Interview mit Stephan Listabarth

05. April 2019 07:12; Akt: 05.04.2019 09:20 Print

"Als Wiener ist der VCM mein größtes Ziel"

Der 25-Jährige zählt zu Österreichs besten Marathonläufern. Eine Verletzung verhindert heuer ein Mitmischen um einen Spitzenplatz.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei seinem Marathondebüt in Frankfurt im Jahr 2018 lief Listabarth, der sich momentan im klinisch-praktischen Jahr seines Medizinstudiums befindet, die hervorragende Zeit von 2 Stunden 18 Minuten und 23 Sekunden. Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen an ihn bei seinem Debüt beim Vienna City Marathon.

Doch der Teufel schläft bekanntlich nicht. Ein Knochenmarködem warf den 25-Jährigen im Februar aus der Trainingsbahn. Eine fünf Wochen dauernde, absolut lauffreie Zwangspause sorgte dafür, dass an eine Teilnahme beim diesjährigen Marathon in der angepeilten Wettkampfgeschwindigkeit nicht zu denken ist.

Der Teamkapitän der Asics Frontrunner Austria wird aber trotzdem an den Start gehen. Und zwar als Tempomacher für die österreichische Laufelite. Auf den ersten 20 Kilometern, so der Plan, will er seinen Kollegen Windschatten geben, um sie so für den zweiten Teil der Strecke etwas zu entlasten. Jede noch so kleine Unterstützung kann Kraftersparnis und somit wichtige Sekunden bringen.

Im Interview mit "Heute" hat Listabarth kurz vor dem VCM ein bisschen was über sich, seine bisherige Laufkarriere und seine nächsten Ziele erzählt.

Heute: Wie bist du zum Laufen gekommen?
Stephan Listabarth: Ich hab mit meinem Bruder zum Spaß gewettet, dass wir einen Halbmarathon laufen. Da war ich 16 oder 17. Natürlich beim Vienna City Marathon. Wir haben uns dann angemeldet, sind ihn auch wirklich gelaufen, mehr oder weniger ohne Training, die Zeit war um 1 Stunde 27 glaube ich, so was. Daraufhin hab ich gesagt, das möcht ich mal probieren, was geht, wenn man trainiert. Da schlittert man dann schnell hinein. Erst mal, das man drei Mal die Woche geht. Dann bin ich zu meinem Trainer gekommen, Karl Sander, der mich auch jetzt noch trainiert. Du trainierst dann täglich und die Leistungen werden besser.

„Wir sind ihn auch wirklich gelaufen, mehr oder weniger ohne Training, die Zeit war um 1 Stunde 27“

Bei meinen ersten österreichischen Meisterschaften hab ich gemerkt, aha ich gehör zu den besten meiner Altersklasse, da merkt man dann, dass es sich vielleicht lohnt, noch mehr zu investieren.

Heute: Wie oft trainierst du jetzt pro Tag?
Stephan Listabarth: Eigentlich jeden Tag. An manchen Tagen auch zwei Mal. Vor der Arbeit eine Einheit, nach der Arbeit eine. Ganz unterschiedlich. Die kürzeste Einheit sind so 10 Kilometer, vor der Arbeit in der Früh ein ruhiger 10er (in rund 40 Minuten, Anm.), ein Longjogg in der Marathonvorbereitung kann bis zu 40 Kilometer lang sein. Dieses Training ist halt im Vergleich zu dem, was Hobbyläufer machen, sehr differenziert und komplex. Nicht einfach nur sieben Mal in der Woche laufen gehen und immer die selbe Strecke und immer die selbe Geschwindigkeit. Man muss sich sehr genau überlegen, was man mit welcher Einheit bewirken möchte.

Heute: Wie funktioniert das intensive Laufen neben dem Medizinstudium?
Stephan Listabarth: Das ergänzt sich ziemlich perfekt. Grade beim Medizinstudium muss man viel lernen, viele Bücher lesen. Und da ist natürlich Bewegung das Beste. Eine synergistische Verbindung. Man profitiert in beiden Bereichen davon. Jetzt mit dem Beruf ist es natürlich schon herausfordernder, was das Zeitmanagement betrifft, weil man nicht mehr so flexibel ist. Bewegung ist etwas, das in unserer Gesellschaft viel zu kurz kommt. Mit einem sehr strukturierten Tagesablauf geht das aber eigentlich.

