Huawei GT Active im Test

13. April 2019 08:00; Akt: 12.04.2019 17:59 Print

Kann diese Uhr mit einem Sportcomputer mithalten?

Huawei hat seine Fitnessuhr GT mit dem Modell Active aktualisiert. Kann sie nun mit einem Triathlon-Sportcomputer mithalten? Wir haben den Test gemacht.

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Nachdem die Huawei Watch GT mit zwei Modellen im Vorjahr gestartet ist, hat Huawei nun den Nachfolger GT Active auf den Markt gebracht. Eine etwas kleinere "Elegant"-Version soll in Kürze folgen. Die Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger-Modell der Smartwatch halten sich dabei in Grenzen, vor allem optisch, aber auch bei den technischen Daten.

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Hatte die Watch GT Sport mit Silikonarmband noch 199,99 Euro und die Watch GT Classic 229,90 Euro mit Lederarmband gekostet, kommt das neue Active-Modell mit grünem oder orangem Silikonarmband auf 249,90 Euro. Beim Design hat sich minimal etwas getan: Die beiden Knöpfe an der Uhr sind nun geriffelt und zeigen eine bessere Druckempfindlichkeit, die Uhrzeit-Zahlen um das nun matte Metall-Gehäuse heben sich zudem durch die neue orange Farbe besser vom dunklen Untergrund ab.

Sowohl Gewicht (46 Gramm) als auch Bildschirmgröße (1,39 Zoll), Auflösung (454 x 454 Pixel), Akkustärke (420 mAh) und Merkmale wie Staub- und Wasserdichte blieben gleich. Der Akku hält mit zwei bis drei Sporteinheiten pro Woche locker zehn Tage durch und ist in etwas über einer Stunde wieder voll geladen. Wieder ist ein eigenes GPS eingebaut, was ein Smartphone beim Sporteln unnötig macht – allerdings bedingt, wie der Test zeigt.

Wenig smart, aber viele Sportprogramme

Wie auch der Vorgänger läuft die Active auf einem Huawei-eigenen Betriebssystem. Heißt: Es gibt keine digitalen Bezahlmöglichkeiten, keine Offline-Musik oder Online-Streaming, kein WLAN und (bisher) keine Möglichkeit, andere Apps als die vorinstallierten zu nutzen. Gekoppelt wird die Watch bei Bedarf über Bluetooth mit einem Smartphone.


Per Wisch nach links und rechts zeigt die Uhr unter anderem Aktivitätsdaten an.

Per Druck auf den Bildschirm lassen sich verschiedene, auch neue, Ziffernblätter auswählen, per Wisch nach links und rechts Aktivitätsberichte, Wetterbenachrichtigungen und Herzfrequenz einblenden. Die obere Druck-Krone führt zu den Apps, darunter die Sportprogramme, Wecker, Nachrichten oder Schlafüberwachung. Die untere Krone löst die Fitnessprogramme wie Laufen, Gehen, Radfahren oder Schwimmen aus. Schön: Für Anfänger gibt es eigene Anleitungen, die sich an der Herzfrequenz des Sportlers orientieren.

Neue Fitness-Funktionen

Hier sind dann auch einige Neuerungen zum Vorgängermodell zu finden. So gibt es eine gänzlich neue Triathlon-Funktion, die Uhr erkennt nun auch automatisch den Wechsel zwischen Sportarten – etwa vom Laufen zum Radfahren, und ebenfalls neu ist die Berechnung der Ruhezeit, die der Nutzer nach einer Sporteinheit einhalten sollte. Bei so viel sportlichen Details stellt sich die Frage: Kann die Uhr mit einem Profi-Sportcomputer mithalten?


Gänzlich neu ist bei der Active eine Triathlon-Funktion. Auch der Wechsel der Sportart wird automatisch erkannt.

Im Test musste sich die Huawei Watch GT Active der Polar V800 stellen. Die etwas in die Jahre gekommene Trainingsuhr kostete beim Erscheinen 400 Euro und gilt auch heute noch als eine der verlässlichsten Sportuhren für ambitionierte Hobbysportler überhaupt. Im Falle des Redakteurs hat sie ihn durch unzählige Läufe und Wettkämpfe, davon drei Marathons, begleitet. Dabei wich sie auch bei 42,195 Kilometer nie um mehr als 150 Meter von der Streckenlänge ab. Eine perfekte Vergleichsmöglichkeit für die Huawei Watch.

