Grafik-Analyse

26. Oktober 2018 08:00; Akt: 25.10.2018 21:05 Print

So beeindruckend ist die Technik von "Red Dead 2"

Das neue Spiel der "GTA"-Entwickler besticht mit vielen Details und beeindruckenden Landschaften. Eine Analyse zeigt, was unter der Haube steckt.

Bildstrecke im Grossformat »
Red Dead Redemption 2 ist einfach nur absurd. Absurd groß, absurd detailreich, absurd ambitioniert. Die Entwickler haben die Technik unter der Haube ordentlich aufpoliert. Das soll bessere Animationen, mehr Interaktionsmöglichkeiten und eine lebendigere Spielwelt zur Folge haben. Rockstar dürfte das nicht einfach daher sagen, denn die Welt wurde vor der Handlung gebaut, soll selbst als Charakter auftreten. Gleichzeitig ist Red Dead Redemption 2 aber interaktiver als alle Rockstar-Spiele zuvor. Mit beinahe jedem Charakter kann man in Kontakt treten. Das neue Interaktionsmenü erlaubt das freundliche Grüßen, Beleidigen oder sogar Ausrauben von Reisenden, Dorfbewohnern und zwielichtigen Gestalten am Straßenrand. Wie die Figuren reagieren ist schwer abzuschätzen - wie im echten Leben auch. Hat man eine Vorgeschichte mit einer Person oder eine negative Reputation, kann das natürlich die Möglichkeiten beeinflussen. Jemanden zu grüßen, mit dem man sich zuvor heftig gestritten hat, ist eben nicht logisch. Im Jahr 1899 neigt sich die Zeit der Outlaws in Amerika ihrem Ende zu. Als Arthur Morgan zieht man mit der berüchtigten Van-der-Linde-Gang raubend und mordend durch das Land. Die Ansammlung von Ausgestoßenen wird im Laufe der Handlung immer wieder einen neuen Lagerplatz suchen - ein zentraler Bereich des Spiels. Nicht jede Aktion treibt die Story voran, aber verleiht der Welt eine Lebendigkeit, die bei den meisten Open-World-Spielen einfach fehlt. Laut Rockstar soll sich alles so organisch wie möglich anfühlen - ohne plumpe Markierungen, die genau anzeigen, welche Charaktere Missionen bereithalten. Stattdessen ist man angehalten, auffälligen Personen zuzuhören, denn man stolpert entweder in Missionen - die Grenze zwischen Haupt- und Nebenaufgaben ist fließend - oder wird auf Geheimnisse aufmerksam. Dass man auch alleine gegen eine Überzahl bewaffneter Feinde bestehen kann, liegt nicht zuletzt am bereits aus dem Vorgänger bekannten Deadeye-System. Per Knopfdruck wird die Zeit verlangsamt, man kann Gegner markieren und sie anschließend der Reihe nach abknallen. Und das mit fünf Aufbaustufen, denn später zeigt das Spiel sogar Schwachstellen bei Feinden an. Das soll aber nicht heißen, dass es kinderleicht wäre. Deckung ist essenziell, um nicht im eindrucksvoll gestalteten Schlamm zu landen. Doch auch bei einer gewonnenen Schießerei gegen die Sheriffs muss man sich hüten, denn Straftaten ziehen ein Kopfgeld nach sich. Es verschwindet auch mit der Zeit nicht, kann aber beim Postmeister beglichen werden. Da ist man im Wilden Westen ganz unbürokratisch. Red Dead Redemption 2 ist gespickt mit Mechaniken, die ähnlich beeindruckend ineinander greifen wie Physik und Objekte in The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Waffen verrosten, wenn sie nass werden, bei kaltem Wetter benötigt Arthur wärmere Kleidung, Zeugen von Verbrechen können mundtot gemacht werden, Kadaver von Tieren verwesen und ziehen andere Tiere an - in Summe wirkt das Spiel viel durchdachter als die meisten anderen Game-Blockbuster! Sogar das Pferd ist bedeutender, als man es je hätte ahnen können. Tier und Reiter bauen eine Beziehung auf, die sich direkt auf das Gameplay auswirkt, etwa durch eine präzisere Steuerung. Die Satteltaschen dienen als Inventar-Erweiterung, denn man kann immer nur eine realistische Menge an Waffen am Körper tragen. Im Stall wird der treue Begleiter mit neuen Sätteln oder Frisuren ausgestattet. Red Dead Redemption 2 ist Rockstars erstes Spiel, das vollends auf die aktuellen Konsolen ausgelegt ist. Und das sieht man dem Titel an. Es ist beinahe unheimlich, was die Entwickler aus der PlayStation 4 Pro herauskitzeln - auf dieser Plattform wurde für diesen Artikel gespielt. Egal ob Gesichter, Landschaften oder auch nur der Schlamm auf der Straße - alles wird atemberaubend in Szene gesetzt. Neben enorm detaillierten Texturen begeistern Lichteffekte, Partikelsysteme und ein dynamisches Wettersystem. Und: Das Game kann komplett aus der Egoperspektive gespielt werden. Ein Umschalten zu verschiedenen Schulterperspektiven ist jederzeit möglich. Der Soundtrack verändert sich dynamisch. Möglich machen das 192 separate Stücke Instrumentalmusik, die sich dem Geschehen anpassen. So kommt immer die passende Stimmung auf - egal ob man über eine weite Ebene reitet oder sich wilde Schießereien in einem Banditen-Unterschlupf liefert. Rockstar Games legt die Latte für offene Spielwelten einmal mehr deutlich höher und dürfte einen der besten Titel der letzten Jahre abliefern. Riesig, komplex, erwachsen: Ein neues FIFA oder Call of Duty gibt es jedes Jahr, doch ein Red Dead Redemption 2 kommt nur einmal pro (Konsolen-)Generation.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Red Dead Redemption ist ab sofort digital und ab Samstag (offiziell) im Handel erhältlich. Das neue Werk von Rockstar Games begeistert Kritiker und weiß auch an technischer Front zu überzeugen. Die Experten von Digital Foundry haben das Game einer ausführlichen Analyse unterzogen.

