Qualität wird oft nicht belohnt

24. April 2019 17:55; Akt: 24.04.2019 17:55 Print

Billigfleisch vs. Tierwohl – wie stehst du dazu?

Gute Tierhaltebedingungen und hohe Qualität bei gleichzeitig niedrigen Preisen – das kann sich nicht ausgehen. Trotzdem wünschen sich das viele Konsumenten.

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Billigimporte von Hendlfleisch aus der Ukraine haben zuletzt für Aufregung in Österreich gesorgt. Auch wenn die Tierhalteregeln in Österreich im Vergleich zu vielen anderen Ländern relativ streng sind, um gute Qualität bieten zu können, greifen sie für viele noch lange nicht weit genug.

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Billigfleisch vs. Tierwohl: Sind Sie bereit für mehr Qualität auch tiefer ins die Tasche zu greifen?

Abgesehen davon landen in den Supermarktregalen trotzdem qualitativ minderwertige Billigprodukte aus dem Ausland, die aus fragwürdiger Tierhaltung stammen. Und viele Konsumenten greifen aufgrund der attraktiven Preise letztlich zu.

Nachdem der "Schummelimport" eines ukrainischen Hendlzüchters aufgedeckt wurde, wird das Thema wieder viel diskutiert. Mithilfe eines einfachen Tricks ist es dem Unternehmen gelungen, die Importbeschränkungen zu umgehen und das Billigfleisch auf EU-Boden zu bringen.

Die EU-Kommission überlegt nun, die Freihandelsregelungen zu lockern, damit das Fleisch legal importiert werden kann und der Schummel damit nicht nötig wäre. Das Problem der unterschiedlichen Tierwohl-Standards ist damit aber nicht gelöst.

Wettbewerbsverzerrung

"Wenn man in Österreich zwei bis drei Puten pro Quadratmeter halten darf und in anderen Mitgliedsstaaten der EU vier oder fünf und für Drittstaaten gibt es gar keine Regelungen, dann ist das eine Verzerrung des Wettbewerbs", erklärt Adolf Marksteiner von der Landwirtschaftskammer im Ö1-Mittagsjournal.

Die Folge: Mehr als die Hälfte des in Österreich verkauften Putenfleisches stammt aus dem Ausland und wird zu Spottpreisen angeboten.

Herkunftskennzeichnung in Gastro und Kantinenküchen

Angesichts des Skandals wurde einmal mehr der Ruf nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung, die auch in der Gastronomie und bei Gemeinschaftsverpflegung gelten soll, laut. Während die einen darin langfristig die Lösung des Problems sehen, fürchten die anderen Wettbewerbsnachteile.

Die Lebensmittelindustrie etwa befürchtet ein Mehr an Bürokratie und Aufwand, was sich letztlich in den Preisen der Produkte widerspiegeln würde. "Die entstehenden Zusatzkosten für Lebensmittel würden die heimischen Waren, die in den Regalen im In- und Ausland unmittelbar mit ausländischen Waren konkurrieren, verteuern und somit deutlich benachteiligen", heißt es in einem Statement des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Dass Konsumenten den Einsatz der Landwirtschaft für bessere Qualität aber oft nicht belohnen und dann eben doch nicht bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen, wird bekrittelt.

Die meisten Hendln werden auswärts gegessen

Marktexperte Marksteiner erklärte, dass rund drei Millionen Portionen Essen täglich in Kantinen verzehrt werden. "Dort kann der Wareneinsatz mit ausländischem Putenfleisch oder Kalbfleisch 70 bis 80 Prozent betragen." Die Konsumenten merken allerdings nichts davon, denn woher das Fleisch am Teller stammt, muss im Gegensatz zum Frischfleisch bisweilen nicht deklariert werden.

Eine Umfrage unter den Mensen der österreichischen Hochschulen hat laut Vier Pfoten 2018 ergeben, dass Unternehmer Huhn und Pute mehrheitlich aus dem Ausland beziehen. Das sei insofern wichtig, weil jedes zweite Huhn in Österreich außer Haus konsumiert würde.

Der Tierschutzverein fordert schon seit Jahren eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch, Milch und Eier in verarbeiteten Produkten und in der Gastronomie.

Ministerium arbeitet an Regelung

Das Landwirtschaftsministerium hat angekündigt, an einem entsprechenden Gesetz für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung zu arbeiten, um so unter anderem für mehr Transparenz zu sorgen. Eine EU-Regelung, wonach die Herkunft der Hauptzutat zwingend zu deklarieren ist, wird europaweit ab dem 1. April 2020 gelten.

Laut AMA-Marketing-Chef Michael Blass sei allmählich ein Trend hin zu bewussterem Fleischkonsum erkennbar, vor allem bei der jüngeren Generation. Dennoch sei feststellbar, dass sich viele Konsumenten zwar gute Qualität wünschen, dafür aber nicht mehr zahlen wollen.

Klar ist: Gute Haltung, gute Qualität und billige Preise zusammen gehen sich eben nicht aus.

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(ek)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 24.04.2019 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    entscheidung

    tierwohl is ja klar

    einklappen einklappen
  • Sochal am 24.04.2019 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab Hof statt Supermarkt

    Man kann sehr wohl gute Qualität und billige Preise vereinbaren. Umgeht man die Handelskette und kauft ab Hof ist es wesentlich günstiger und zu 100% nachvollziehbar woher das Fleisch stammt.

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  • Nimmer Lang am 24.04.2019 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    last die Gewerkschaft ans Ruder und alles wird bes

    Im Ausland ist es billiger, plärrt die Gewerkschaft, sagt aber nicht dazu warum, also

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Fleischfresser am 25.04.2019 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Hauptsache billig,alles andere ist Nebensache. Ob es Importiert ist oder Tierwohl ist wurscht. Vorallem bei Tierwohl hab ich sowieso keinen Einfluss,auch beim teuren fleisch kann man sich nicht sicher sein wie es den Tieren geht.

  • günter am 24.04.2019 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    .............

    wie wäre es, nicht jeden tag käsleberkäs semmel oder wurstsemmel in hülle und fülle vertilgen .Mann muss auch nicht 7 mal die woche schweinsbraten/schnitzel und co futtern.aber solang es billig ist und fett ertrinkt damits schmeckt ist alles egal

  • Habakuk am 24.04.2019 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Seit Jahren

    Seit Jahren wird in unserem Haushalt NUR noch BIOware aus Österreich konsumiert. Das Tierwohl, die artgerechte Haltung rechtfertigt den höheren Preis. Das sind wir unseren Mitgeschöpfen schuldig!!!

  • werner.s. am 24.04.2019 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Biobauer

    Bei meinem Biobauer sind die Rinder und Schweine auf der Wiese!

  • Martin am 24.04.2019 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    entscheidung

    tierwohl is ja klar

    • Claudia K. am 25.04.2019 09:40 Report Diesen Beitrag melden

      Tierwohl ist nur eine riesen Werbemarke-Tiere habe

      Leider wird mit der Marke Tierwohl geworben obgleich es nur geringfügigste Verbesserungen für die Tiere gibt.Wer sicher gehen will kauft ab Hof und da gebe ich gerne mehr dafür aus.Was ich auch unterstützen würde ist eine Initiative die männliche Kücken nicht aussortiiert .einfach nur graussam sowas.Zudem solange der Lebendtiertransport gesponsert wird bin ich echt am überlegen-Kauf ab Hof oder gleich Vegetarisch zu leben.

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