NÖGKK-Studie

07. Dezember 2018 14:55; Akt: 07.12.2018 15:05 Print

So schlecht ist die Luft im Nichtraucherbereich

Laut einer NÖGKK-Studie sind auch die Nichtraucherzonen durch Feinstaub belastet: Nur ein Gastronomiebetrieb von 20 war sauber.

Von den 20 untersuchten Raucher/Nichtraucher-Mischlokalen wurden in 14 Gaststätten signifikante und starke Feinstaubübertritte im Nichtraucherbereich aufgedeckt. (Bild: iStock (Symbol))

Von den 20 untersuchten Raucher/Nichtraucher-Mischlokalen wurden in 14 Gaststätten signifikante und starke Feinstaubübertritte im Nichtraucherbereich aufgedeckt. (Bild: iStock (Symbol))

Zum Thema
Fehler gesehen?

Viele essen ihr Schnitzel mitten in einer Giftwolke und wissen es nicht: In vielen Raucher-Nichtraucher-Mischlokalen herrscht eine massive Feinstaubbelastung – auch in den Nichtraucherzonen.

Umfrage
Rauchen Sie auch in Lokalen?

Das ergab eine großangelegte Studie durch die IBO Innenraumanalytik OG, die im Auftrag der NÖ Gebietskrankenkasse durchgeführt wurde. In 95 Prozent der 20 untersuchten Lokale in Niederösterreich wurden erhöhte, zum Teil stark gesundheitsschädliche Mengen an Feinstaub festgestellt. Im Tabakrauch kommen mehr als 260 giftige Substanzen vor, 90 davon sind nachweislich krebserregend.

"Ernstzunehmender Schutz vor Passivrauch ist in Mischlokalen kaum möglich"

„Die Raucherregelung für die Gastronomie ist eine Farce. Nichtraucher werden zu Mitrauchern! Das bestätigt uns die neue Untersuchung“, sagt der Obmann der NÖ Gebietskrankenkasse, Gerhard Hutter. „Tabakrauch belastet die Atemluft mit unzähligen Schadstoffen. Die aktuellen Messungen in Nichtraucherbereichen von niederösterreichischen Lokalen zeigen uns eindringlich, dass sich die Giftstoffe aus dem Tabakrauch nicht an Zonengrenzen halten, sondern sich über das ganze Lokal verteilen. Ernstzunehmender Schutz vor Passivrauch ist in Mischlokalen kaum möglich“, zieht Hutter aus den Untersuchungen Bilanz.

Starker Feinstaub in 70 Prozent der Testbetriebe

„Von den 20 untersuchten Raucher/Nichtraucher-Mischlokalen, wurden in 14 Gaststätten signifikante und starke Feinstaubübertritte im Nichtraucherbereich aufgedeckt. Dort herrschte eine mehr als doppelt so hohe Konzentration an Feinstaub als vor der Tür im Außenbereich. Die Spitzen lagen nicht selten zehnmal höher als im Freien. In fünf weiteren Mischlokalen waren Übertritte bis zum zweifachen Wert nachweisbar“, erklärt der gerichtlich zertifizierte Sachverständige Peter Tappler, der die Studie für die NÖGKK durchgeführt hat.

„Übertritte wurden auch in Lokalen festgestellt, die geschlossene Zwischentüren zwischen Raucher- und Nichtraucherräumen aufwiesen, oder sogar in anderen Stockwerken lagen. Lediglich in einem Lokal war kein Übertritt messbar!“

„Das Tabakgesetz wird in Mischlokalen leider wenig bis gar nicht eingehalten“, sagt Studienleiter Tappler. „Die meisten Übertritte passieren durch offene oder undichte Türen oder ungünstige Druckverhältnisse. Mitunter gibt es gar keine Trennelemente zwischen Raucher- und Nichtraucherbereichen.“

Im Rahmen der Erhebung wurden zahlreiche Verstöße gegen das Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz festgestellt. Mit einem mobilen Partikelzähler wurden Gastgewerbelokale vor allem im ländlichen Raum und kleineren Städten Niederösterreichs gemessen. Diese Feinstaubmessgeräte stellen pro Kubikzentimeter Partikel mit einer Größe von 0,02 bis 1 Mikrometer fest. Andere Feinstaubquellen wie Kerzen oder offene Küchenbereiche wurden in der Studie berücksichtigt.

Passivrauch macht krank

Passivrauch besteht aus kleinen Teilchen, die beim Verbrennen der Zigarette in die Luft abgegeben werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen können schwerwiegend sein: Kurzfristig kann Passivrauch zu Kopfschmerzen, Hustenreiz, Schwindel, Müdigkeit oder Atemlosigkeit führen. Die längerfristigen Folgen sind Lungenerkrankungen, Herzinfarkte, Diabetes und Krebs.

