Genderneutrale Erziehung

12. Februar 2019 09:05; Akt: 12.02.2019 09:05 Print

Dürfte Ihr Sohn dieses Kleid tragen?

Blogger Nils Pickert fordert Eltern dazu auf, ihre Söhne Röcke tragen zu lassen, wenn diese das wollen. Was halten Sie davon?

Um dieses "Stück Stoff" dreht sich die Debatte. (Quelle: Twitter)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mütter und Väter, die mit Schrecken ihren Sohn etwa in der Barbie-Abteilung entdecken, können beruhigt sein. Der Blogger Nils Pickert macht solchen Eltern in einem aktuellen Tweet eine klare Ansage: "Wenn dein Sohn in einem Secondhand-Laden ‹das tollste Kleid der Welt entdeckt›, brich ihm nicht das Herz."

Umfrage
Was halten Sie von genderneutraler Erziehung?
54 %
45 %
1 %
Insgesamt 100 Teilnehmer

Sie sollten ihm nicht das Lächeln aus dem Gesicht wischen und ihm nicht sagen, das Kleid sei nur für Mädchen, erklärt Pickert. "Frag ihn einfach, ob er es anprobieren will." Der Tweet wurde über 400-mal geteilt und löste über 3000 Likes aus.

"Richtige Einstellung. Respekt", stimmt ein User zu. Ein weiterer bedankt sich für den Tweet: Dieser gebe ihm Hoffnung für diese Welt. Eine Userin bekräftigt: "Jeder, der möchte, kann Kleider tragen. Das Geschlecht ist nebensächlich. Hauptsache, man fühlt sich wohl und ist glücklich."

Anderen hingegen geht diese Einstellung gegen den Strich. Jemand warnt: "Wtf. Bitte bekommt niemals Kinder." Ein User findet, Pickert hätte seinem Sohn lieber mal einen Fußball und eine Rambo-DVD gekauft. Und eine Mutter twittert verzweifelt: Wo sie denn lebe, wenn sie als jugendliche Mutter schon fast einen Herzinfarkt bekomme, weil ihr Sohn den Puppenwagen anfasse.

"Trotzdem gibt es für ihn keine Kleiderregeln"

Nils Pickert sagt, sein vierjähriger Sohn habe sehr wohl gemerkt, dass in seiner Kita vor allem die Mädchen Röcke und die Jungs Hosen tragen. "Trotzdem gibt es für ihn keine Kleiderregeln." Angesprochen habe ihn das Kleid wegen der Farben und Rüschen. In einem Kommentar auf Twitter trägt Pickert nach: "Er sah großartig darin aus, aber die Schulterträger waren leider zu rutschig. Wir sind dann übereingekommen, ein anderes zu nehmen."

Im Schrank seines Sohnes hängt deshalb jetzt ein rotes Kleid mit T-Shirt-ähnlichen Ärmeln. "Bisher hat er es noch nicht getragen, weil es zu kalt ist. Sobald es wärmer wird, zieht er es vermutlich an."

Auch würde er seinen Sohn nicht davon abhalten, eine Haarspange zu tragen, sollte er dies einst wollen. "Ich verstehe nicht, warum Jungs, die sich Haarspangen anschauen, immer wieder zurechtgewiesen werden mit: ‹Lass das. Das ist für Mädchen.›"

"Es geht nichts kaputt"

Michael Frei, Psychotherapeut bei Pinocchio, der Beratungsstelle für Eltern und Kinder, versteht die "aufgeladene Diskussion über ein Stück Stoff" nicht. Versuchten Eltern, das Spiel mit den Geschlechterrollen zu stoppen oder verurteilten sie es, könne dies sogar schädlich sein. "Das Kind wächst dann mit dem Gewissen auf, dass ein Teil seines Selbst schlecht ist."

Kritiker können dagegen wenig anfangen mit dieser Art von genderneutraler Erziehung. "Kinder werden als Mädchen oder als Junge geboren", kommentiert die Schweizer Familienpolitikerin Nadja Pieren, die der rechtskonservativen Partei SVP angehört, Pickerts Tweet in einem Artikel von "20 Minuten". Ließen Eltern ihren Sohn in einem Prinzessinnenkleid in die Öffentlichkeit gehen, müssten sie sich auf ablehnende Reaktionen gefasst machen.

"Frauen als Käpt'n und Männer als Feen"

Nils Pickert hatte schon 2012 mit einem Foto für kontroverse Diskussionen gesorgt. Zusammen mit seinem Sohn war er durch die Stadt spaziert – er im roten Rock, der Bub im roten Kleid mit Spaghetti-Trägern. Pickert wollte damit nach eigenen Angaben seinem damals fünfjährigen Sohn, der gern Röcke und Kleider trug, als Vorbild «die Schultern breit machen».

