Game-Sucht

20. Dezember 2018 05:55; Akt: 11.02.2019 16:13 Print

"Fortnite" ist so beliebt, dass Eltern verzweifeln

von A. Peterhans - Kein Spiel ist beliebter als "Fortnite". Es fördere die Intelligenz, sagen Gamer. Doch hilflose Eltern müssen ihre Kinder in Behandlung schicken.

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Stundenlang zockte ein neunjähriges Mädchen in Großbritannien das Battle-Royale-Spiel "Fortnite" – dann musste es von seinen Eltern in die Suchttherapie geschickt werden. Das kostenlose Shooterspiel ist beliebt wie kein zweites: 200 Millionen registrierte Spieler zählen die Betreiber mittlerweile, darunter auch viele aus Österreich.

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Kritisch beäugt Franz Eidenbenz, Leiter Behandlung des Zentrums für Spielsucht in Zürich, den Boom: "'Fortnite' ist zurzeit das gefährlichste Spiel, sozusagen das 'Heroin' bei den E-Games. Immer mehr Jugendliche verlieren die Kontrolle. Das Spiel ist zurzeit der Hauptgrund, weshalb immer mehr Jugendliche in die Suchtberatung müssen. Sie schaffen es nicht, selbst abzustellen – bis ihre Schulleistungen abnehmen und sie Sport und Freundschaften vernachlässigen."

Game ziele auf junge Spieler ab

Empfohlen wird das Spiel ab 12 Jahren, eine klare Altersbeschränkung gibt es nicht. Die Macher von "Fortnite" hätten ein Spiel mit enormem Suchtpotenzial entwickelt, erklärt Eidenbenz. Die comicartige Darstellung spreche die ganz Jungen an. Sein jüngster Süchtiger in Behandlung sei 12 Jahre alt. "Es geht ums Überleben und um den Kampf. Aber ohne Blut, weshalb eine tiefe Altersempfehlung möglich ist." Und: Einige Elemente wie die Überraschungskisten wirkten gleich wie das Glücksspiel.

In der Schweiz können sich Gamesüchtige seit dem Sommer erstmals in Basel stationär behandeln lassen. Nun zieht die Privatklinik Meiringen nach und eröffnet eine stationäre Abteilung für Verhaltenssüchtige. "Betroffene meldeten sich zu spät, meist erst, wenn schon gesundheitliche Probleme vorliegen", sagt Jochen Mutschler, Chefarzt der Psychiatrie in Meiringen. Meistens seien es die Eltern, die ihre Kinder anmeldeten.

"Schützt Jugendliche zu wenig"

"Zur Gamesucht kommt häufig eine Depression hinzu", erklärt Chefarzt Mutschler. "Der Betroffene und das Umfeld müssen erst aufgeklärt werden, dass es sich um eine Krankheit handelt. Das ist nicht selbstverständlich." Die Behandlung fordere einen Verzicht auf den Computer und das Gamen. "Die Schwierigkeit daran ist, dass nicht ein Leben lang auf den Computer oder das Handy verzichten werden kann", erklärt er. Die Gefahr, wieder süchtig zu werden, sei somit ein ständiger Begleiter.

Laut Medienberichten will die "Ethikkommission für Spiele" in China "Fortnite" verbieten. Pro Juventute spricht sich gegen ein Verbot, aber für mehr Prävention aus. "Verbote können keinen umfassenden Schutz vor den Risiken des Internets bieten", sagt Sprecher Bernhard Bürki. "Kinder und Jugendliche müssen in der Schule und von ihren Eltern einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien lernen."

"Fortnite" rüste für die Zukunft

Laut Matthias Sala, Präsident des Schweizer Computerspiel-Entwickler-Verbands (SGDA), darf "Fortnite" nicht nur negativ betrachtet werden: "Alles kann abhängig machen. Ein angemessener Konsum erfordert Selbstdisziplin und muss zusammen mit den Eltern erarbeitet werden." Das Spiel sei Ausdruck des Zeitgeists und könne integrieren. "Auf dem Pausenhof imitieren Jugendliche etwa den Tanzstil der Figuren. 'Fortnite' fördert so Freundschaften."

