Schönheitsideal

06. Oktober 2018 07:30; Akt: 05.10.2018 21:53 Print

Insta und Selfies treiben Frauen zu Brust-OPs

Mit offensiver Werbung sprechen Schönheitschirurgen junge Frauen an. Mit Erfolg. Denn diese fühlen sich von Social Media unter Druck.

Kim Kardashian bei der Met Gala. (Bild: imago stock & people)

Kim Kardashian bei der Met Gala. (Bild: imago stock & people)

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"Nach der OP könnte ich nicht glücklicher sein. Schon als Teenagerin habe ich von der Brustvergrößerung geträumt", schwärmt die 23-jährige Jennifer in der Sendung "Beauty – die Schönheitsdoku" des Jugendradiosenders Planet 105. Gesponsert wurde die Sendung von der Zürcher Schönheitsklinik Breast Atelier.

Umfrage
Fühlen Sie sich durch Werbung für Brust-OPs oder andere Eingriffe angesprochen?
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5 %
Insgesamt 43 Teilnehmer

Es ist kein Einzelfall: Offensive Werbung für Schönheitsoperationen, die sich speziell an junge Frauen richtet, ist auch auf Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Facebook keine Seltenheit.

"Werbung reitet nur auf angestoßener Welle"

"Offensichtlich erkennt die Schönheitschirurgie ein großes Potenzial in der jungen weiblichen Zielgruppe", sagt Valerio Stallone, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle für Digital Marketing der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Werbung reite stets auf einer Welle, die bereits angestoßen worden sei.

"Gerade durch Instagram, das als rein visuelle Plattform fungiert, werden neue Schönheitsideale schnell verbreitet", sagt Stallone zu "20 Minuten". Zudem sei es zu einer Enttabuisierung der Schönheitseingriffe gekommen, etwa durch fiktive Fernsehsendungen aber auch Reality-TV-Formate, die diesbezüglich sehr offen berichteten.

Diese Entwicklungen würde die Schönheitschirurgie aufgreifen und für ihre Eingriffe werben. Die besagte Radioreportage etwa nutze die Einflusskraft von "social proof", dem sozialen Nachweis, sagt Stallone: "Solche Formate sind für Werber ein einfacher Weg, effizient darauf aufmerksam zu machen, wie gut die Resultate der beworbenen Behandlung oder des Produkts sind."

Es sei relativ günstig, die Wirksamkeit der eigenen Werbung auf Social Media zu überprüfen, so Stallone. "Bleibt eine Anzeige über längere Zeit aufgeschaltet, wird ihre Wirkung vom Werber entweder kaum überprüft oder sie ist erfolgreich und wird deshalb weitergeführt."

Ständiger Vergleich per Instagram

Die Psychologin und Erziehungswissenschafterin Eveline von Arx bestätigt, dass auf Instagram teilweise realitätsfremde Schönheitsideale verbreitet würden. "Das Schönheitsideal à la Kim Kardashian etwa – mit schlanker Taille, aber großem Busen sowie Hintern – erfüllen nur die allerwenigsten Frauen." Das verstärke den Wunsch nach einer Veränderung des eigenen Körpers und verleihe damit Schönheits-OPs Aufschwung. Zudem würden Frauen dazu neigen, sich auf Instagram andauernd mit anderen zu vergleichen.

"Erachten Werbung als hilfreich"

Die Klinik Breast Atelier schreibt auf Anfrage, sie sei seit 2014 mit einem seriösen und preiswerten Angebot auf dem Markt. "Auf dieses aufmerksam zu machen, erachten wir als legitim und hilfreich." Im Unterschied zu anderen Anbietern, die teils noch offensiver werben, verfüge das Breast Atelier über gut qualifizierte Ärzte und eine Klinkinfrastruktur. Die Nachfrage nach Brustvergrößernungen bei jungen Frauen nehme zu.