„Bewegung ist etwas, das in unserer Gesellschaft viel zu kurz kommt“

Heute: Deine Marathon-Bestzeit liegt momentan bei 2:18:23 - auf das Olympialimit fehlen da 3 Minuten 23. Ist das in greifbarer Nähe, in absehbarer Zeit möglich? Oder denkst du an das gar nicht?
Stephan Listabarth: Nicht daran zu denken wäre eine Lüge. Mein Motto ist da aber, einfach so hart an sich selber zu arbeiten, wie es nur geht, dann muss man sich nichts vorwerfen. Dann sieht man auch, wohin die Reise gehen kann. Das hängt von so vielen Faktoren ab. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob mein Körper das überhaupt hergibt. Deswegen bin ich prinzipiell vorsichtig und spreche das Olympialimit nicht als klares Ziel aus.

Heute: Im Februar hat dir ein Knochenmarködem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Marathon in perfekter Wettkampfgeschwindigkeit nicht möglich. Wie ist das passiert?
Stephan Listabarth: Wie es so oft bei Überlastungsverletzungen ist, lässt sich da leider kein konkreter Faktor ausmachen. Weil man das ja in Zukunft gerne verhindern würde. Es ist dann wahrscheinlich die Summe an Belastungen. Man muss es dann auch als gegeben nehmen, es ist furchtbar schade für mich. Als Wiener ist natürlich der Wien Marathon mein größtes Ziel überhaupt. Ich denk mir, verdammt, wann kann ich endlich hier für mich selber laufen. Jetzt am Sonntag kann ich wenigstens meine Kollegen vom Team Austria unterstützen. Durch den langen Trainingsausfall weiß ich nicht, wie lange ich zur Verfügung stehe.

„Jetzt am Sonntag kann ich wenigstens meine Kollegen vom Team Austria unterstützen“

Ich starte mit der Marathonspitze und versuche als Tempomacher Windschatten zu geben und für das richtige Tempo zu sorgen. Mal schauen, wie lange es geht, angepeilt wären einmal die 20 Kilometer. Ich hoffe, ich kann das auch durchziehen.

Heute: Wie lange hast du pausieren müssen?
Stephan Listabarth: Letztlich waren es fast fünf Wochen komplett ohne Laufen und leider die Wochen davor, wo die Diagnose noch unklar war, sehr unregelmäßig. Merkt man leider extrem. So schnell sich der Körper anpassen kann an die Belastung, so schnell baut er wieder ab.

Heute: Bist du, wenn du voll im Saft wärst, der schnellste Wiener?
Stephan Listabarth: Der schnellste gebürtige Wiener? Ja, wäre ich. Insgesamt bin ich in Österreich von den Zeiten her momentan Nummer 5. Von den All-Time-Bests von denen, die jetzt aktiv sind. Letztes Jahr war ich Drittschnellster in Österreich. Die Frankfurt-Zeit war die drittschnellste im Jahr 2018.

„Der schnellste gebürtige Wiener? Ja, wäre ich“

Heute: Glaubst du, dass der Streckenrekord in Wien fallen wird am Sonntag?
Stephan Listabarth: Ich hab leider nicht so ganz den Einblick in die Eliteläufer, also die Afrikaner. So ehrlich muss man sein, die Österreicher werden ihn nicht laufen. Die Wetterbedingungen sollen meinen letzten Informationen zufolge perfekt werden, mit 10 Grad und teilweise bewölkt. Der Wind, der ja in Wien ganz wichtig ist, soll nicht zu stark werden. Man weiß nie, aber ich würde nicht unbedingt damit rechnen.

Heute: Du bist Asics Frontrunner. Wie wird man das, was muss man dafür mitbringen?
Stephan Listabarth: Asics Frontrunner ist eine echt coole Community von inzwischen 700 Laufverrückten, im positiven Sinn, auf der ganzen Welt. Wir haben in 35 Länder Teams, ich bin der Teamcaptain für das österreichische Team. Was braucht man dazu? Begeisterung für das Laufen und die Begeisterung, das mit anderen Menschen zu teilen. Asics steht ja für "Anima sana in corpore sano - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper" und genau dieser Gedanke soll dabei vermittelt werden.

Heute: Hast du abschließend noch ein paar Tipps für Leute, die mit dem Laufen anfangen wollen?
Stephan Listabarth: Auf jeden Fall einen sinnvollen Einstieg, dass man nicht zu schnell einsteigt - das betrifft Tempo aber auch die Regelmäßigkeit. Das Wichtigste ist, Spaß dabei zu haben.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(baf)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.