Ballett-Opfer sprechen

12. April 2019 05:30; Akt: 12.04.2019 15:24 Print

"Hatte sieben Zentimeter Kratzer auf der Brust"

Sie wollen sich nicht länger verbiegen: Nach Bekanntwerden des Skandals an der Wiener Oper erzählen die Geschwister Embra und Dominik, wie auch sie unter der geschassten Tanz-Tyrannin litten.

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Admira Vaida und ihre Ballett-Kinder Emra und Dominik.

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Sie wollten doch nur tanzen. Für Dominik (21) war das Ballett die einzige Therapie, die Wirkung bei ihm zeigte. Über seinen Kampf gegen Tourette schrieb Mama Admira Vaida sogar ein Buch ("Tick"). Auch seine Schwester Embra (15) liebt das Ballett. Beide wurden als Jugendliche von eben jener Lehrerin (65) unterrichtet, deren Brutalo-Trainingsmethoden nun die Jugendanwaltschaft beschäftigen.

"Ich hatte einen sieben Zentimeter langen Kratzer auf der Brust", so Embra erschüttert. Das Mädchen, das aus gesundheitlichen Gründen nun nicht mehr tanzen kann, wurde von der rigiden Russin "oft am Dutt gezogen, wie die meisten Mädchen". Mama Admira suchte nach anderen Eltern, um gegen die Tanz-Tyrannin vorzugehen, "aber keiner traute sich". Admira auch nicht, sie beschloss, "wegen der Karriere meines Sohnes nichts im Alleingang zu unternehmen".

Dominik lernte zehn Jahre an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper. "Ballett ist ein Hochleistungssport. Man treibt die Schüler nicht an die Spitze, wenn man immer nur lieb redet", weiß er. "Aber geschlagen wurde ich nie." In den "Genuss" der überstrengen Lehrerin kam er allerdings auch: "Sie ging mit Mädchen viel härter um als mit Burschen. Unsere Körper steckten ihre Kratzer besser weg", erzählt Dominik, der durch seine Krankheit gelernt hat, stark zu sein. "Diese kleine, putzige Frau konnte ein echtes Monster sein."

Auch den Tanzlehrer, der im Verdacht steht, einen Schüler sexuell genötigt zu haben, kannte Dominik. "Er hatte einen sehr lockeren Umgang mit den Schülern, als wären wir Freunde." Die Eleven beschwerten sich bei Übergriffen bei Direktorin Simona Noja, "doch sie tat nichts. Das muss Konsequenzen haben", wünscht sich Dominik.

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(sk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ferdl am 12.04.2019 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    BallettKINDER

    Bei den- durch die Bank- tollen Eltern kannst Dir gratulieren. Da stehen jahrelange Demütigungen, körperliche Züchtigung und Missbrauch im Raum... wo waren in dieser Zeit deren Eltern?!

  • Anonym am 12.04.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich so ?

    Nicht falsch verstehen, aber plötzlich sind so viele betroffen. Warum ging man damals nicht sofort in die Offensive. Ich hätte gemerkt, wenn mein Kind misshandelt wird. Im Nachhinein hinzudreschen finde ich etwas billig. Dass sich die Kinder den Eltern nicht anvertraut haben, wundert mich.

  • Ehklar am 12.04.2019 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Haben diese Kinder sich selbst für den Hochleistungssport Ballet entschieden und im Voraus Alles in Kauf genommen, oder waren es die Eltern die sich jetzt aufregen? Die Eltern hätten wissen müssen, was auf die Kinder zukommt. Und außerdem kann man jederzeit aussteigen...

Die neuesten Leser-Kommentare

  • M.R. am 17.04.2019 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Leib und Seele Tänzerin

    Ich habe selbst die Ausbildung zur klassischen Balletttänzerin an der Wiener Staatsoper gemacht, mein Sohn ebenso, und ja das Verhalten der Lehrer, der Gouvernanten u.s.w. den Eleven gegenüber war nicht immer eine Gaudi. Aber ich wusste von Anfang an, dass Balletttanzen nicht nur Spass und Freude ist, sondern Disziplin und harte Arbeit am eigenen Körper. Nur die Besten schaffen es nach jahrelangem harten Training an die Spitze, ja ich hatte blutige Zehen, und ich fühlte mich oft ungerecht behandelt, aber ich liebte das Tanzen so sehr, hätte nie darüber nachgedacht mich daheim zu beschweren.

  • Ehklar am 12.04.2019 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Haben diese Kinder sich selbst für den Hochleistungssport Ballet entschieden und im Voraus Alles in Kauf genommen, oder waren es die Eltern die sich jetzt aufregen? Die Eltern hätten wissen müssen, was auf die Kinder zukommt. Und außerdem kann man jederzeit aussteigen...

  • Frau am 12.04.2019 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Renate

    Selber schuld, wenn man nicht rechtzeitig etwas unternimmt. Wenn Karriere wichtiger ist als Misshandlung, dann ok.

  • wehrlose am 12.04.2019 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Eleven

    Arg wie lange die meisten ihren Mund hielten! Klare Prestigesache auch sehr zum Angeben: mei Kind is beim Staatsopernballett....da darf man schon wegschauen...

  • der.angressene am 12.04.2019 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Aufregung

    Ganz kann ich die Aufregung nicht nachvollziehen: Will man zur Welt-Elite gehören, muss man einiges erdulden. Es nutzt nichts, sich darüber aufzuregen - auch in anderen Ländern wird so gearbeitet. Will man es NICHT erdulden, dann macht man nicht (weiter) mit. Die Konsequenz wird dann wohl sein, dass man nicht gut genug ist. Jeder darf bei uns selbst entscheiden: hopp oder dropp! Persönlich kann ich diesem Drill nichts abgewinnen - aber nocheinmal: Jeder entscheidet selbst!