Viel Skepsis

17. April 2019 19:38; Akt: 18.04.2019 11:35 Print

Krankenkasse verweigert Whatsapp-Krankenschein

Eine neue App aus Deutschland bietet Krankschreibung per Whatsapp an. Den Service will Gründer Can Ansay auch nach Österreich bringen. Die Krankenkasse spielt nicht mit.

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Krankschreibung von zu Hause aus, indem man einem Arzt einfach per Whatsapp seine Symptome schildert. Das klingt bequem – wohl etwas zu bequem für manche.

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Seit Dezember 2018 bietet das deutsche Startup "AU-Schein.de" diesen Service im nördlichen Nachbarland an. Allerdings mit Einschränkungen: Der Krankschreibungs-Service kann nur für Erkältungen genutzt werde und maximal für drei Tage am Stück sowie zweimal im Jahr, um Missbrauch zu vermeiden. Ein Auswahlbildschirm, bei dem der Nutzer seine Symptome anklickt, stellt sicher, dass es sich wirklich um Erkältung handelt und nicht um andere, möglicherweise gefährlichere Erkrankungen.

Rechtlich noch umstritten

Möglich macht die Ferndiagnose eine Änderung der Gesetzeslage in Deutschland. Mitte 2018 wurden die Bestimmungen für Telemedizin (also Ferndiagnosen) gelockert und erlauben eine Diagnose auch ohne körperliche Anwesenheit.

"Da die Dienstleistung in Deutschland erlaubt ist, können wir sie auch in Österreich anbieten, das erlaubt uns die Dienstleistungsfreiheit der EU", ist "AU-Schein"-Gründer Can Ansay im Gespräch mit "Heute.at" überzeugt. Patienten in Österreich dürfen ihren Arzt in der EU gemäß Patientenmobilitätsrichtlinie zudem frei wählen.

Dabei gelte das Berufsrecht des Herkunftslandes des Arztes, also Deutschlands, wo Telemedizin erlaubt ist, wenn der Arzt es für vertretbar hält. "Bei Erkältung und maximal drei Tagen ist es sehr gut vertretbar, insbesondere da wir viele Sicherheitsmechanismen eingebaut haben", so Ansay.

"Die Krankschreibung erfolgt in Österreich nur durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aufgrund einer persönlich durchgeführten Untersuchung."

Das sieht man bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) anders. "Die Krankschreibung erfolgt in Österreich nur durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aufgrund einer persönlich durchgeführten Untersuchung und einer dieser Untersuchung entsprechenden Krankenbehandlung", sagt WGKK-Sprecherin Regine Bohrn gegenüber "Heute.at". Eine Krankmeldung ausschließlich aufgrund der eigenen Angaben der bzw. des Versicherten "ist daher nicht zulässig", so Bohrn.

Deutsche Ärztekammer prüft

Der "AU-Schein"-Gründer sieht da kein Problem: "Bei einer Erkältung muss sich der Arzt ja auch dann auf die Schilderung der Symptome wie trockener Husten, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen durch den Patienten verlassen, wenn dieser zu ihm in die Praxis kommt", so Ansay. Insofern bestehe da kein Unterschied zu einer Schilderung über ein Online-Formular, findet er.

Diese Einschätzung sieht man nicht nur hierzulande skeptisch. In Deutschland hat die Ärztekammer von Hamburg bereits eine rechtliche Prüfung der Dienstleistung eingeleitet. Das Ergebnis wird aber wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.

"Prinzipiell ist Telemedizin die Zukunft"

Bei der Österreichischen Wirtschaftskammer (WKO) sieht man das Konzept zwar mit Vorsicht – besonders in Hinblick auf Datenschutz und Missbrauchsgefahr – ist aber optimistisch für die Zukunft. "Prinzipiell sehe ich in solchen Techniken, also Telemedizin, die Zukunft", sagt etwa Martin Gleitsmann, Sprecher für Sozialpolitik und Gesundheit bei der WKO.

