Umfrage Gesund­heits­berufe

05. März 2019 19:15; Akt: 05.03.2019 20:42 Print

So unzufrieden sind Österreichs Pflegekräfte

"Wo drückt der Schuh?" wollte die AK im Rahmen einer Umfrage wissen. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei den Rahmenbedingungen hapert.

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Um mehr über die Arbeitssituation der vielfältigen Gesundheitsberufe zu erfahren, hat die AK Wien von Mitte Oktober bis Ende Dezember 2018 eine Online-Befragung unter dem Titel "Wo drückt der Schuh?" durchgeführt.

Umfrage
Gehören Pflegekräfte besser bezahlt?

Über 17.000 Mal wurde der Fragebogen ausgefüllt. Die Ergebnisse zeigen, dass es mehr als eine schmerz­hafte Druckstelle gibt.

Rahmenbedingungen

Einmal mehr zeigt sich laut der AK-Studie: Angehörige der Gesundheitsberufe sind mit ihrem erlernten Beruf grundsätzlich zufrieden. Sie mögen ihre Arbeit. Der Knackpunkt sind eindeutig die Rahmenbedingungen.

Große Unzufriedenheit herrsche etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei der Anerkennung durch andere, bei der Unterstützung durch Vorgesetzte und dem Einkommen. Innerhalb der Berufsgruppen fühlen sich Arbeitnehmer in Krankenhäusern und Pflegeheimen am meisten benachteiligt. Sie sind bei acht von zwölf Faktoren deutlich unzufriedener als die Kollegen aus anderen Bereichen. Die Arbeiterkammer ortet daher akuten Handlungsbedarf.

Überstunden, Arbeitszeit

Die Einhaltung der vereinbarten Arbeitszeit sei ein Dreh-und Angelpunkt für die Zufriedenheit. Befragte, die regelmäßig genauso viele Stunden arbeiten, wie sie mit dem Arbeitgeber vereinbart hatten, waren in allen Bereichen deutlich zufriedener als jene, die von regelmäßigen Mehr- und Überstunden berichteten.

Eingehaltene Dienstpläne ermöglichen immerhin planbare Arbeitszeiten, ein planbares Privatleben und damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nur bei vier von zehn Befragten wird das vereinbarte Arbeitsausmaß regelmäßig eingehalten. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) sagten, dass sie regelmäßig mehr Stunden pro Woche als vereinbart arbeiten müssen.

Aus Sicht der AK ist diese Dauerbelastung durch Mehrarbeit ein unhaltbarer Zustand. Die permanente Überanstrengung gefährde die Gesundheit der Beschäftigten und stelle ein Sicherheitsrisiko für Patienten dar.

Jüngeres und männliches Personal unzufriedener

Die Ergebnisse der Studie zeigen laut AK außerdem, dass der Nachwuchsmangel in Gesundheitsberufen wohl auch an oben genannten Arbeitsbedingungen liegt. "Die Arbeitsplätze sind nicht attraktiv genug. Es hapert aus Sicht der jungen Menschen beim Arbeitszeitausmaß, der Dienstplangestaltung, den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch beim Einkommen", heißt es.

Auch zeigten sich in der Befragung Männer deutlich unzufriedener als Frauen. Die Unterschiede waren bei den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und beim Einkommen am größten.

Gedanken über Jobwechsel

Diese Unzufriedenheit führt laut Umfrage auch dazu, dass ein Viertel aller Befragten zumindest einmal im Monat – und fünf Prozent gar täglich – über eine Kündigung nachdenkt.

"All das sind denkbar schlechte Voraussetzungen, um ausreichend Personal in unseren Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu sichern. Junge Menschen brauchen planbare Arbeitszeiten, gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, attraktive Einstiegsgehälter und interessante berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Ältere Berufstätige brauchen Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, länger und gesund im Beruf zu bleiben. Imagekampagnen allein werden da nicht weiterhelfen", erklärte AK-Präsidentin Renate Anderl im Zuge der Präsentation der Umfrage.

