Mögliche Zensur

13. Februar 2019 21:43; Akt: 13.02.2019 22:43 Print

EU einigt sich auf Urheberrechtsreform

Die Europäische Union hat nach langen Verhandlungen eine Reform der Urheberrechtsrichtlinie beschlossen.

Google hat inzwischen über 100 Millionen US-Dollar in seine Content-ID-Technologie investiert, mit der Urheberrechte auf YouTube geschützt werden. (Bild: Reuters)

Google hat inzwischen über 100 Millionen US-Dollar in seine Content-ID-Technologie investiert, mit der Urheberrechte auf YouTube geschützt werden. (Bild: Reuters)

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Presseverlage in der EU sollen künftig gegenüber Nachrichten-Suchmaschinen wie Google News deutlich gestärkt werden. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich am Mittwoch in Straßburg vorläufig auf eine Reform des EU-Urheberrechts inklusive Leistungsschutzrecht.

Die Portale sollen für das Anzeigen von Artikel-Ausschnitten in ihren Suchergebnissen künftig Geld an die Verlage zahlen, wie der Verhandlungsführer des Parlaments, Axel Voss (CDU), der Nachrichtenagentur dpa sagte..

Die Einigung vom Mittwoch muss in den kommenden Wochen allerdings noch vom Parlament und den Staaten der Europäischen Union bestätigt werden. Weil die Debatte so aufgeladen ist, könnte die Reform hier noch scheitern. Stimmen beide Seiten zu, haben die EU-Länder zwei Jahre Zeit, die neuen Regeln in nationales Recht umzuwandeln.

YouTube stärker in Pflicht genommen

Die Copyright-Reform war 2016 vom damaligen EU-Digital-Kommissar Günther Oettinger vorgeschlagen worden und soll das Urheberrecht ans digitale Zeitalter anpassen. Monatelang gab es heftige Diskussionen.

Neben der Einführung des Leistungsschutzrechts nimmt die Einigung vom Mittwoch in Artikel 13 auch Plattformen wie YouTube stärker in die Pflicht. Sie müssen künftig alles ihnen Mögliche tun, um Urheberrechtsverletzungen auf ihren Seiten zu verhindern.

Zensur befürchtet

Geschützte Werke müssten demnach lizenziert werden, bevor sie auf den Plattformen landen - oder dürften nicht hochgeladen werden. Kritiker warnen, dass die Plattformen dadurch gezwungen seien, Uploadfilter einzuführen.

Dabei handelt es sich um eine Software, mit der Internet-Plattformen schon beim Hochladen überprüfen können, ob Bilder, Videos oder Musik urheberrechtlich geschützt sind. Gegner bemängeln, Upload-Filter seien fehleranfällig und könnten - als Beifang - auch Inhalte wie Parodien oder Zitate blocken, die eigentlich legal sind.

Dies sei letztlich Zensur. Unternehmen, die jünger als drei Jahre sind, einen Jahresumsatz von weniger als zehn Millionen Euro haben und unter fünf Millionen Nutzer im Monat, sollen von Artikel 13 ausgenommen werden.

Google zahlt nichts für Nachrichten

Umstritten war auch das Leistungsschutzrecht. Befürworter argumentierten, dass Plattformen wie Google News derzeit gar kein Geld an die Verlage zahlen, obwohl sie große Mengen ihrer Nachrichten nutzten. Vor allem kleine Verlage und Nachrichtenseiten äußersten jedoch Bedenken, weil sie auf die Reichweite angewiesen sind.

Die Einigung sieht nun vor, dass die Nachrichten-Suchmaschinen weiterhin Hyperlinks, einzelne Worte und kurze Textausschnitte anzeigen dürfen. Das Veröffentlichen von Überschriften oder ganzen Sätzen ist verboten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kannitverstan am 14.02.2019 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutlich zu sehen

    Die EU ist am besten Wege durch die Hintertüre den Informationsaustausch zu unterbinden. Offene Meinungsäußerung wird ja schon auch in Österreich durch die Jäger des Hasses verhindert. Der Rest geht dann mit Datenschutz und Urheberrecht.

  • Karl Claus am 14.02.2019 02:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Theorie vs. Praxis?

    Wie kann ich als "Otto Normalverbraucher" also Privatnutzer, sicher sein nicht gegen Urheberrecht zu verstoßen. Praxis Bsp: Ich teile ein YouTube Video auf FB um es meinen Freund_innen zu zeigen. Hab ich dann auch damit gegen ein Gesetz verstoßen?

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  • Vorstadtmama am 15.02.2019 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zensur in EU Foren...

    Auf diese Weise kann niemand mehr seine Sicht der Dinge mit Zitaten untermauern, die er in Zeitschriften oder Büchern gefunden hat.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Vorstadtmama am 15.02.2019 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zensur in EU Foren...

    Auf diese Weise kann niemand mehr seine Sicht der Dinge mit Zitaten untermauern, die er in Zeitschriften oder Büchern gefunden hat.

  • Hamfree am 14.02.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Leider

    Fürchte Leider es kommt so .Für de kleine YouTube kanale werden es schwererer haben .

  • Kannitverstan am 14.02.2019 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutlich zu sehen

    Die EU ist am besten Wege durch die Hintertüre den Informationsaustausch zu unterbinden. Offene Meinungsäußerung wird ja schon auch in Österreich durch die Jäger des Hasses verhindert. Der Rest geht dann mit Datenschutz und Urheberrecht.

  • Karl Claus am 14.02.2019 02:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Theorie vs. Praxis?

    Wie kann ich als "Otto Normalverbraucher" also Privatnutzer, sicher sein nicht gegen Urheberrecht zu verstoßen. Praxis Bsp: Ich teile ein YouTube Video auf FB um es meinen Freund_innen zu zeigen. Hab ich dann auch damit gegen ein Gesetz verstoßen?

    • Cerebrum am 14.02.2019 05:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Claus

      Eindeutig JA wenn es sich nicht um ein Video handelt das Ihr Eigentum ist.

    • knapp daneben am 14.02.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Cerebrum

      ähm. Nix eindeutig. In beschriebenem Beispiel geht es nicht darum, dass Karl Claus das Video hochgeladen hat. Es geht um ein Video, das schon auf youtube ersichtlich ist.

    • aber dennoch nicht vorbei am 14.02.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      @knapp daneben

      Im beschriebenen Beispiel geht es aber darum, dass er das Video teilt. Sollte Artikel 13 so kommen wie es jetzt aussieht, müsste FB eben auf dementsprechende Filter/Software/etc... setzten, welche dann auch beim teilen von Beiträgen, Videos, Bilder, etc...das Urheberrecht prüfen um eben Urheberrechtsverletzungen gleich vornweg zu sperren. Da aber beim Teilen das Urheberrecht nicht bei Karl Claus liegt, sondern beim Uploader auf Youtube müsste ein dementsprechendes Programm das teilen auf FB unterbinden.

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