Er kenne die spezielle App bisher nicht, aber grundsätzlich biete ein derartiges System sicher Vorteile für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Sich krank in die Arztpraxis zu schleppen und "dort andere anzustecken" sei "vorgestrig", meint Gleitsmann gegenüber "Heute.at". Bei der konkreten Umsetzung plädiere er für Vorsicht, aber grundsätzlich stelle sich die Wirtschaftskammer dem sicher nicht in den Weg. "Wir wollen eher Wegbereiter sein", so der WKO-Sprecher.

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(hos/rfr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kannitverstan am 17.04.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kann mir keiner erklären

    Warum Zuckerberg über die Krankenstände bescheid wissen muss.

  • Lucy am 17.04.2019 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bledsinn

    Kommt nicht seriös rüber.

  • Heimatland am 17.04.2019 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Arzt soll mich anschauen, nicht irgendein Arz

    Wenn es mir wirklich schlecht geht, gehe ich gerne zum Arzt. Ich finde die WGKK hat vollkommen Recht!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • myopinion am 18.04.2019 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Entscheidung

    Da Whats App ja von Facebook gekauft wurde, ist die Entscheidung, der Wiener Gebietskrankenkasse absolut zu begrüssen. Wie Facebook mit Daten umgeht, kann man ja regelmäßig nachlesen. Nicht umsonst, sind die Whats App Erfinder ja auch bei Facebook bald wieder ausgestiegen.

  • Experte für eh alles am 18.04.2019 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @silvii

    Oh da spricht der EXPERTE, und woher nehmen sie ihre Fachliche Expertise, Doch Nicht aus dem WeldWeitenWeb, Der Bibel ALLER Hypochonder, Aber Dankeschön, schon lange nicht mehr so gelacht.

    • Silvii am 18.04.2019 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Experte für eh alles

      Ja bin Experte und habe tagtäglich mit Krankheiten zu tun

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  • Gibsy am 18.04.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Andrea

    Vielen Dank,werd ich haben.

  • Gibsy am 18.04.2019 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen es um die

    Ansteckungsgefahr andere Personen geht, müssten auf Grund dieser Aussage SOFORT ALLE PRAXEN & SPITÄLER schließen, Wen ich mir dann noch ansehe welches Publikum in den OFFIS unterwegs ist, sind auch diese zu Schließen,und was ist mit den Schulen,auch da werden wieder seit einigen Jahren Masern Krätze und andere Ansteckende Krankheiten Salonfähig. da gibt es noch Kinos Schwimmbäder UND UND UND Und noch eines, Zuhause sitzen und die RICHTIGEN ANTWORTEN an zu kreuzten um dann schnell Krank zu sein ist für mich Staatlicher Betrug, DEN WENN ICH WIRKLICH Krank bin erwarte ich mir vom Arzt auch Hilfe in Form von Ratschlägen & Medikamente auch bei einer Grippe.

    • Andrea am 18.04.2019 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gibsy

      Viel Spass beim stundenlangen Warten im Wartezimmer, überhaupt ohne Sitzplatz!

    • Silvii am 18.04.2019 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gibsy

      Hier geht es um eine Erkältung, nicht um eine Grippe! Das sind 2 unterschiedliche Diagnosen

    • DDodo2340 am 18.04.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

      Erkältung ungleich grippaler Infektt

      Die leider oft nicht einmal Ärzte auseinanderhalten können. Da werden oft bei Virusinfektionen munter Antibiotika drauflos verschrieben.

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  • Leser am 18.04.2019 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gefälligkeitsatteste

    Gestern gab es einen Post über Gefälligkeitsatteste von bestimmten Ärzten, die der WGKK namentlich bekannt sind. Hatte sich da jemand angesprochen gefühlt, weil der Post gelöscht wurde? Als Redakteur würde ich der Sache nachgehen und testen, ob was Wahres dran ist. Das wäre nämlich Amtsmissbrauch auf der einen Seite und gewerbsmäßiger Betrug auf der anderen.