Sofortmaßnahmen gefordert

Besonders in den drei Bereichen Einkommen, Personal und Sicherstellung der Finanzierung bestehe dringend Handlungsbedarf. Was die Bezahlung betrifft, fordert die Arbeiterkammer eine finanzielle Anerkennung der Qualifikationsniveaus und der Verantwortung in der Praxis, sowie eine Angleichung der Löhne in der Langzeitpflege an jene in den Krankenhäusern.

Um eine erste unmittelbare Entlastung für das Personal in den Gesundheitsberufen zu schaffen, werden Programme zur Umsetzung von österreichweit 20 Prozent mehr Personal in Krankenanstalten und in der Langzeitpflege gefordert.

Mehr Geld für Pflege

In den Entwürfen der Regierung für das Krankenanstalten-Arbeitsgesetz sieht die AK statt einer Entlastung allerdings eine weitere Belastung: "Denn die vorgeschlagene Neuregelung der Rufbereitschaft sieht eine Verkürzung der täglichen Ruhezeit vor", betont Anderl. Bei Arbeiten während der Rufbereitschaft soll der nächste Dienstantritt schon nach fünf statt wie bisher elf Stunden erlaubt sein. Endet eine Tätigkeit während der Rufbereitschaft etwa um 2 Uhr nachts, wäre ein Dienstantritt um 7 Uhr früh möglich.

Außerdem appelliert die AK an die Regierung, für eine solide Finanzierung zu sorgen. "Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse, sondern Geld. Es muss uns allen klar sein, dass Investitionen in bessere Rahmenbedingungen für die Gesundheitsberufe keine Möglichkeit, sondern eine Notwendigkeit sind. Es gibt nichts Wichtigeres als unsere Gesundheit, wer hier auf der Kostenbremse steht, gefährdet damit buchstäblich Leben", warnt Anderl.

Regierung kündigte Reform an

Die zuständige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hat bis zum Jahresende ein Konzept für Neuerungen im Gesundheits- und Pflegewesen versprochen. Zusätzlich sind Imagekampagne für den Pflegeberuf und Gespräche mit Hilfsorganisationen, Interessenvertretungen und Ländern geplant.

Die Reform solle in drei Schritten ablaufen: Organisation, Imageverbesserung des Pflegeberufs und Finanzierung. "Es muss eine Motivation für junge Menschen geben, in den Pflegeberuf einzusteigen", hatte die Ministerin Anfang des Jahres angekündigt.

Lesen Sie dazu: "Daheim statt Heim" – das ist der Pflege-"Masterplan" >>>

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zederich am 06.03.2019 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Personal, nicht bessere Bezahlung

    Die Umfrage in diesem Beitrag geht am echten Problem vorbei. Nicht eine bessere Bezahlung ist der Wunsch der Pflegenden, sondern mehr Personal. Auch einen Ersatz für Krankenstände wär ein Wunsch. Derzeit müssen Kollegen die Dienste mit Überstunden ersetzen.

    einklappen einklappen
  • mopsi am 06.03.2019 04:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fr

    oft scheitert es schon bei der Ausbildung....da bekommt man je nach Jahr ein Taschengeld von ca 200 bis 300 Euro.....wer noch bei den Eltern wohnt wird das vl schaffen ein Erwachsener mit Familie und Haushalt kann sowas vergessen.....jeder andere Lehrling bekommt wesentlich mehr....

