Genmanipulation

12. Juni 2019 15:56; Akt: 12.06.2019 17:27 Print

Wird bald das nächste Designerbaby geboren?

Der russische Forscher Denis Rebrikow will gentechnisch veränderte Embryonen erzeugen. Er wäre der zweite Mensch, der solche Experimente durchführt.

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Denis Rebrikow will genmanipulierte Babys entwickeln, um sie vor HIV zu schützen, berichtet die Zeitschrift "Nature". Nach dem chinesischen Wissenschaftler He Jiankui wäre er der zweite Mensch, der solch ethisch hochumstrittene Experimente durchführt. Bestenfalls möchte er noch heuer mit seinen Versuchen beginnen - anders als sein chinesischer Kollege will er jedoch eine Genehmigung der Behörden abwarten.

In den meisten Ländern verboten

Jiankui gab vorigen November die Geburt zweier genmanipulierter Babys bekannt. Er hatte deren Erbgut verändert. Als Motivation für seine Versuche nannte auch er den Schutz vor einer HIV-Ansteckung. Die Experimente lösten international große Empörung aus. In den meisten Ländern sind derartige Versuche verboten, da die Risiken bisher kaum abschätzbar sind und nachfolgende Generationen beeinträchtigt werden könnten.

Rebrikow will in seinen Versuchen das Gen CCR5 funktionsunfähig machen. Dieses bildet ein Protein, das von HI-Viren in den meisten Fällen als Eintrittspforte für eine Zelleninfektion genutzt wird. Laut "Nature" möchte Rebrikow die Behandlung Frauen anbieten, die auf eine standardmäßige HIV-Therapie nicht ansprechen und so ein höheres Risiko haben, die Infektion an ihre Kinder weiterzugeben.

Mehr Vorteile und weniger Risiken

Der russische Forscher behauptet, seine Methode bringe größere Vorteile und weniger Risiken als jene seines chinesischen Kollegen. Außerdem sei sie ethisch vertretbarer und für die Öffentlichkeit akzeptabler. Wie mehrere russische Medien meldeten, gibt es seitens der Russischen Akademie der Wissenschaften jedoch in der Tat ethische Bedenken.

Nach eigenen Angaben habe Rebrikow bereits mit einem HIV-Zentrum in Moskau Vereinbarungen getroffen, um dort mit infizierten Frauen in Kontakt zu kommen, berichtet "Nature". Jennifer Doudna, eine Kollegin Jiankuis, sagt: "Die Technologie ist noch nicht so weit. Es ist nicht überraschend, aber es ist sehr enttäuschend und beunruhigend."

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(rfr)

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