Seither kämpft der vierfache Vater und Chefredaktor der Protest- und Bildungsorganisation Pinkstinks an vorderster Front gegen Sexismus und Homophobie. Pinkstinks fordert: «Für eine moderne Gesellschaft müssen wir ermöglichen, dass Jungen und Männer zart sein dürfen und Mädchen und Frauen Raum einnehmen können. Frauen als Käpt'n und Männer als Feen: nicht immer, aber auch!»

Wie stehen Sie zu genderneutraler Erziehung? Diskutieren Sie mit.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(B. Zanni/ 20Minuten)

Themen
Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • homer76 am 12.02.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Er als Erwachsener kann ja tun und lassen was er will, bezüglich der Kleidung. Aber seinen Sohn im Kleid zur Schule gehen zu lassen ist was anderes. Will er ein neues Mobbing Opfer schaffen? Kinder können sehr gemein sein, da hilft alle Aufklärung der Welt nichts.

    einklappen einklappen
  • Paul am 12.02.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern sollten aufs Leben vorbereiten

    Und da wird er mit einem Kleid (ob uns das jetzt passt oder nicht) im Normalfall nicht gerade "positiv" auffallen.

  • anna am 12.02.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    würde

    ....das öffentlich (außer daheim mal zum spaß) ablehnen. kinder brauchen starke unterstützende richtwerte, um das selbstbewusstsein zu stärken und nicht zu zerfransen, nur weil eltern selbst total unsicher sind. man läßt sein kleinkind ja auch nicht rauchen, oder alkohol trinken, nur weil ihm gerade danach ist.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Ignaz Gartngschirrl am 13.02.2019 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Oida...geht's no?Also langsam zweifle ich an........naja eigentlich beinahe an allem!Gott sei Dank san unsere Kinder,mei Gattin und meine Wenigkeit noch unter "normalen"Umständen aufgewachsen...

  • Meinsenf am 13.02.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Jungs in Frauenkleidern

    Ich fand es immer irgendwie befremdlich, dass man Jungs in Kleider steckt und fotografiert. Kenne ein paar Leute, die das mit ihren Söhnen gemacht haben und es gibt auch so ein Foto von meinem Mann. Frauen mussten lange für Hosen kämpfen, aber das hat einen anderen Hintergrund. Wollen Männer jetzt für Röcke kämpfen??? Warum das? Sie sind doch noch immer in vielen Bereichen im Vorteil gegenüber Frauen.

  • Danny am 12.02.2019 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Als mein Sohn so ca. 2-3 Jahre war, wollte er unbedingt eine Puppe mit Wagen zum Geburtstag. Er hat sie bekommen. Eine hellhäutige und eine dunkelhäutige. Er hat beide geliebt. Warum nicht ???? Er ist voll Stolz damit überall hingefahren. Spazieren, einkaufen usw. ich finde das super, wenn man Kindern ihre Freiheiten lässt.

    • manu am 12.02.2019 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Danny

      werden Sie ihre Kinder auch freiwillig Rauchen und Alkohol trinken lassen? ( wenn die es wollen)!

    einklappen einklappen
  • Fred Jung am 12.02.2019 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    er soll gluecklich werden ,nur das zaehl

    Unser Soehnchen ist knapp 5 Jahre jung,vor einem Jahr sah er einen knallbunten gebluemten Rock an einem Strassenstand. Er war ganz besessen davon .In der Kita will er ihn nicht anziehen,aber zu hause ,gibts mal nen"Frauentag"Plastik Schmetterling im Haar, der geliebte Rock sind dann angesagt.Das ist aber nicht oft so.....was soll es schaden??Er spielt mit Teddy,Eisenbahn und Puppen gleichgerne.Wir werden ihn nicht in eine Schublade pressen,und ob er mal in vielen Jahren eine Schwiegertochter oder einen Schwiegersohn ins Haus bringt ist uns sowas von Schnuppe,Hauptsache er wird gluecklich.

  • anna am 12.02.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    würde

    ....das öffentlich (außer daheim mal zum spaß) ablehnen. kinder brauchen starke unterstützende richtwerte, um das selbstbewusstsein zu stärken und nicht zu zerfransen, nur weil eltern selbst total unsicher sind. man läßt sein kleinkind ja auch nicht rauchen, oder alkohol trinken, nur weil ihm gerade danach ist.