Umfrage
Wie oft gamen Sie?

Demnach basiert Red Dead Redemption 2 auf einer neuen Version von Rockstars Rage-Engine. Die sorgt nicht nur für schöne Bilder, sondern auch nativen 4K-Support auf Xbox One X.

Unter freiem Himmel

Die Natur im Amerika des Jahres 1899 spielt eine große Rolle in Red Dead 2, weshalb die Entwickler jede Menge Arbeit in die realistische Darstellung der Landschaften gesteckt haben. Laut Digital Foundry setzt Rockstar dabei auf beeindruckende Lösungen für realistische Wolkensimulation und Schatten, die vom Sonnenlicht erzeigt werden. Das alles natürlich mit vollem Tag-Nacht-Zyklus und dynamischem Wetter.

Doch das Licht kann noch mehr: Es scheint realitätsnah durch Nebelfelder und Baumwipfel, um so unvergessliche Stimmungen zu erzeugen.

In einem dermaßen großen Open-World-Titel ist es wichtig, einerseits die Weitsicht zu maximieren, aber andererseits so wenige unschöne "Pop-In"-Effekte von näherkommenden Häusern, Felsen und Bäumen zu haben.

"Das Streaming- und Speichermanagement ist immer schwierig und Rockstar hat es geschafft, die damit verbundenen Leistungsspitzen zu minimieren oder gar zu eliminieren" schreibt Digital Foundry dazu. Beim schnellen Bewegen habe man nie das Gefühl, dass sich das Spiel runderhum erst aufbaue.

Realistische Materialen

Die Texturen und Materialien von Objekten und Figuren sind dank Physik-basiertem Rendering besonders realitätsnah. Denn die Oberflächen reflektieren das Licht in einer glaubwürdigen Art und Weise. Auch die Pflanzenwelt interagiert realistisch mit dem Licht und biegt sich sogar zur Seite, wenn man vorbeigeht oder reitet.

Das Fazit der Experten ist klar: "Das hier ist eine herausragende Leistung, ein einmaliger Titel in der aktuellen Konsolengeneration."

Noch mehr Details entnehmen Sie den ausführlichen Videos von Digital Foundry.

Das Digital-Telegramm 2018

Digital-Telegramm 2018

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(lu)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen: