Infos zum Mitreden

06. März 2018 18:09; Akt: 07.03.2018 20:54 Print

Grasser-Prozess: Das dubiose Wunder von Linz

Nach der verdächtigen Millionen-Provision beim Buwog-Verkauf geht es im Grasser-Prozess derzeit um 200.000 Euro Schmiergeld – und überraschende Aussagen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Beim Verkauf von 62.000 Buwog-Wohnungen flossen 9,6 Millionen Euro Schmiergeld, bei der Einmietung von Finanzbehörden im Linzer Hochhaus "Terminal Tower" waren es "nur" 200.000 Euro. Aber der Nebenschauplatz im Grasser-Prozess – derzeit Thema vor Gericht – ist voller Tretminen für die Hauptangeklagten (für die natürlich die Unschuldsvermutung gilt).

Der Verdachtsfall zum Mitreden: 2005 errichtete der Baukonzern Porr das Bürohaus auf solider Basis. Denn klar schien, dass ein verlässlicher Zahler viele Jahre gute Mieteinnahmen garantiert: In der ganzen Stadt verstreute Steuerbehörden suchten im Tower ein gemeinsames Quartier.

Verdacht der Bestechung

Kurz vor Unterzeichnung des Mietvertrages aber zickte der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser plötzlich. Geschätzte Beamte, so die Begründung des Ressortchefs, hätten über Parkplatzmangel rund um den neuen Amtssitz geklagt.

Wenige Tage später aber waren die Bedenken – ebenso überraschend – vom Tisch. Wundersame Erklärung: Lobbying. Denn Grasser-Trauzeuge Walter Meischberger nützte die Nervosität im Porr-Konzern und bot prompte Problemlösung an.

Für 200.000 Euro. Fakturiert über Scheinrechnungen. Zahlbar an Peter Hocheggers Firma "Akropolis" auf Zypern, über die auch das Buwog-Schmiergeld geflossen ist.

Die beiden Ankläger sehen die Zahlung als Gegenleistung für Grassers Zustimmung zum Mietvertrag. Im Klartext: als Bestechung.

Suche nach Meischbergers Leistung

Richterin Marion Hohenecker hat bisher zwei der angeklagten Porr-Manager einvernommen. Beide überraschten mit offenen Worten. Denn Ex-Abteilungsleiter Josef W. gab an, der damalige Porr-Chef Horst Pöchhacker (2014 verstorben) habe ihn beauftragt, die Zahlung an Meischberger im Tower-Projekt unterzubringen: "Das war eine Weisung".

Josef W. war verärgert, denn er habe "keine Leistung Meischbergers wahrgenommen, die ein Honorar rechtfertigt". Aber der Abteilungsleiter muckte auch nicht auf, als ihn sein Boss anwies, rasch eine Studie über "Marktchancen in Rumänien" zu türken. Das Konvolut sollte dann als Gegenwert für die Zahlung der 200.000 Euro an die "Akropolis" auf Zypern herhalten.

Panne bei Schmähstudie

Der Manager erinnert sich noch genau an seinen Pfusch. Denn die Order ereilte ihn an seinem Hochzeitstag. Die Ehefrau war sauer, weil das geplante Dinner ins Wasser fiel. Und Josef W. verlor in seinem Frust den ganzen Abend über den Faden. Seine Kurzstudie zu Rumänien gab er mit dem Titel "Marktbericht Bulgarien" ab.

Auch Ex-Porr Solutions-Manager Friedrich G. putzt sich auf den verstorbenen Generaldirektor ab: Pöchhacker habe die Weisung erteilt, "der Hochegger-Gruppe" 200.000 Euro anzuweisen: "An Bestechung habe ich dabei nicht gedacht." In einem abgehörten Telefonat während der Ermittlungen sagte Friedrich G. besorgt, ein Porr-Manager "könnte ausscheren". Vor Gericht erklärt der Angeklagte dazu: Es sei Strategie der Porr-Anwälte gewesen, jede Aussage zu verweigern.

Alle Aussagen im Detail finden Sie im Prozess-Ticker auf "heute.at". Donnerstag wird der Prozess mit weiteren Einvernahmen von Porr-Managern fortgesetzt. Die Hauptangeklagten Grassser und Meischberger kommen vermutlich erst im Mai zu Wort.


Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(hölli)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Shabeskeer am 06.03.2018 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Shabeskeer

    Die beliebtesten oesterreicher, Hauptsache Italien Liga ist mit dabei..... Pfui

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Shabeskeer am 06.03.2018 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Shabeskeer

    Die beliebtesten oesterreicher, Hauptsache Italien Liga ist mit dabei..... Pfui