So schlägt sich die Active

Getestet wurden beide Modelle zeitgleich bei Läufen in Wien, die Huawei Watch mit und ohne gekoppeltes Smartphone, die Polar V800 mit gekoppeltem Herzfrequenz-Brustsensor (die Watch übernimmt die Herzfrequenzmessung über eingebaute Sensoren). In einer Hinsicht leistete sich die Active dabei einen Schnitzer: im Smartphone-ungekoppeltem Zustand kam es vor, dass das GPS-Signal kurzzeitig aussetzte. Beim 5-Kilometer-Lauf wurden dabei rund 700 Meter einfach abgeschnitten. Ein kurioser Fehler, der bei mehreren weiteren Tests nicht mehr auftrat.


Links der Schnitzer der Active, rechts die korrekte Aufzeichnung der Polar V800.

Im mit dem Smartphone gekoppelten Zustand konnte die Watch GT Active dagegen mühelos mit der Polar V800 mithalten: am Ende der 5-Kilometer-Läufe lagen die Ergebnisse maximal 40 Meter auseinander, meist glichen sie sich aber bis aufs Haar. Einen Pluspunkt sammelt die Huawei Watch dabei, dass Kurven minimal besser aufgezeichnet werden als es beim Polar-Trainingscomputer der Fall ist. Dafür erkennt die Polar wiederum auf geraden Strecken bei mehreren Runden miminale Abweichungen besser.

Knappes Rennen bei Basisdaten

Nichts schenken sich die beiden Uhren, wenn es um Herzfrequenz und Tempoaufzeichnung geht. Bei der durchschnittlichen Herzfrequenz wichen die Messwerte nur zwei Schläge pro Minute voneinander ab, beim durchschnittlichen Tempo um 0,01 Minute pro Kilometer. Beeindruckend! Geht es schließlich um Detailwerte wie Trainingsnutzen, maximale Sauerstoffaufnahme oder Erholungszeit, werden die Werte wieder unterschiedlicher. Besonders bei der Erholungszeit scheint die Huawei Watch etwas großzügiger zu sein als die Polar. Schnell werden hier auch nach leichten Einheiten Erholungsphasen von rund 70 bis 80 Stunden empfohlen, während die Polar maximal einen Tag Ruhezeit vorgibt.


Bei den erfassten Daten gibt sich die Active keine Blöße. Wer sie analysiert, kann semi-professionelle Trainingspläne erstellen.

Die Nase vorne hat die Polar V800 generell bei jenen, die sich intensiver mit den Trainingsdaten beschäftigen und daraus lernen wollen. Aus Vorschlägen lässt sich ablesen, wie gut der derzeitige Trainingszustand ist und welche Art des Trainings als folgende Aktivität sinnvoll wäre. Ersteren Punkt schafft auch die Active ganz gut, um den folgenden Trainingsplan muss man sich aber selbst kümmern. Auch lassen sich bei der V800 eigene individuelle Trainingspläne für die kommenden Wochen und Monate programmieren, diese Möglichkeit fehlt bei der Active komplett. Aber: Die Active schafft zwar nicht die Datentiefe und die Funktionen des Sportcomputers, ist aber überraschend stark im direkten Vergleich und begeistert mit übersichtlichen Aufzeichnungen, die auch Werte über aerobes oder anaerobes Training, VO2 Max oder Regeneration enthalten. Das erwartet man ebenso wie die Triathlon-Fähigkeit und die automatische Sporterkennung von einer Fitnessuhr wie der Active eigentlich nicht.

Beeindruckend nahe dran

Gerade der einmal aufgetretene GPS-Schnitzer der Active irritierte zwar, dürfte aber ein Ausnahmefall sein. Auf der sicheren Seite ist, wer beim Training sowieso sein Smartphone dabei hat. Kritisieren kann man abseits davon an der Active, dass sich vor allem beim Design wenig im Vergleich zum Vorgänger getan hat, der Preis aber um 50 Euro teurer ausfällt. Wer die Uhr nur manchmal zum Sporteln verwenden will und für den die Sache auch eine Preisfrage ist, ist mit dem Vorgänger besser bedient. Dessen Preis ist bereits auf rund 140 Euro gefallen. Wer allerdings stärker in Richtung Sport gehen will, der sollte eher zur Active greifen.

Insgesamt muss sich die Huawei Watch GT Active einem professionellen Trainingscomputer geschlagen geben. Das ist nicht die Überraschung, wohl aber, dass die Active so nahe an die Funktionen und Möglichkeiten des Konkurrenten kommt, dass es beeindruckend ist. Für Hobby-Sportler ist die Uhr deshalb eine absolute Empfehlung und wer vor allem Läufe sogar semi-professionell betreiben will, kann dabei mit den Daten der Watch aus der Huawei-Health-App auch eigene Trainingspläne aufstellen und deren Effekt überwachen. Zwar nicht ganz so exakt, komfortabel und praktisch wie bei Sportcomputern, dafür aber auch weit günstiger.

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