Aber nicht nur die Gäste in den Lokalen leiden darunter. NÖGKK-Obmann Hutter stellt sich angesichts der aktuellen Untersuchungsergebnisse die Frage, ob Angestellte in Tourismus und Gastronomie Beschäftigte zweiter Klasse sind: „Diese Menschen sind tagtäglich dem Giftcocktail ausgesetzt, obwohl andernorts ein gesetzlicher Schutz vor Passivrauch am Arbeitsplatz gilt. Die Arbeit in Lokalen, in denen geraucht werden darf, macht krank – egal, ob man sich in der Raucher- oder Nichtraucherzone aufhält. Und deshalb ist die derzeitige Regelung nicht hinzunehmen! Sogar im Festzelt darf mittlerweile nicht mehr geraucht werden“, sagt Hutter und appelliert an die Politik: „Das bereits beschlossene und von der Koalition heuer wieder abgesagte Rauchverbot in Lokalen muss schnell wiederkommen!“

Passivrauchen: Für Kinder doppelt so schlimm

Die Leiterin des Rauchfrei Telefons der NÖGKK, Sophie Meingassner, spricht die besondere Situation bei Kindern und Schwangeren an. „Für Kinder ist es doppelt schlimm, wenn sie sich in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird, da ihre Organe und ihr Immunsystem noch nicht voll entwickelt sind. Hält sich ein Kind eine Stunde in einem verrauchten Raum auf, ist das für das Kleine genauso schädlich, als ob es selber eine Zigarette geraucht hätte. Selbst das ungeborene Kind im Mutterleib raucht bereits mit!“

„Rauchen ist eine Sucht. Es ist schwer, wieder davon loszukommen“, bestätigt Meingassner. „Deshalb ist es wichtig, nicht überall Anreize zum Rauchen zu schaffen. Europäische Länder, die den Nichtraucherschutz in den vergangenen Jahren verstärkt haben, melden mittlerweile weniger Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch Tabakkonsum. In diesen Ländern beginnen heute weniger Menschen überhaupt mit dem Rauchen. Zudem darf man nicht vergessen, dass rauchfreie Zonen in der Gesellschaft auch ein Schutz für Ex-Rauchende sind. Rauchverbote verbessern ihre Chancen, nicht wieder rückfällig zu werden.“

Hilfe beim Rauchstopp bietet in Österreich das Rauchfrei Telefon der NÖGKK. Es ist unter 0800 810 013 von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr erreichbar. Es fallen österreichweit keine Gebühren an. Die Beratung ist kostenlos.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(red)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Da Wirt am 07.12.2018 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Dann messt mal am Ring

    oder am Gürtel... Da ist die Luft in NR-Bereichen wie frische Waldluft, das wollen aber die Fanatiker nicht wahrhaben. Bleibt halt in reinen NR-Lokalen, die Wirte dankens.

    einklappen einklappen
  • erich07 am 08.12.2018 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    essen im Lokal

    Wie habe ich überlebt ??? Vor 50 Jahren, wenn man im Lokal essen war, sah man das Schnitzel vor sich, vor lauter Rauch nicht. Die Kleidung kam am nächsten Tag in die Putzerei. Heute sind paradiesische Zustände. Hauptsache man kann meckern.

  • krachwallo am 07.12.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Alle 14 Tage

    die selbe Leier,wann hört das endlich auf,es gibt genug andere Themen,mir selber wäre lieber es würde mal ein Bericht über den Schadstoffauswurf der Flugzeuge geredet,Kerosin soll ja auch nicht so gesund sein!

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Einstein A. am 08.12.2018 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sozial?

    Dauernd dieses gejammer der unsozialen, egoistischen Nichtrauchern, denen es zu gut geht und keine anderen Sorgen haben.

  • Antitschick am 08.12.2018 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    EU Aschenbecher

    Es gibt selten eine Trennung zwischen Nichtraucherbereich und Raucherbereich! Die Türe stehen aus Bequemlichkeit offen!

  • Hans onkl am 08.12.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit mit Feinstaub ist gesund.

    giftig ist ja nur was du in deiner freizeit machst, weil du dann zu Hause stirbst und nicht kniend in deiner seelenraubenden Arbeit. in Wien ist mehr Feinstaub als im kohlebergwerk , immer gut den Feinstaub herein lüften. in Altenburg gibt es das kieswerk , ein ganzer ort staubig, aber da geht's um die Liebe Marie , die bekanntlich österreich regiert.

  • erich07 am 08.12.2018 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    essen im Lokal

    Wie habe ich überlebt ??? Vor 50 Jahren, wenn man im Lokal essen war, sah man das Schnitzel vor sich, vor lauter Rauch nicht. Die Kleidung kam am nächsten Tag in die Putzerei. Heute sind paradiesische Zustände. Hauptsache man kann meckern.

  • mopsi am 08.12.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fr

    warum fragt keiner wad man in der Arbeit so alles unfreiwillig inhaliert? Abgesehen davon bekommen alle Süchtigen Hilfe die von der Krankenkasse bezahlt wird....nur der Raucher darf seine Entwöhnung selbst bezahlen...