"Geplante Alterung"

24. April 2019 18:42; Akt: 24.04.2019 18:42 Print

Apple hat Klage am Hals – wegen lahmer iPhones

Apple installiere auf alten iPhones Updates, die die Geräte verlangsamten, sagt ein Politiker. Jetzt geht er vor das Bundesgericht.

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Die "programmierte Obsoleszenz", also das vom Hersteller gewollte schnellere Altern von Produkten, wird zum Fall für die Justiz. Der Schweizer Politiker Thomas Putallaz und der Verein NoOps, den er präsidiert, ziehen Apple vor das Bundesgericht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Genf eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerbs nicht weiterverfolgte, wendet sich Putallaz nun an die obersten Richter.

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Konkret geht es um ein Update, das Apple im Oktober 2017 herausbrachte und das die Leistung der Handys stark beeinträchtigt haben soll. Insbesondere die Batterielebensdauer soll dadurch verringert worden sein. In Italien wurden Apple und Samsung deswegen letztes Jahr von der Wettbewerbsbehörde verurteilt, Apple muss zehn Millionen Euro zahlen. Auch in Frankreich und den USA laufen Untersuchungen.

"Hunderttausende sind betroffen"

Seit 2008 habe Apple durch die "Trickserei" Millionen von neuen Handys verkauft, sagt Thomas Putallaz. Eine amerikanische Studie belege, dass bei jeder Veröffentlichung eines neuen iPhone-Modells die Google-Suche nach "slow iPhone" nach oben zeigten. Er strebe ein ähnliches Urteil wie in Italien an. "Verbraucher werden zunehmend durch die aggressiven Methoden der Tech-Riesen und der Industrie geschädigt", sagt Putallaz.

Viele Konsumenten hätten sich bei der Gruppe NoOps gemeldet. In der Schweiz seien Hunderttausende betroffen, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Der Schweizer Markt sei für Apple der lukrativste der Welt, da 54 Prozent der Bevölkerung ein iPhone hätten.

Schlecht für die Umwelt

Eine künstliche Verkürzung der Lebensdauer sei auch für die Umwelt schlecht, schließlich benötige die Produktion von Smartphones Ressourcen und der Kauf eines neuen produziere Abfall. Weil der Verein dem Bundesgericht 3.000 Franken (umgerechnet 2.635 Euro) vorschießen muss, hat er nun im Internet ein Crowdfunding gestartet.

Putallaz sagt, das iPhone sei nur ein erstes Beispiel und diene dazu, ein Präzedenzurteil zu erhalten. Seinem Verein gehe es um das Phänomen im Allgemeinen. So sei das Problem der geplanten Obsoleszenz etwa auch bei Druckern, Damenstrumpfhosen oder Glühlampen bekannt. Je nach Ausgang des Verfahrens will Putallaz auch in diesen Fällen gegen die geplante Obsoleszenz kämpfen. Explizit strafbar ist diese heute in der Schweiz nicht, ebenso nicht in Österreich.

Apple bleibt still

Das Konsumentenforum begrüßt die Anzeige. "Wir hoffen auf ein gerechtes Urteil", sagt Kommunikationsleiter Dominique Roten. "Apple streitet ab, dass es sich um geplante Obsoleszenz handelt. In anderen Ländern, in denen Urteile ergangen sind, musste Apple das aber zugeben." Das Forum erhalte immer wieder Anfragen zu diesem Thema. Neben Smartphones seien insbesondere hochtechnologische Produkte betroffen. "Gerade in diesem Bereich gibt es Firmen, die geplante Obsoleszenz sehr bewusst einsetzen", sagt Roten.

Ein Apple-Sprecher teilt auf Anfrage mit, Apple äußere sich nicht zum Thema, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Apple hat laut dem "Spiegel" im Jahr 2017 zugegeben, die Geschwindigkeit älterer Smartphones zu drosseln. Das habe aber nichts mit geplanter Obsoleszenz zu tun, sondern diene der Verlängerung der Akkulaufzeit.

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(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franzkatt am 24.04.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Das wäre ja eine Sauerei, gehört mit Milliarden Strafen belegt, denn nur so werden sich diese Konzerne es sich überlegen so etwas zu machen.

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  • NeroWien am 24.04.2019 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht doch jeder

    Das machen doch alle Hersteller, kurz nach Ablauf der Garantie kränkeln alle Geräte!

  • Robert Dolezal am 24.04.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt aber gut.

    Also mein Nokia 6150 funktioniert immer noch.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Tini am 25.04.2019 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    geplante Obsoleszenz

    geplante Obsoleszenz belastet die Umwelt weit mehr als jedes Plastiksackerl.

  • NeroWien am 24.04.2019 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht doch jeder

    Das machen doch alle Hersteller, kurz nach Ablauf der Garantie kränkeln alle Geräte!

  • Apple-Fan am 24.04.2019 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvolle Weiternutzung

    Es wird übersehen, dass das Betriebssystem deutlich verbessert wurde, auch die Apps ziehen stetig nach. Das setzt schnellere Prozessoren voraus. Die wiederum benötigen mehr Strom. Alte Geräte kommen da nicht mehr hinterher. Ich habe mein altes iPhone leer geräumt und nutze es als Türspion, auf den ich per Mobilfunk von überall zugreifen kann. Das noch ältere Modell liegt im Fahrzeug als reines Mobiltelefon und GPS-Tracker/-sender. Was die Obsoleszenz betrifft, so würde ich zuerst alle Druckerhersteller vor den Kadi zerren. Denn hier gibt es nachweislich programmierte Verfallsdaten.

    • S.Oliver am 24.04.2019 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Apple-Fan

      Apple Fanatiker eben. Die bleiben Fürsprecher, egal wie sehr sie abgezockt werden.

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  • Robert Dolezal am 24.04.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt aber gut.

    Also mein Nokia 6150 funktioniert immer noch.

    • Penelope am 25.04.2019 03:21 Report Diesen Beitrag melden

      Akkudauer Nokia Panzer

      Ist aber schon lästig wenn man es alle 2 Wochen aufladen muss oder ?

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  • Franzkatt am 24.04.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Das wäre ja eine Sauerei, gehört mit Milliarden Strafen belegt, denn nur so werden sich diese Konzerne es sich überlegen so etwas zu machen.

    • S.Oliver am 24.04.2019 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franzkatt

      Wird Apple leider egal sei. Die einzige Strafe die denen weh tut wäre, iPhones ganz einfach nicht mehr zu kaufen. Das wird aber leider nicht passieren. Die Masse der Käufer kommt sich elitär vor mit den Dingern und will gar nicht wahrhaben wie sie manipuliert wird. Markentreue bis zu ihrem letzten Cent. Das nützen Firmen wie Apple eben aus. Strafen bezahlen die aus der Portokasse. Der Käufer (oder auch nicht) hätte die Macht, nützt sie aber leider nicht.

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