AMS-"Stammkunde" packt aus

31. August 2016 03:10; Akt: 09.09.2016 03:40 Print

"Wer 38 Stunden arbeitet, ist blöd"

Markus F. schuftete jahrelang hart. Erst als Fleischer, dann als Arbeiter. Am Monatsende blieben dennoch kaum mehr als 1.100 Euro über. Nun hat er einen Mini-Job, AMS-Geld und lebt besser denn je.

 (Bild: Fritz Schaler)

(Bild: Fritz Schaler)

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"Wer in Österreich noch arbeitet, ist dumm", weiß man am Stammtisch und im Web längst. "Heute" fand einen Niederösterreicher, der genau das offen ausspricht – und Systemkritik übt. Markus F. (29/Name geändert, aus Angst, vor Repressalien auf einem veränderten Foto): "In diesem Land gibt es einfach keinen Ansporn mehr, einer regelmäßigen Tätigkeit nachzugehen. Ganz im Gegenteil: Ich selbst wäre dumm, wenn ich das machen würde."
Wie bitte? Markus F. hat nach der Schule eine Fleischer-Lehre absolviert und später einen Job als Bestatter angenommen. Vor zwei Jahren dann hat er seine Ambitionen auf 40-Stunden-Arbeit begraben: "Früher schuftete ich wie verrückt und bekam am Monatsende etwa 1.100 Euro heraus. Heute jobbe ich ein bisschen und habe mehr Geld als zuvor." Wie er das anstellt? "Keine Urlaube, Einkauf ausschließlich beim Diskonter." Dazu: Notstandsbeihilfe des AMS (800 Euro), Mietzuschuss (270 Euro), Gehalt als geringfügig Angestellter (415 Euro) und ein paar Hundert Euro aus Pfuschertätigkeiten.

"Noch dazu bin ich von der GIS und der Rezeptgebühr befreit." Was der dreifache Vater tun muss? "Regelmäßig zum AMS tingeln und mich hie und da bei Betrieben vorstellen. Doch die wollen eh nur billige Leiharbeiter."

Skurril: Seine Frau hatte einen "super Job" (1.200 Euro Gehalt), musste diesen aber kündigen: "Es ging sich einfach nicht mehr aus, weil sie uns sofort den Mietzuschuss strichen", so Markus F..

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