"Januhairy"

10. Januar 2019 11:55; Akt: 10.01.2019 16:58 Print

Wie die Achselhaare ihren guten Ruf verloren haben

Die Geschichte der Körperbehaarung ist eine vielfältige, die Gründe für ihr Vorhandensein auch.

 (Bild: iStock)

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An denen, die sich ihre Körperbehaarung nicht entfernen, lässt die Gesellschaft oft kein gutes Haar. In vielen Epochen war Enthaarung mit Gesundheit und Attraktivität gleichzusetzen. Doch was ist seine Funktion und wie wurde im Laufe der Geschichte damit umgegangen?

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In der Evolution setzt sich das haarlosere Modell durch

Dass Urmenschen behaart waren und die Göttin Venus wahrscheinlich andere Methoden als in der Werbung angewendet hätte, dürfte allseits bekannt sein. Anders als bei den Affen wurde unser Haarwuchs über die Jahrtausende jedoch deutlich spärlicher. Dahinter vermutet die Wissenschaft eine genetische Mutation. Der homo sapiens mit weniger Haarwuchs scheint sich also genetisch durchgesetzt zu haben. Absolut haarlos ist hingegen bis heute keine Körperstelle. Nur die Dichte ist unterschiedlich verteilt. So gibt es volles Haar fast ausschließlich am Kopf, an den Achseln und im Intimbereich. Manche Menschen verfügen auch über eine ausgeprägte Rückenbehaarung.

Behaarung steigert die sexuelle Attraktivität

Das Kopfhaar schützt uns vor Kälte und Einwirkungen der Sonne. Da diese Körperstelle am meisten Sonnenstrahlung ausgesetzt ist, macht es Sinn die Behaarung hier zu erhalten. Warum sich dann Achsel- und Schamhaare erhalten haben, kann mehrere Ursachen haben. Denn sie erfüllen einige Funktionen: Sie regulieren nämlich nicht nur die Temperatur, sondern sorgen für eine gesunde Intimflora und ein ausgewogenes Bakterienverhältnis. Daneben sollen sie - evolutionsbiologisch betrachtet - die sexuelle Anziehungskraft erhöhen. Drüsen sondern mit dem Schweiß Sekrete aus, die enthalten. Bei den Haaren halten sich diese sehr lange. Die Wirkung würde sonst schnell verfliegen.

Eine haarsträubend bewegte Geschichte

Bereits im Ägypten und Mesopotamien der frühen Hochkutluren (4000-3000 v.Chr.) übten sich Frauen im eliminierenden Umgang mit ihrer Körperbehaarung. Sie nutzten geschliffene Steine und Muscheln in Kombination mit Harzen, Eselsfett und Fledermausblut. Sogar Grabmalereien zeigen die Ideale der Zeit, auf denen Frauen damals keine Behaarung trugen, dafür aber viel Schmuck. Auf Hieroglyphen sind sie mit Rasiermesser und Schamhaar-Dreieck abgebildet. Altgriechische Bildhauerei zeigt Göttinnen und Sterbliche ausschließlich mit Komplettrasur.
Bei den Römern war die Intimbehaarung dann Teil der blühenden Badekultur in den Thermen. Der dort ausgeprägte Trimmtrend setzte sich nach den Eroberungsfeldzügen auch im Norden, Afrika und dem Orient durch. Bezeugt sind Rasurmethoden mit Bronzemesser, Wachs und schleifpapierartigen Scheiben oder groben Handschuhen. Im Islam entfernten die Frauen mit einer warmen Creme aus Zucker und Zitronensaft ihre Behaarung oder zwirbelten sie mit dünnen Fäden aus der Haut. Die Intimrasur wurde überwiegend aus hygienischen Gründen praktiziert. Starke Behaarung galt aber damals schon als unzivilisiert.

Das kirchliche Oberhaupt der Scham

Im Frühmittelalter pausierte dann die Schamhaarentfernung, wie auch die Badekultur. Die allmächtige Kirche, die sämtliche Wertvorstellungen prägte, lehnte jedes Thema, das mit Körperlichkeit zusammenhing, ab und zensierte es. Deswegen fehlen dazu Überlieferungen. Mit dem Spätmittelalter, dem langsamen Aufstieg des Bürgertums, der Veränderungen unterworfenen Kirche und den zurückgekehrten Kreuzrittern wurde die Badekultur und Enthaarung wieder in. Mit der anschließenden Welle von Pest und Seuchen, mussten die Bäder erneut schließen. Angeblichen Hexen wurden im abergläubischen Europa Haare entfernt, um ihnen ihre magischen Kräfte zu entziehen. Es gab einen ständigen Wechsel. Das Frankreich des 18. Jahrhunderts bevorzugte ein jugendliches Äußeres und dementsprechend keine Körperbehaarung. Die deutsche Frau im Nationalsozialismus wiederum sollte Haare tragen. Im Islam war Haarlosigkeit bei der Hochzeit ein Symbol für Reinheit.

Elektrizität, industrielle und intime Revolution

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die Methoden jedenfalls sehr schmerzhaft und deswegen bei Europäern generell nicht besonders beliebt. Charles Darwins (1809-1882) Evolutionslehre brachte eine Meinungsverschiebung, als er die Enthaarung als Fortschritt und Haarlosigkeit als Zeichen überlegener Schönheit und Sauberkeit bezeichnete. Mit der Entdeckung der Elektrizität (1878 für Privathaushalte) wurde die Rasur dann leichter. 1945 kam der erste Gilette-Rasierer mit Einwegklingen auf den Markt. 1946 trug die Erfindung des Bikinis zur weiteren Entwicklung bei. Da begann die Revolution, die bis heute anhält.

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(GA)

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