Durchbruch bei Forschung

22. Februar 2019 12:22; Akt: 22.02.2019 12:51 Print

Hat die Chemotherapie bei Leukämie ausgedient?

Mit einer neuen Generation an Medikamenten können Krebszellen gezielt angegriffen werden. Es ist ein Meilenstein in der Behandlung von Leukämie, der in Wien mitentwickelt wurde.

Das Wiener AKH. (Bild: picturedesk.com)

Das Wiener AKH. (Bild: picturedesk.com)

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Extreme Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, beeinträchtigte Blutbildung und ein geschwächtes Immunsystem – all diese Nebenwirkungen einer Chemotherapie könnten für Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie (CLL) (siehe Box) der Vergangenheit angehören. Möglich macht es eine neue Behandlungsmethode, die maßgeblich in Österreich mitentwickelt wurde.

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Medizinern an der Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der MediUni Wien ist es laut einem Bericht der "Presse" gelungen, die chemische Keule effektiv durch eine zielgerichtete Medikamententherapie zu ersetzen.

Die Inhibitoren genannten Wirkstoffe wurde bislang in Begleitung zur klassischen Chemotherapie eingesetzt, könnten diese nach den neusten Forschungsergebnissen aber komplett ersetzen.

Wird CLL im Frühstadium erkannt, wird üblicherweise erst beobachtet und abgewartet, da der Krankheitsverlauf zwischen Patienten stark variieren kann. Erst wenn Symptome auftreten, wird mit der Behandlung begonnen.

Die neue Methode ...

Die im Rahmen einer Chemotherapie angewendeten Zytostatika (Zellgifte) verhindern die Teilung bösartiger Zellen – aber auch gesunde, sich rasch teilende Gewebe werden in Mitleidenschaft gezogen. Zielgerichtete Therapien sollen nun speziell die Botenstoffe blockieren, die das Überleben der Krebszellen ermöglichen, etwa das Protein BCL-2 dessen Überaktivierung zu Tumoren führt und gleichzeitig aber den programmierten Zelltod verhindern kann.

Die Wirksamkeit der neuen Therapie soll enorm sein. Laut Ulrich Jäger, dem Leiter der klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie am AKH konnte damit die Anzahl der Krebszellen im Blut in kurzer Zeit um den Faktor 10.000 reduziert werden. Das heißt: von einem Liter bösartiger Zellen blieb nach der Behandlung effektiv nur noch ein Fingerhut voll übrig. Der durchschlagende Erfolg spornt die Mediziner zu neuen Höhenflügen an. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die bösartigen Zellen vollends aus dem Körper zu entfernen. Ein Novum, denn bislang war Leukämie nicht heilbar.

... hat ihren Preis

Mit dem 2016 in der EU zugelassenen Wirkstoff "Venetoclax" können die behandelnden Mediziner durch die Blockade von BCL-2 die Krebszellen dazu bringen, sich selbst zu zerstören. Weil das Zellsterben so radikal auftritt, muss der Patient nach der Einnahme zur Sicherheit im Spital überwacht werden.

Als häufigste Nebenwirkungen wurden bisher neben Durchfall, Übelkeit, Müdigkeit und Neutropenie, der Abnahme der Zahl der weißen Blutkörperchen auch Infektionen der oberen Atemwege beobachtet. Je nach Schwere und Form der Nebenwirkungen können die Ärzte allenfalls mit anderen Medikamenten gegensteuern.

Mit einer einmaligen Sitzung ist es aber auch mit den neuen Behandlungsmöglichkeiten nicht getan. Zumindest finanziell sind die Patienten abgesichert. Die Kosten von bis zu 9.000 Euro im Monat werden laut Ulrich Jäger von den Krankenkassen übernommen.

Mehr lesen: Bluttest weist Brustkrebs erstmals zuverlässig nach

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(rcp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rudi am 22.02.2019 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leukemie erfolg

    wiedermal super tolle leistung der österreichischen medizin , nur in einem grossen problem hinken wir weit hinter den niederlanden nach , das " krankgemacht im krankenhaus " dem " tödlichen krankenhauskeim " mrsa , das nur ausbrechen kann in spital und nur durch dort schlechte hygiene , hier ist aber zuerst politik zum umdenken der spitalssparmassnahmen gefordert , zuwenig personal und keine förderung für forschung neuer besserer antibiothika gegen mrsa wennst es mal hast

  • Hart aber Fair am 22.02.2019 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Schön und gut,wieso gibts aber kein Medikament das EBV im Körper zerstört obwohl diese Krankheit 95-98% der Menschheit hat? Diese Krankheit wird auch verdächtigt Krebs,Rheume,Asthma und andere Krankheiten auszulösen.

  • Heinz am 23.02.2019 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Das sind doch mal gute Nachrichten!

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  • Heinz am 23.02.2019 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Das sind doch mal gute Nachrichten!

  • Zuhören am 22.02.2019 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Wien

    Klingt nach einer Firma aus USA, die das Mittel herstellt. Vielleicht macht Österreich bei der Studie mit, geforscht wurde außerhalb von Österreich. Venetoclax ist in den USA seit April 2016 als Venclexta zugelassen zur oralen Therapie bei Patienten mit vorbehandelter (rezidivierter oder refraktärer) CLL mit Deletion von Chromosom 17p.[1][3] Die Zulassung erfolgte über ein beschleunigtes Verfahren (Break Through Therapy). Eine Zulassung in der Europäischen Union wurde am 5. Dezember 2016 erteilt.

  • Hart aber Fair am 22.02.2019 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Schön und gut,wieso gibts aber kein Medikament das EBV im Körper zerstört obwohl diese Krankheit 95-98% der Menschheit hat? Diese Krankheit wird auch verdächtigt Krebs,Rheume,Asthma und andere Krankheiten auszulösen.

  • rudi am 22.02.2019 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leukemie erfolg

    wiedermal super tolle leistung der österreichischen medizin , nur in einem grossen problem hinken wir weit hinter den niederlanden nach , das " krankgemacht im krankenhaus " dem " tödlichen krankenhauskeim " mrsa , das nur ausbrechen kann in spital und nur durch dort schlechte hygiene , hier ist aber zuerst politik zum umdenken der spitalssparmassnahmen gefordert , zuwenig personal und keine förderung für forschung neuer besserer antibiothika gegen mrsa wennst es mal hast