Klage gegen Konzern

09. Dezember 2018 18:55; Akt: 09.12.2018 18:58 Print

Amazon wird dem Handel in Österreich zu mächtig

Die Marktmacht von Amazon wächst dramatisch. Weil es dabei nicht fair zugehen soll, hat der heimische Handelsverband Beschwerde eingereicht.

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Während der stationäre Handel davon nur träumen kann, schießt der Online-Handel in Österreich durch die Decke. 2017 sind die Umsätze um zehn Prozent gewachsen, Amazon machte dabei je einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro über die Plattform und den Marktplatz. Der Handelsverband "hat angesichts dieser Dominanz und einiger fragwürdiger Geschäftsbedingungen von Amazon nun erstmals Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde eingelegt", heißt es nun in einer Aussendung.

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"Mittlerweile wird bei uns fast jeder zweite Euro im eCommerce bei Amazon ausgegeben", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Der heimische Handel sei in einer Schere gefangen. Das Hauptproblem sei die Doppelrolle des Marktführers: "Amazon ist einerseits ein klassischer Online-Händler, andererseits aber auch der größte Marktplatz – sprich, andere Webshops können sich auf der Amazon Plattform listen lassen. Als führender Marktplatz kann Amazon theoretisch die Daten der gelisteten Händler einsehen, deren Preise unterbieten und langfristig das gesamte Geschäft an sich binden. All das läuft gänzlich an der österreichischen Volkswirtschaft vorbei."

93 Prozent haben bei Amazon eingekauft

Mittlerweile haben bereits 93 Prozent aller österreichischen Online-Shopper zumindest einmal bei Amazon eingekauft. "Uns bereiten aber nicht nur die Warenkörbe Sorgen, sondern vor allem der Umstand, dass fast alle Konsumentendaten bei einem US-Konzern liegen", so Will. Dank seines Marktplatzes verfügt Amazon aber nicht nur über unzählige Kundendaten, sondern auch über die Daten aller dort gelisteten Händler - und das sind fast alle heimischen Webshops. Der Konzern kann diese nutzen, um etwa das Eigensortiment bzw. Eigenmarken wie "Amazon Basics" dort zu stärken, wo andere Händler mit "Bestsellern" erfolgreich sind, und damit letztere vom Markt verdrängen.

Diese monopolartige Entwicklung habe verheerende Auswirkungen für die österreichische Volkswirtschaft, für den Handel und mittelfristig für alle 600.000 Handelsbeschäftigten. "Fast 60 Prozent aller Onlineumsätze fließen ins Ausland ab. Damit finanziert der österreichische Konsument rund 20.000 Arbeitsplätze im Ausland, was den heimischen Handel als Rückgrat der Wirtschaft, Beschäftigungsmotor und flächendeckenden Nahversorger massiv unter Druck bringt. Gerade zu Weihnachten sollten wir daher alle genau überlegen, wo wir einkaufen", so Will.

"Die Zeit läuft uns davon"

"Ende 2015 haben wir erstmals aufgezeigt, wo die Probleme liegen. Drei Jahre sind seither vergangen, doch die Politik hat den Markt trotz aller Bemühungen nicht sinnvoll regulieren können. Globalen oder zumindest europaweiten Lösungen stehen Partikularinteressen einzelner Länder und jahrelange Blockadehaltungen entgegen. Dies führte uns zum Entschluss, als erste Organisation in Österreich selbst eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde einzulegen und damit den Stein ins Rollen zu bringen. Die Zeit läuft uns davon, wir können nicht länger warten", ist Will überzeugt.

Konkret sollen die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen gegenüber den heimischen Händlern auf dem Amazon Marktplatz überprüft werden. Damit Händler über Amazon ihre Produkte verkaufen können, müssen diese die Geschäftsbedingungen, die mit erheblichen Unklarheiten und Vorbehalten zugunsten Amazons verbunden seien, akzeptieren. Amazon behalte sich beispielsweise das Recht vor, die Verträge mit seinen Händlern jederzeit ohne Grund und mit sofortiger Wirkung zu kündigen oder auszusetzen. Von einem auf den anderen Tag könne einem Unternehmer seine komplette Geschäftsbasis entzogen werden.

Von Geldstrafen bis zur Zerschlagung

Viele Marktplatzhändler würden auch davon berichten, dass gelistete Produkte, die auf dem Marktplatz gut laufen, oft von Amazon selbst übernommen und günstiger angeboten würden. "Wir befürchten, dass ein unerlaubter Datenaustausch zwischen der Online-Einzelhandelstätigkeit von Amazon und der Marktplatztätigkeit dies möglich macht", so Will. Betroffene Unternehmen können sich beim Handelsverband unter ombudsstelle@handelsverband.at melden. Der Verband leitet die Sachverhalte anonymisiert an die Behörde weiter.

