nerds aus der ganzen Welt herausgefordert.

Karitative Szene

Speedrunning nennt sich dieses Zocken auf Zeit, das immer mehr Beliebtheit gewinnt. Die letzte Ausgabe des kultigsten Events der Szene, "Awesome Games Done Quick", sahen bis zu 200.000 Menschen gleichzeitig auf dem Streaming-Portal Twitch an. Und spendeten auf Anregung der Organisatoren dabei über 1,7 Millionen Euro für Krebsforschung und Prävention – das Karitative hat beinahe schon Tradition in der Szene.

In Games gegen die Zeit antreten, das macht auch der 30-jährige Valentin Neiger in der Schweiz, den man unter seinem Nicknamen "Yagamoth" kennt. Er hängte vor rund drei Jahren seinen IT-Job an den Nagel, um Games zu zocken und diese im Netz zu streamen – wenn möglich täglich. Mit Hilfe von Spenden von Fans will er sich mittelfristig das Leben finanzieren. Und auch wenn das (noch) nicht klappt, ist er auf gutem Weg: Auf Twitch folgen ihm über 16.000 Menschen.

Fünf Rekorde

Yagamoth hält derzeit fünf Rekorde, drei davon im gleichen Game: "Secret of Mana", einem Rollenspielklassiker von 1994. In das Spiel hat Yagamoth tausende Stunden investiert: Nicht nur beim Zocken, sondern auch beim Diskutieren über neue Strategien und dem Studieren von Speedruns anderer. "Klar, ich mag das Spiel sehr und ich habe es auch vor dem Speedrunning viel gespielt", sagt er. "Aber was mich hauptsächlich daran fesselt, ist die Community. Die Leute sind unheimlich freundlich und hilfsbereit und ich habe einige Freunde durch die Szene kennengelernt."

Einer seiner Rekorde könnte aber bald geknackt werden: "Jemand stellte einen neuen Trick ins Netz, mit dem man das Game theoretisch rund 90 Sekunden schneller durchspielen kann", sagt er. "Und ich konnte da nur 30 Sekunden rausholen."

Das ist "Yagamoth" aber ziemlich egal: Um Ruhm und Preisgeld gehts den Speedrunnern nämlich kaum. "Den meisten aus der Community ist es schlussendlich gar nicht so wichtig, wer am schnellsten ist", sagt "Yagamoth". "Es ist eher eine Zusammenarbeit zwischen Menschen aus der ganzen Welt. Jemand entdeckt einen neuen Trick, teilt den mit der Szene und alle arbeiten daran, wie man das beste da rausholen kann."

Ein Fehler kann zu Neustart führen

Dabei gehts häufig um Details. Denn selbst kleinste Unachtsamkeiten können einen ganzen Durchlauf ruinieren. Ein unachtsamer Knopfdruck oder eine Fehlüberlegung kann einen bereits zwei Stunden andauernden Rekordversuch ruinieren. Und dann heißt es: Tief durchatmen und die Reset-Taste drücken. Wer einem Speedrunner im Live-Stream zusieht, wird sich deshalb an Flüche und regelmäßiges Neustarten gewöhnen müssen.

23-Stunden-Session

Am vergangenen Wochenende wagte sich "Yagamoth" an eine Marathon-Session. Er zockte "Secret of Mana" zu 100 Prozent durch: Jedes Item, jede Fähigkeit, jeden Boss. Zur Vorbereitung auf den Run bereitete er sich fünf Sandwiches, diverse Riegel und literweise Wasser vor. Der geschätzte Zeitaufwand: Zwischen 24 und 30 Stunden. Abgeschlossen hat "Yagamoth" den Durchgang schlussendlich in etwas weniger als 23 Stunden – gut neun Stunden schneller als sein letzter 100-Prozent-Run.

Wenn das jetzt wie reine Zeitverschwendung klingt: Deutschland plant, Gaming als Sport anzuerkennen und eSports-Turniere schütten Preisgelder von bis zu 22 Millionen Euro aus. Und "Yagamoth" vergleicht seinen Plan, vom Streamen leben zu können, mit demjenigen von Künstlern: "Für mich ist es eine Leidenschaft, mit der ich eben mein Überleben finanzieren will", sagt er. "Aber man darf nicht erwarten, dass es funktioniert. Da gehört viel Glück und Durchhaltewillen dazu. Schlussendlich ist das nicht anders als bei Schauspielern oder Musikern – wirklich davon leben können nur die Wenigsten."

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(dan/Tilllate)

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  • NameVor am 22.02.2018 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Titel

    nur 2000, wie süß, wasn low bot

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