  • G.Amlacher am 05.03.2019 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich glaube

    ist das sich die meisten nicht das dürfen wozu sie eigentlich da sind. Für die Menschen die sie Pflegen und betreuen sollten. Die meisten sind zur Stopuhr umfunktioniert worden. Und wehe sie tickt nicht wie man ihr es vorschreibt! Den dann müssen sie es hinnehmen die beleidgungen weil sie sich keine Zeit nehmen die sie eigentlich bräuchten.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • DGKS am 06.03.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Verantwortung ist nicht tragbar

    Ein grosses Thema ist auch die Qualifikation der Pflegepersonen in privat geführten Pflegeheimen. Eine Dipl. Pflegeperson ist im Dienst alleine für 80 bis 140 Bewohner zuständig. Arztvisite ist meist nur 1x pro Woche. Dazu ist sie in der Nacht noch für den Feueralarm zuständig. Das Hilfspersonal ist unterschiedlich schlecht ausgebildet und die deutsche Sprache ist in Wort und Schrift nicht ausreichend vorhanden.

  • Zederich am 06.03.2019 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Personal, nicht bessere Bezahlung

    Die Umfrage in diesem Beitrag geht am echten Problem vorbei. Nicht eine bessere Bezahlung ist der Wunsch der Pflegenden, sondern mehr Personal. Auch einen Ersatz für Krankenstände wär ein Wunsch. Derzeit müssen Kollegen die Dienste mit Überstunden ersetzen.

    • Vorstadtmama am 06.03.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Bessere Bezahlung

      führt dazu, dass sich mehr Menschen für den Pflegeberuf entscheiden. Nur dann gibt es auch mehr Personal.

    • srkstsch am 06.03.2019 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Vorstadtmama

      mehr Personal gibt es nur, wenn das Management dies auch bezahlen will. Höhere Gehälter heißt, sehr sicher für die Führungsebene, dass Angestellte abgebaut werden müssen, weil die Personalkosten steigen.

    • D.D. am 06.03.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Vorstadtmama

      Die Personalbedarfsberechnung gehört endlich geändert. Ist ja noch vom Jahre Schnee! Mehr Pflegepersonen - somit muss man nicht wie am Fließband arbeiten, sondern kann individuell pflegen + andere Tätigkeiten (z.B. Doku) in Ruhe ausführen. Mehr Gehalt bringt nichts!

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  • mopsi am 06.03.2019 04:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fr

    oft scheitert es schon bei der Ausbildung....da bekommt man je nach Jahr ein Taschengeld von ca 200 bis 300 Euro.....wer noch bei den Eltern wohnt wird das vl schaffen ein Erwachsener mit Familie und Haushalt kann sowas vergessen.....jeder andere Lehrling bekommt wesentlich mehr....

  • Manager am 05.03.2019 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst ausgesucht

    Sollen lieber Mal was arbeiten, jeder hat sich seinen Beruf bis jetzt noch selbst ausgesucht

    • abgehobener Bonze am 06.03.2019 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Manager

      sehr viel falscher kann Ihre Aussage nicht sein.

    • Gratulation am 06.03.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Manager

      so viel Unsinn in einem einzigen kurzen Kommentar... gratuliere dazu!

    • Leut'gibts am 06.03.2019 08:37 Report Diesen Beitrag melden

      Ihnen wünsche ich

      Dass Sie einmal Pflege in Anspruch nehmen müssen und von einem völlig überarbeiteten Pfleger/Pflegerin abgefertigt werden, weil es das enge Dienstkorsett gar nicht anders erlaubt. Stellen Sie sich vor, manche Leute WOLLEN andere pflegen! Warum müssen die das unter schlechten Bedingungen, wenn Menschen wie Sie, sicher niemanden pflegen wollen, Herr Manager. Die Pflege ist harte arbeit. Härter als so mancher Managerposten!

    • Vorstadtmama am 06.03.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      Man sucht sich was anderes aus

      wenn man noch jung genug ist. Genau das ist ja das Problem.

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  • G.Amlacher am 05.03.2019 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich glaube

    ist das sich die meisten nicht das dürfen wozu sie eigentlich da sind. Für die Menschen die sie Pflegen und betreuen sollten. Die meisten sind zur Stopuhr umfunktioniert worden. Und wehe sie tickt nicht wie man ihr es vorschreibt! Den dann müssen sie es hinnehmen die beleidgungen weil sie sich keine Zeit nehmen die sie eigentlich bräuchten.