Spionagevorwürfe

15. Juni 2019 20:18; Akt: 15.06.2019 20:58 Print

Huawei mit Ansage: "Wir stehen nackt vor der Welt"

Die USA haben ihre Verbündeten dazu ermutigt, Huawei beim Aufbau von 5G-Netzen zu blockieren. Der chinesische Technologie-Riese zeigt sich offen.

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Für den Endkunden klingt der US-Bann gegen Huawei so, als ob Huawei-Smartphones demnächst nicht mehr funktionieren würden. Doch dem ist nicht so. Der Chef für Cybersicherheit bei Huawei, John Suffolk, wurde am Montag im britischen Parlament befragt. Themen waren unter anderem die Sicherheit der Ausrüstung von Huawei und allfällige Verbindungen zur chinesischen Regierung. US-Behörden verdächtigen Huawei seit langer Zeit, seine unternehmerischen Aktivitäten zur Spionage für China zu nutzen. Als Konsequenz sollen Verbündete der USA beim Aufbau von 5G-Netzen auf Huawei verzichten. Zudem setzte US-Präsident Trump den Konzern auf eine schwarze Liste. Die Konsequenz: Huawei wird keine Updates mehr für das Betriebssystem Android erhalten. Die Google-Mutter Alphabet hat nach Angaben aus Firmenkreisen Teile ihrer Geschäftsbeziehungen zum Netzwerkausrüster Huawei eingestellt. Kürzlich wurde jedoch bekannt, dass Google eine Ausnahmeregel anstrebt, mit der Huawei-Kunden weiterhin mit Sicherheitsupdates für Android beliefert werden können. Falls die amerikanische Regierung die Ausnahmeregelung bewilligt, dürfte Google allenfalls auch den Zugang zum Google-E-Mail-Anbieter Gmail und zur App-Plattform Play Store erlauben. Die USA verdächtigen Huawei zwar schon länger, seine unternehmerischen Aktivitäten zur Spionage für China zu nutzen. Beweise wurden bislang jedoch noch keine vorgelegt. Theresa May, die britische Premierministerin, hatte im April trotz Warnungen aus den USA grünes Licht gegeben, dass Huawei dabei helfen darf, ein 5G-Netz im Vereinigten Königreich aufzubauen.

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Huawei, einer der größten Telekommunikationsausrüster der Welt, wird von den US-Behörden seit langer Zeit verdächtigt, seine unternehmerischen Aktivitäten zur Spionage für China zu nutzen. Als Konsequenz sollen Verbündete der USA beim Aufbau von 5G-Netzen auf Huawei verzichten. Zu den Vorwürfen wurden bislang jedoch keine Beweise vorgelegt.

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Am Montag erklärte John Suffolk, der Chef für Cybersicherheit bei Huawei, gegenüber britischen Abgeordneten, dass seine Firma keine Verbindungen zur chinesischen Regierung habe. Sie seien weder von China noch von einer anderen Regierung je angefragt worden, etwas zu tun, was die Sicherheit ihrer Produkte verletze.

Technische Prüfung

Außenstehende seien eingeladen, die Produkte von Huawei zu untersuchen und technische Fehler oder Fehler bei der Programmierung zu finden. Suffolk sagte dazu: "Wir stehen nackt vor der Welt, aber wir ziehen es vor, es so zu tun, weil es uns ermöglicht, unsere Produkte zu verbessern."

Dazu ergänzte er, dass Huawei wolle, dass Fehler gefunden würden. "Ob einen oder tausend, das ist uns egal. Wir schämen uns nicht dafür, was die Leute finden", sagte der Vertreter von Huawei. Suffolk wurde vom britischen Parlament eingeladen, Fragen über die Sicherheit der Ausrüstung und allfällige Verbindungen zur chinesischen Regierung zu beantworten.

Keine Netzwerke

Die Abgeordneten fragten unter anderem auch, ob es für Huawei möglich wäre, aus der Ferne auf das 5G-Netzwerk im Vereinigten Königreich zuzugreifen. Suffolk bemerkte daraufhin, dass Huawei nur die Technik liefere. "Wir betreiben keine Netzwerke ... und deshalb haben wir keinen Zugriff auf Daten, die auf diesem Netzwerk zirkulieren."

Der Gast erklärte auch, dass Huawei nur einer von insgesamt rund 200 Herstellern sei, die Material für ein 5G-Netz liefern. Und bei Hardware von Huawei selbst würden nur etwa 30 Prozent vom Konzern stammen. Der Rest würde von Herstellern weltweit eingekauft und vor dem Einsatz geprüft, um Sicherheitsprobleme zu verhindern.

Huawei fordert von US-Firma 1 Milliarde Dollar

Einem Insider zufolge verlangt der chinesische Netzwerk-Ausrüster Huawei abseits davon mehr als eine Milliarde Dollar vom US-Telecom-Anbieter Verizon. Der Betrag soll für die Nutzung von über 200 Huawei-Patenten gezahlt werden. Ein Huawei-Mitarbeiter habe bereits im Februar einen Brief mit einer Zahlungsaufforderung an Verizon übermittelt, schreibt das "Wall Street Journal".