Durch die Untersuchung der Bundeswettbewerbsbehörde soll vor allem erreicht werden, dass das Kartellgericht Amazon einen Auftrag erteilt, mutmaßlich wettbewerbswidrige Klauseln und Formulierungen aus den Marktplatzverträgen zu eliminieren, um "FairCommerce" zu ermöglichen. Geldbußen bis 10 Prozent der im vorausgegangenen Geschäftsjahr erzielten Umsätze sind bei Verfahren dieser Art möglich, eine Zerschlagung nur dann, wenn keine anderen gleich wirksamen Maßnahmen zur Verfügung stehen.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 09.12.2018 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Warum soll ich es in Österreich teuer kaufen wenn ich das Produkt um ca. 1.000 Euro billiger kriege.Preis und und Nachfrage ist freie Marktwirtschaft.Das hat Hr. Will anscheinend noch nicht kapiert.

  • Peter S. am 09.12.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Erfahrungen

    Nur beste Erfahrungen mit Amazon, schnelle u. exakte Lieferung, durchwegs gute Preise, Rückgabe ohne Angabe von Gründen, etc., da muß sich halt der Handel was einfallen lassen?!

    einklappen einklappen
  • Joseph am 09.12.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Uiii da sind Wirtschafter ja überrascht

    Hat doch jeder vorhersagen können, dass durch die EU und die Globalisierung solche Riesenunternehmen den Markt einstampfen und die Billigsten mit gratis Lieferung am Markt sind. Da kann "Shöpping" einpacken. Gott sei dank zahlt Amazon ja keinen Cent Steuern in Österreich.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Winkler am 13.12.2018 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    hallo Handelsverband nicht jammern sondern kreativ gegen den Wettbewerb antreten schlafmützeln war gestern! die Welt und die Wirtschaft ist lebendig außerdem ein richtiger tüchtiger Kaufmann sagt Wettbewerb belebt die Kreativität

  • Ingrid1965 am 12.12.2018 04:36 Report Diesen Beitrag melden

    Reklamationsunterschiede

    Ich habe einen Induktionstopf bei einem Diskonter hier gekauft, nach zweimal benutzen löste sich eine Schicht vom Boden ab. Im Geschäft wurde mir dann mitgeteilt, dass ich Glück habe, da der Topf nur 19,90 gekostet hat bekomme ich Bargeld retour, wenn er über 20 Euro gekostet hätte einen Gutschein. Da darf sich keiner wundern, dass das mein letzter Einkauf von solchen Dingen in einem Geschäft war. Amazon überweist sofort den kompletten Betrag retour, wenn ich keinen Austausch wünsche.

  • GastLeser am 11.12.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    Hoch lebe Amazon. Aber die ausländischen Äpfel dürf ma essen. Das ist wieder ok. Wenn der Konsument schaut wo er bleibt, wird gejammert

  • Dr Acula am 10.12.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    JEDER Online-Käufer

    schadet der österreichischen Wirtschaft massivst. Bei mir im Haus gibts eine Frau die jede Woche mindestens 5 Benachrichtigungen hängen hat, weil sie es offenbar nicht schafft selbst einkaufen zu gehen. Dafür darf sie ihr Glumpert immer abholen, weil sie ja nie zuhause ist.. Da macht liefern Sinn..??

    • Ingrid1965 am 10.12.2018 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ich habe nichts zu verschenken!

      Wie lautet ein bekannter Werbeslogan eines bekannten Österreichers? "Ich habe nichts zu verschenken". Also ich auch nicht! Kaufe dort wo das gewünschte Produkt günstiger ist, also meist Amazon bei vielen Produkten!

    • Vorstadtmama am 11.12.2018 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Acula

      Ja, das macht Sinn. Denn beim "Einkaufengehen" ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Ware nicht lagernd ist und man ein zweites Mal kommen muss. Warum nicht von zu Hause aus online bestellen und erst aus dem Haus gehen, wenn die Ware geliefert wurde?

    einklappen einklappen
  • Vorstadtmama am 10.12.2018 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur der Preisvorteil

    treibt mich förmlich zu Amazon und Co. Durch absichtliche Schikanen (Parkpickerl) ist es alles andere als lustig, als Wienerin Shoppen zu gehen.

    • Arcolade am 10.12.2018 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Aha, Parkpickerl sind Schuld

      dass sie nicht einkaufen gehen können. Fadenscheinige Ausrede für Faulheit

    • Vorstadtmama am 11.12.2018 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ich will diesen Spießrutenlauf

      nicht mehr mitmachen. Und ja, wenn ich bezahle, darf ich auch "faul" sein.

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