Kurioses Experiment

04. Juli 2018 16:10; Akt: 04.07.2018 16:12 Print

Led Zeppelin soll Käse besser schmecken lassen

Emmentaler soll je nach Musik unterschiedlich reifen, so die These von Wissenschaftlern. Nun machen die Schweizer eine Probe aufs Exempel.

Insgesamt neun Musikrichtungen werden für das Experiment verwendet ? von Mozarts

Insgesamt neun Musikrichtungen werden für das Experiment verwendet ? von Mozarts "Zauberflöte" über Led Zeppelins "Stairway To Heaven" bis hin zu Hip Hop. (Bild: picturedesk.com)

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Berner Forscher und Kunststudenten gehen neue Wege bei der Käseproduktion: Sie lassen Käse aus dem Emmental mit Musik beschallen und wollen so seinen Reifungsprozess beeinflussen. "Manchmal muss man verrückte Ideen ausprobieren um etwas neues zu erschaffen", sagt Tierarzt und Käseproduzent Beat Wampfler gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

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Das Experiment beginnt in diesem Herbst in Burgdorf. Mehrere Käselaibe werden ab dann während dem Reifeprozess kontinuierlich "bespielt". Insgesamt neun Musikrichtungen werden für das Experiment verwendet – von Mozarts "Zauberflöte" über Led Zeppelins "Stairway To Heaven" bis hin zu Hip Hop: "Da suchen wir noch einen geeigneten, basslastigen Song", so Wampfler.

Es braucht Bass

Die tiefen Töne seien wichtig: "Sie beeinflussen die Bakterien in und auf dem Laib besonders stark." Durch die Schwingungen der Musik würden die Bakterien anders arbeiten, ist der Burgdorfer überzeugt.

Menschen reagierten ebenso auf Musik wie etwa Kühe im Stall – das sei bekannt, so Wampfler. Auch Pflanzen reagierten auf Schall, wie wissenschaftliche Versuche ergeben hätten: Bei manchen Klängen seien sie eingegangen, bei anderen hätten sie sich prächtig entwickelt.

"Warum sollte es bei Bakterien anders sein?" fragte Wampfler. Und Bakterien sind verantwortlich für den Geschmack des Käses, da sie die Fettsäuren spalten und damit Einfluss auf das Fett als Geschmacksträger nehmen.

Dauersound für Halbhartkäse

Wampfler kann sich deshalb vorstellen, dass beschallter Käse anders schmeckt. Denkbar sei auch, dass sich die Konsistenz verändere.

Acht Monate lang werden Laibe des Halbhartkäses "Muttenglück" eines Signauer Emmentaler-Weltmeisters beschallt. Je nach Sound sind unterschiedliche Reaktionen möglich. Bei Hip Hop zum Beispiel könnten die extremen Basslagen eine Rolle spielen, bei Led Zeppelin erhofft man sich eine Wirkung durch die verzerrten Gitarren.

Verköstigung im Frühling

Was genau passieren wird, weiß Wampfler nicht. "Aber wir sind überzeugt, dass es funktioniert." Herausfinden wird man es nächsten Frühling bei der Verköstigung. Dann kann der Musik-Käse mit einem unbeschallten Produkt verglichen werden.

Sollten die Unterschiede frappant sein, sieht Wampfler bereits ganz neue Absatzwege für Musiker: "Dann könnte Musik nicht nur vertont, sondern auch verkäst werden."

Unterschiede messen

Das Projekt wird von der Hochschule der Künste Bern (HKB) zusammen mit Beat Wampfler durchgeführt.

Die Berner Schule steht nach eigenen Angaben auch in Kontakt mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Diese verfüge über Möglichkeiten, die Unterschiede wissenschaftlich fassbar zu machen.

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(cho)

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