Das stellt auch Christian Depner, Leitender Arzt für Plastische Chirurgie bei der Pallas Klinik Zürich, fest: "Teilweise haben wir sehr junge Patientinnen. Unter 18 Jahren sollte eine Brustvergrößerung aber nur bei medizinischen Notwendigkeit durchgeführt werden." Einerseits hätten die jungen Leute mehr Geld zur Verfügung als früher. Andererseits sei auch Social Media ein Grund dafür, dass sie ihren Körper eher verändern wollten. "Wenn ich 1.000 Selfies mache, ist die Chance groß, dass ich einen kleinen Schönheitsfehler entdecke, den ich sonst nie sehen würde", sag der Facharzt.

Lesen Sie hier: Kathi aus Lübeck gibt zu, dass sie süchtig nach Likes auf Instagram ist - "Hauptsache ich bekomme Likes und Follower" >>>

Immer mehr nichtausgebildete Schönheitschirurgen

"Ich nehme mir die Zeit, mit jedem Patienten ausführlich zu sprechen. Dabei merke ich, ob das Problem wirklich am Körper liegt und mit einem Eingriff behoben werden kann oder ob es vielmehr im Kopf ist", sagt Depner. Er selber habe noch nie aktiv Werbung gemacht. Laut Depner ist weniger die offensive Werbung das Problem, sondern dass Schönheitschirurgie kein geschützter Titel sei:"Immer mehr schlecht oder nicht ausgebildete Ärzte bieten ästhetische Eingriffe an. Daher sollte jeder Kunde auf den Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie achten." Durch schlechte Ausbildung komme es schneller zu Fehlern. "Gerade Junge, die darauf reinfallen, müssen diese Konsequenzen dann ein Leben lang tragen."

Hierzulande sorgte "Kronehit" im vergangenen Jahr für Wirbel, weil der Sender zum Muttertag eine Brustoperation verloste:
Busen-Op zum Muttertag

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fuhrinat am 06.10.2018 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts passt

    Verstehe nicht was an großen Brüsten so toll ist, ich hätte gerne kleinere

    einklappen einklappen
  • No mam am 06.10.2018 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Seid so wie ihr seid und versucht nicht

    Die Frauen sollten einmal die Männer fragen ob sie das überhaupt wollen. Denn mir gefällt eine Frau wenn sie nicht aufgetakelt ist. Es geht mir mehr um die natürliche Schönheit. Um das innere. Das kommt bei dem Schönheitswahn immer zu kurz. Aber eines stimmt wohl dass eine Frau die mit sich nicht zufrieden ist, noch schlimmer ist. Manche verfallen deswegen sogar in einen never endig Drogenrausch.

  • GastFrau am 07.10.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    An denen müsste sich ein Psychiater eigentlich eine goldene Nase verdienen... Und im Grunde hauen die sich so viel Makeup ins Gesicht, dass am Ende ohnehin alle gleich aussehen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • jops am 08.10.2018 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meinung

    krankhaft....glücklicher sinds danach nicht. zuerst buse, dann nase dann da und dort wo was geht. botox dazu. ergebnis alle sehen gleich aus. keiner ist zufrieden. dümmer gehts wohl net.

  • GastFrau am 07.10.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    An denen müsste sich ein Psychiater eigentlich eine goldene Nase verdienen... Und im Grunde hauen die sich so viel Makeup ins Gesicht, dass am Ende ohnehin alle gleich aussehen.

  • Susi1966 am 07.10.2018 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Film-doku

    Es gibt einen hervorragenden doku-film: Embrace myself Den sollte sich jede!!!! frau ansehen

  • Daniela am 06.10.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Früher war es wirklich besser

    Als ich (Ü50) jung war, gab es keinerlei Druck auf Frauen, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen. Leider sind jetzt Frauen, die - dank zahlreicher Operationen - wie billige Nutten aussehen, offenbar Vorbilder für junge Frauen.

  • Nancy am 06.10.2018 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich nicht glauben

    Die selbstbewussten metoo-Innen der Zukunft denen nach 40 Jahren einer einfällt der sie danach nicht befördert hat schauen doch noch auf ihr Aussehen?