"Viele Erwachsene verstehen diese Medienform noch nicht", erklärt Sala. Gamen bereite Jugendliche auf die digitale Zukunft vor und fördere unter anderem strategisches Denken. Dieser Trieb sollte auf angemessene Weise gefördert anstatt unterdrückt werden.

Eltern in der Verantwortung

Die Politik setzt auf freiwillige Lösungen. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner sieht das Problem bei den Erwachsenen: "Im Internet gibt es viele Games, die gespielt werden – kontrollierbar ist das nicht. Bei einem Spiel mit Gewalt liegt es an den Eltern, ihre Pflicht wahrzunehmen. Das fordert Eigenverantwortung. Statt eines Verbots sollten sich alle mit den Risiken von 'Fortnite' auseinandersetzen." Auch SP-Nationalrätin Silvia Schenker sagt: "'Fortnite' jetzt noch zu verbieten, nützt wenig. Nächstes Jahr ist schon wieder ein neues Game angesagt. Die Eltern stehen in der Verantwortung, Auffälligkeiten bei ihren Kindern zu beobachten."

Hier finden Betroffene und Eltern Hilfe

Im Bundesministerium für Finanzen ist eine Spielerschutzstelle eingerichtet, die sich nicht nur um das klassische Glücksspiel, sondern auch um Videospielsucht kümmert. Sie bietet Beratung, Hilfe und Information für Betroffene und Eltern. Neben einem Selbsttest werden Hilfs-Anlaufstellen in sämtlichen Bundesländern aufgelistet.

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  • Sax am 20.12.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    Ich habe selbst in einer Tagesklinik für Psychiatrie einen jungen Mann kennengelernt, der bereits aufgrund seiner Spielsucht drei Monate stationär aufgenommen war wegen 20 Stunden pro Tag spielen. Seine Eltern zeigten sich sehr kooperativ. Er selbst erkannte das Problem. Was mir persönlich auffiel, er zeigte überhaupt kein Gemeinschaftsgefühl. Er war auch nicht bereit am Tagesablauf wie Tisch decken, Essen herrichten, Geschirr wegräumen, Gruppenarbeit usw teilzunehmen. In Einzelarbeiten war er sehr ausdauernd und geschickt. Und er war sehr depressiv, dass er aufgrund der Spielsucht seine Ausbildung etc abgebrochen hat. Meiner Meinung nach beginnt das Übel bereits in der Kindheit. Die Spiele vermitteln eine imaginäre Welt, wo man die Hauptperson ist. In der wahren Welt wird man zwar beachtet, aber man bekommt zu wenig Anerkennung, Du kannst das, Du machst das toll. Viele Eltern vergessen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie lernen noch und können nicht unterscheiden, wo sind die Grenzen. Somit suchen sich diese selbst und geraten immer mehr in den Strudel dieser virtuellen Welt

  • Petersack am 20.12.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentar

    Ich check nicht warums jeder spielt es gibt so viele. Kinder und Shotgunsäcke die dich zum ausrasten bringen spielt doch mal Rings of Elysium ihr keks

  • AuchneMeinung am 20.12.2018 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Habe im Umkreis einen 10jährigen

