Brutal

07. August 2018 05:00; Akt: 06.08.2018 10:56 Print

Die blutige Geschichte von Irlands Leap Castle

von Meret Steiger - Die Vergangenheit des Leap Castle in Irland ist brutaler als eine ganze Staffel "Game of Thrones".

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Das Leap Castle ("Sprungschloss"), dessen Name "lep" ausgesprochen wird, befindet sich in Irland. Seine Geschichte ist so blutig und brutal, dass sie gern mit "Game of Thrones" verglichen wird – aber das Blutvergiessen im Leap Castle war echt.

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Unklare Besitzverhältnisse

Das Schloss im irischen County Offaly steht seit 800 Jahren. In dieser Zeit gab es diverse Besitzerwechsel und Streitereien über die Herrschaft, die zu teilweise blutigen Schlachten führten. Erbaut hatte das Leap Castle die Familie O'Bannon irgendwann um 1250. Schon damals gab es Streit: Die Kinder der Familie O'Bannon, zwei Brüder, wollten beide das Schloss allein erben.

Laut der Legende gab es einen Wettbewerb zwischen den beiden Brüdern, der entscheiden sollte, wer das Vermögen und die Ländereien des Vaters erben würde – allerdings keinen Wettbewerb, bei dem es aufs Können ankam, sondern einen, bei dem nur das Glück zählte. Beide Brüder wollten von einem großen Felsen runterspringen, der Überlebende sollte alles bekommen.

Ob einer der Brüder überlebt hat, ist bis heute unklar, die Geschichte könnte aber den ursprünglichen Namen des Schlosses erklären: Leim Ui Bhanain, O'Bannons Sprung. Die O'Bannons erklärten kurz darauf den O'Carrolls ihre Treue und die O'Carrolls nutzen das Schloss künftig als Stützpunkt in diversen Schlachten.

Ein toter Priester und die blutige Kirche

Das Oberhaupt der Familie O'Carroll starb, ohne einen Haupterben zu nennen – und erneut entbrannte im Leap Castle ein Streit unter Brüdern. Der eine Sohn, Thaddeus, war Priester. Sein Bruder, Teighe, überzeugte Thaddeus, dass er der rechtmäßige Erbe des Schlosses sei.

Kurz darauf ermordete Teighe seinen Bruder, während dieser die Messe in der Kapelle hielt. Die Kapelle trägt seit da den Übernahmen "die blutige Kirche" und der Geist von Thaddeus soll noch immer auf der Kanzel stehen.

Hunderte menschliche Knochen

Hinter einer Wand der blutigen Kirche fand man bei Restaurationsarbeiten Hunderte Skelette, die meisten auf Holzpfählen aufgespiesst. Wie die Skelette dort hinkamen, ist umstritten. Eine Theorie hängt mit der Grausamkeit zusammen, die den O'Carrolls nachgesagt wird.

Eine Möglichkeit wäre ein Massaker, das die O'Carrolls in der Kirche veranstalteten. Es könnte sein, dass die Familie verfeindete Clans für Friedensverhandlungen in die Kirche einluden – und sie dann alle hinrichteten und ihre Überreste einmauerten.

Die Grausamkeit der O'Carrolls

Es gibt weitere schreckliche Geschichten über den O'Carroll-Clan. Angeblich spukt im Schloss der Geist der Red Lady, die mit einem Messer durch die Gänge wandert und auf Rache sinnt. Angeblich war die Red Lady eine junge Frau, die von mehreren Mitgliedern des Clans entführt, gefangen gehalten und mehrfach vergewaltigt wurde.

Als die Red Lady ein Kind gebar, töteten es die O'Carrols vor ihren Augen. Sie soll diesen Verlust nicht verkraftet haben und an gebrochenem Herzen gestorben sein. Angeblich wandert sie aber noch heute durch das Schloss und sucht die Männer, die ihr Kind ermordet haben.

Böse Dämonen und Druiden

Damit nicht genug: Es soll im Schloss eine unheimlich Präsenz geben, die niemand so genau beschreiben kann. Dieses Ding wird "The Elemental" genannt, und seine Herkunft ist unklar. Manche glauben, dass ein missglücktes Ritual unter Druiden das Ding in unsere Welt geholt hat, andere halten es für einen normalen Geist – oder eben schlicht für eine Legende.

Im 17. Jahrhundert gab es einen Besitzerwechsel: Eine Tochter der O'Carrolls verliebte sich in Darby, einen englischen Gefangenen. Die beiden planten gemeinsam wegzulaufen. Als die Tochter den Gefangenen freiließ, begegnete dieser auf der Flucht ihrem Bruder, einem Sohn der O'Carrolls. Darby gewann den Kampf, die Tochter der O'Carrolls war nun die einzige Erbin – und mit ihr Darby, den sie heiratete.

Den Verstand verloren

Obwohl die beiden durchaus reich waren, machte sich Darby ständig Sorgen um Geld. Nach und nach verlor der junge Mann den Verstand: Er begann im ganzen Schloss Geld zu verstecken – und vergaß die Verstecke kurz darauf. Er verbrachte seine letzten Jahre damit, das Schloss nach dem versteckten Geld abzusuchen.

Die Kinder des Paars lebten weiterhin im Schloss. Im späten 19. Jahrhundert heiratete die junge Schriftstellerin Mildred Dill den aktuellen Schlossbesitzer, Jonathan Darby. Mildred liebte alles Paranormale und schrieb den Rest ihres Lebens über die Geister des Leap Castle.

Vor dem irischen Unabhängigkeitskrieg geflüchtet

So sehr Mildred das Schloss liebte: Leider mussten sie und ihr Mann es 1922 verlassen. Die Iren kämpften gerade um die Unabhängigkeit von den Briten – und die Darbys waren Engländer und fürchteten deswegen um ihr Leben. Das Schloss stand leer und brannte kurz darauf teilweise nieder.

1974 wurde ein Restaurationsprojekt gestartet. Das Schloss befindet sich auch heute in Privatbesitz, der Besitzer Sean Ryan bietet aber Touren an und erzählt Gästen gern von der blutigen und brutalen Geschichte des Leap Castle.

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