"Eva Stories"

04. Mai 2019 21:45; Akt: 05.05.2019 12:16 Print

Sind Insta-Posts über den Holocaust geschmacklos?

Ein Instagram-Account eines jungen Mädchens spaltet derzeit die Gemüter: Die Postings zeigen nämlich die Deportation der 13-Jährigen.

Eva Heyman wurde 1944 getötet. (Bild: Instagram)

Eva Heyman wurde 1944 getötet. (Bild: Instagram)

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Was, wenn ein 13-jähriges Mädchen im Jahr 1944 ein Smartphone gehabt hätte? Klar: Sie hätte Stories aus Instagram gepostet. So wie es die meisten ihrer Altersgenossinnen heute auch tun. Der Account "Eva Stories" gibt der ungarischen Jüdin, Eva Heyman, nun 75 Jahre später eben diese Möglichkeit.

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In 30 Stories werden die Tagebücher der damals 13-Jährigen verpackt. Denn Eva Heyman gab es wirklich. 1944 wurde sie in Ausschwitz ermordet. Auf Instagram kann man nun ihre Geschichte sehen. Von ihrem 13. Geburtstag, über ihre erste Liebe, bis hin zum Einmarsch der Nazis und schließlich zur Deportation.

Kritik am Account

Das Projekt wurde vom israelischen Tech-Millionär Mati Kochavi ins Leben gerufen. Mithilfe seiner Tochter Maya nahm er mehrere Millionen Dollar in die Hand und produzierte die Stories. Eine britische Schauspielerin verkörpert Eva. Kochavi erklärt, dass er mit den Stories die neue Generation der jungen Israelis erreichen wollte. Denn das Interesse am Holocaust lasse nach, meint der Millionär in einem Interview mit "Haaretz".

Die Reaktionen sind gespalten. Ein Lehrer aus Israel nannte das Projekt "geschmacklos". Gleichzeitig findet sich auf dem Account selbst viel Kritik. Instagram sei kein Ort für solche Postings. Nicht nur, weil die Clips zu düster seien, sondern auch weil die Plattform zu oberflächlich für derartigen Content wäre. Man würde die Ermordung von sechs Millionen Juden trivialisieren.

Dennoch: Nach kurzer Zeit erlangte der Account 1,4 Millionen Follower. Auch das offizielle Holocaust-Gedenk-Zentrum in Israel ist gegenüber dem Projekt positiv gestimmt. So sei Social Media ein "legitimer und wirkungsvoller" Weg, um den Holocaust wieder in Erinnerung zu rufen.

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(slo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.Oliver am 05.05.2019 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Spur Geschmacklos

    Wieso auch? Heute läuft alles, auch übers Internet/Smartphone. Ist ein legitimer Versuch gegen das Vergessen anzukämpfen. Die heutige Generation denkt ja schon, den Holocaust hätte es nie gegeben. Nicht ungefährlich. Eine gute Idee die Jugend mit zeitgemäßen Mitteln an die Geschichte/Vergangenheit zu erinnern.

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  • Susi1966 am 06.05.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Ich finde das eine sehr gute idee. Man erreicht die jungen sonst überhaupt nicht,da sie sich scheinbar für sonst nichts interessieren-nur das handy zählt mehr. Der holocaust war das entsetzlichste verbrechen der menschheit. Das gedenken an die opfer soll weiter bestehen. In israel gibt es wahrscheinlich in fast jeder familie einen menschen,der einen oder mehrere ermordete als angehörigen hatte/bzw auch überlebende. Das darf nan nie vergessen!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Susi1966 am 06.05.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Ich finde das eine sehr gute idee. Man erreicht die jungen sonst überhaupt nicht,da sie sich scheinbar für sonst nichts interessieren-nur das handy zählt mehr. Der holocaust war das entsetzlichste verbrechen der menschheit. Das gedenken an die opfer soll weiter bestehen. In israel gibt es wahrscheinlich in fast jeder familie einen menschen,der einen oder mehrere ermordete als angehörigen hatte/bzw auch überlebende. Das darf nan nie vergessen!

  • S.Oliver am 05.05.2019 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Spur Geschmacklos

    Wieso auch? Heute läuft alles, auch übers Internet/Smartphone. Ist ein legitimer Versuch gegen das Vergessen anzukämpfen. Die heutige Generation denkt ja schon, den Holocaust hätte es nie gegeben. Nicht ungefährlich. Eine gute Idee die Jugend mit zeitgemäßen Mitteln an die Geschichte/Vergangenheit zu erinnern.

    • Pussy am 06.05.2019 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.Oliver

      Man soll endlich einen schlussstrich machen, man soll normal aufklären , Kinder ,Jugendliche können nichts dafür was vor langer Zeit war und diese Hype was jetzt ist nicht normal , jedes Wort, Geste wird sofort falsch interpretiert man macht nichts besser sondern soll hoffen und beten das diese Zeit nicht wieder kommt

    • S.Oliver am 06.05.2019 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pussy

      Einen Schlussstrich machen, hieße die Vergangenheit/Geschichte zu verleugnen und die selben Fehler in absehbarer Zeit zu wiederholen. Kein Mensch macht die heutige Generation für die Fehler früherer Generationen verantwortlich! Aber sie sollen schon sehen wo falsches Verhalten hin führen kann. Normal aufklären ist bei der heutigen Generation, Information über Instagram, Facebook, Twitter usw. abzurufen. Es geht hier nicht im Geringsten um das heutige Zuwanderer Problem!

    • Penelope am 08.05.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      @S.Oliver

      Wohin mediale Indoktrination durch ständige Propaganda führen kann sieht man gegenwärtig besonders beim Demokratieverständnis gewisser "Gegendemonstranten" ;)

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