Mangelerscheinungen

30. August 2018 15:43; Akt: 30.08.2018 15:43 Print

Wie der Klimawandel unser Essen ruiniert

Wenn in der Luft zu viel Kohlendioxid ist, enthalten Weizen und Reis weniger Nährstoffe. Das gefährdet die Gesundheit kommender Generationen.

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Wichtigen pflanzlichen Lebensmitteln könnten durch einen Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Luft wichtige Nährstoffe entzogen werden. Einer Studie zufolge könne dies bei Menschen langfristig zu Mangelerscheinungen führen, so Forscher der Universität Harvard im Fachjournal "Nature Climate Change". Weizen, Reis und Mais könnten bis zum Jahr 2050 bis zu 17 Prozent weniger Eisen, Zink und Eiweiß enthalten.

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Hunderte Millionen Menschen könnten demnach Nährstoffmängel erleiden. Vor allem Menschen in Afrika, Südostasien und dem Nahen Osten und insbesondere in den Ländern Indien, Indonesien und China seien wegen ihrer Essgewohnheiten gefährdet, so Studienautor Matthew R. Smith. "Und zwar zusätzlich zu den Milliarden Menschen, die bereits an Mängeln leiden und deren Situation sich verschlimmern könnte", fügte er hinzu.

Mehr CO2, weniger Nährstoffe

Smith und sein Kollege Samuel Myers untersuchten für ihre Studie den Einfluss des Treibhausgas-AusStoßes auf 225 unterschiedliche Pflanzen in 151 Ländern. Derzeit liegt die Kohlendioxid-Konzentration weltweit bei knapp über 440 ppm. Bleibt die Emission von Treibhausgasen durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas auf dem aktuellen Niveau, wird die CO2-Konzentration in der Atmosphäre bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf 550 ppm steigen.

Die Forscher kamen zum Ergebnis, dass 2 Prozent der Bevölkerung und damit 175 Millionen Menschen Zinkmangel entwickeln könnten – davon allein 50 Millionen in Indien. Laut Smith sind bei Zinkmangel besonders Kinder der Gefahr ausgesetzt, an Malaria, Lungeninfektionen und tödlichem Durchfall zu erkranken, weil das Immunsystem geschwächt wird.

Zudem könnten 122 Millionen Menschen zu wenig Eiweiß aufnehmen. Mehr als eine Milliarde Menschen könnten darüber hinaus weniger Eisen erhalten, was zu Blutarmut führen oder die Sterblichkeit von Müttern bei der Geburt erhöhen kann, wie Smith weiter erläuterte. Bereits jetzt leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen an Nährstoffmangel.

Warum ist Mangel schlimm?

Eiweiß sowie die Mineralien Zink und Eisen sind essenziell für das Wachstum und die Entwicklung. Bei ihrer Aufnahme durch die Ernährung spielen pflanzliche Nahrungsmittel eine zentrale Rolle. Dabei tragen Weizen, Reis und Mais "weltweit zu etwa zwei Dritteln der Eiweiß-, Zink- und Eisenzufuhr" bei. Weizen und Reis reagierten aber auf einen Anstieg der CO2-Konzentration in der Luft besonders empfindlich, wie Smith erklärte. Auf Mais wirke sich ein Anstieg weniger stark aus.

Da vor allem ärmere Menschen sich vorwiegend von Getreide, Reis oder Mais ernährten, seien diese stärker von einem Rückgang der Nährstoffe betroffen. Reichere Menschen könnten den Nährstoffmangel durch den Verzehr von Fleisch ausgleichen. Nahrungsergänzungsmittel seien aber "keine brauchbare langfristige Lösung".

"Die Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen – wie wir unsere Häuser heizen, was wir essen, wie wir uns fortbewegen, was wir kaufen –, machen unsere Lebensmittel weniger nährreich", warnte Samuel Myers. Damit werde die Gesundheit anderer Völker und kommender Generationen in Gefahr gebracht.

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(red)

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