    Täglich stundenlang. "Spielt" nicht nur Fortnite, sondern auch mit den Erwachsenen. Eine Playstation steht daheim, eine bei den Großeltern, eine beim Expapa. So kommt der kleine Mann zu noch mehr Stunden. Und von den Summen, die Opa & Co an Utensilien mittels Onlineshop kaufen sind nicht OHNE.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Sax am 20.12.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    Ich habe selbst in einer Tagesklinik für Psychiatrie einen jungen Mann kennengelernt, der bereits aufgrund seiner Spielsucht drei Monate stationär aufgenommen war wegen 20 Stunden pro Tag spielen. Seine Eltern zeigten sich sehr kooperativ. Er selbst erkannte das Problem. Was mir persönlich auffiel, er zeigte überhaupt kein Gemeinschaftsgefühl. Er war auch nicht bereit am Tagesablauf wie Tisch decken, Essen herrichten, Geschirr wegräumen, Gruppenarbeit usw teilzunehmen. In Einzelarbeiten war er sehr ausdauernd und geschickt. Und er war sehr depressiv, dass er aufgrund der Spielsucht seine Ausbildung etc abgebrochen hat. Meiner Meinung nach beginnt das Übel bereits in der Kindheit. Die Spiele vermitteln eine imaginäre Welt, wo man die Hauptperson ist. In der wahren Welt wird man zwar beachtet, aber man bekommt zu wenig Anerkennung, Du kannst das, Du machst das toll. Viele Eltern vergessen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie lernen noch und können nicht unterscheiden, wo sind die Grenzen. Somit suchen sich diese selbst und geraten immer mehr in den Strudel dieser virtuellen Welt

  • Petersack am 20.12.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentar

    Ich check nicht warums jeder spielt es gibt so viele. Kinder und Shotgunsäcke die dich zum ausrasten bringen spielt doch mal Rings of Elysium ihr keks

  • AuchneMeinung am 20.12.2018 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Habe im Umkreis einen 10jährigen

    Täglich stundenlang. "Spielt" nicht nur Fortnite, sondern auch mit den Erwachsenen. Eine Playstation steht daheim, eine bei den Großeltern, eine beim Expapa. So kommt der kleine Mann zu noch mehr Stunden. Und von den Summen, die Opa & Co an Utensilien mittels Onlineshop kaufen sind nicht OHNE.

  • Jan B am 20.12.2018 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo...

    Das Solche Spiele produziert und verkauft werden können ist der Wahnsinn schlechthin...da dürfen wir uns nichtmehr wundern warum die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft immer niedriger wird... Da kann man nur in den eigenen vier Wänden beginnen und den kindern konsequent solche Spiele verbieten...wir ernten was wir säen...

    • Spieler am 20.12.2018 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Jan B

      Spiele haben keine Auswirkung auf die Gewaltbereitschaft, wäre dem so, wäre ich schon zig-mal Amok gelaufen. Nicht wundern, wenn trotz Spiele-Verbot die Gewaltbereitschaft steigt. ERZIEHUNG, Werte wie: Empathie vermitteln, Gerechtigkeitssinn ausprägen

    • JUdge Dredd am 20.12.2018 11:10 Report Diesen Beitrag melden

      Justice

      AbsoluterSchwachsinn ! Dann müssten rund 1,5 Millionen User im Durchschnitt von Call of Duty Und Battlefield 5 ja Millionen Gewaltverbrechen Begehenich zocke schon seit über 25 Jahren und Trainiere kinder in Kung Fu und Gewaltprävention ! Gewalt geht von Eltern aus im Kindesalter und nicht von Videospielen ! Abgesehen davon ist Fortnite ein Gratisspiel ohne einen Tropfen Blut ! Also vorher mal Ein bisschen selber Schlsu machen bevor man hier so einen Topfen Erzählt, Es ist sogar Wissenschaftlich Bewiesen das Kinder die Regelmäßig Zocken Multitasking fähiger sind als nicht zockende Kids !!!!!

    • Jonas am 22.12.2018 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte sorgfältig lesen

      Im Artikel handelt es nicht darüber, dass Kinder durch Videospiele gewaltig werden, sondern dass Fortnite zur Spielsucht führen kann, genauso wie unreguliertes Zocken im Casino. Deswegen sollte einfach eine Altersgrenze eingeführt werden, wie bei Vera&John oder DrückGlück. Man sollte zumindest die Spielzeit begrenzen. Soweit das Problem nicht anerkannt wird, wird die Lösung auch fehlen.

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