Die angesprochenen Patente würden solche in den Bereichen Netzwerkausrüstung, drahtgebundene Infrastruktur wie auch Internet-der-Dinge-Technologie umfassen, so der Insider. Vertreter von Huawei und Verizon hätten sich letzte Woche in New York getroffen, um über einige der Patente zu diskutieren.

Größerer Zusammenhang

Ein Verizon-Sprecher wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht dazu äußern. Er sagte aber, es gehe bei dem Thema nicht nur um Verizon. "Angesichts des geopolitischen Zusammenhangs hat jede Sache, die Huawei betrifft, Auswirkungen auf die gesamte Branche und gibt Anlass zu nationaler und internationaler Besorgnis."

US-Präsident Trump hatte im Mai Unternehmen seines Landes per Dekret die Nutzung von Telekommunikationstechnik untersagt, die als Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten eingestuft wird. Dazu rief er einen nationalen Notstand in der Telekommunikation aus. Huawei gilt als Hauptziel dieser Maßnahme. Das Unternehmen wurde deswegen auf eine schwarze Liste gesetzt.

Eigenes Betriebssystem

Welche längerfristigen Auswirkungen die Sanktionen auf Huawei haben werden, ist unklar. Der Hersteller hat bereits vor rund sieben Jahren entschieden, ein eigenes mobiles Betriebssystem zu entwickeln. Seit die US-Regierung massiven Druck auf das Unternehmen ausübt, hat dieses Projekt an Wichtigkeit gewonnen.

Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines eigenen Systems sei die Kompatibilität mit Android, schreibt die "South China Morning Post". Dies würde bedeuten, dass alle bestehenden Android-Apps auch auf dem neuen Huawei-Betriebssystem laufen. Dieses könnte Hongmeng oder Ark OS heißen und soll im Frühling des nächsten Jahres ausgerollt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ernst am 15.06.2019 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublicher Mist

    und selbst wenn der Spionage Vorwurf stimmen würde, die Amerikaner machen mit Garantie nichts anderes und das Beste, jeder weiß es !!

  • Hawaii am 16.06.2019 04:49 Report Diesen Beitrag melden

    Spion donald

    Neiiiin Apple spioniert nicht...niemaaals...oder doch??? Ich frag mal iriS...

  • myopinion am 16.06.2019 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mache mir keine Sorgen

    Bin mit meinem Huawei Y6 Prime 2018 und Honor 7A sehr zufrieden. Vor kurzem Sicherheits Updates auf beiden Devices erhalten. Mache mir keine Sorgen. Dann eben App Gallery von Huawei, Ark OS und alternativer Store für Android Apps. Trump kann dagegen nichts tun, da das Eigenentwicklungen sind von Huawei.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Sepp am 16.06.2019 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Sanktionen...

    Die USA, der größte Kriegstreiber und die größte und schlimmste Diktatur der Welt gehört Sanktioniert und ausgegrenzt! Ich war sowohl in den USA und in China, und ich kann euch sagen, man fühlt sich in China freier und wohler als in den USA!

  • Anette Willis am 16.06.2019 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu 5G ? LTE reicht bis 2030

    wir brauchen KEIN 5G ! es wird grade mal 40% von 4G/LTE verwendet ! warum jetzt also auf 5G? das bringt nur den Firmen etwas ! glaubt nicht? schaut mal an wo die ersten 5G-Antennen aufgebaut wurden, in Deutschland wo EINE bestimmte Firma überall ihren Sitz hat.5G tötet! .. es sollte lieber in die "Glasfaser" technik und HIGH-Speed Internet zuhause gearbeitet werden ! 1000mbit/s zu leistbaren Preisen!

  • Metatron am 16.06.2019 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lach

    Bei gewissen Wörtern die man spricht meldet sich sofort SIRI und fragt : Was ist los und soll ich ein Taxi rufen !

  • wot am 16.06.2019 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nackt im Glashaus...

    ... sobald man ein Smartphone sein Eigen nennt, sitzt man ohnehin pudelnackt im Glashaus. Und ja, es ist mir "wurscht" wer mich ausspionieren, meine Daten verkaufen und/oder mir Abo's andrehen könnte. Da ziehe ich die Chinesen lieber vor, die kochen wenigstens anständig und haben ihre eigene Kultur...

  • Hiawatha von Hesperus am 16.06.2019 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    ....wenn die USA irgendwem irgenwas voewerfen, sind die USA dich führend in jedem egak ob völkerechtwidrige Kriege, Morden, Spionage,Sabotage und vor allem Paranoia....Habe seit Jahren Huawei, nach Motorola, viel besser.. Waren der Kriegstreiber-USA kauf ich seit Jahren nimmer...