Mann ging nach Prozess heim

12. März 2019 13:30; Akt: 12.03.2019 15:12 Print

Freundin fast getötet, sie verzieh Messerstecher

Ein 28-Jähriger hatte seine Freundin in Tulln lebensgefährlich verletzt, sie rang mit dem Tod. Doch sie (25) hat ihm längst verziehen, am Dienstag stand der Mann vor Gericht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit seinem 14. Lebensjahr hört ein 28-Jähriger aus NÖ Stimmen. Im zarten Alter von 17 Jahren widmete er sich verstärkt dem Alkohol und Cannabis.

Umfrage
Was halten Sie generell von bedingten Einweisungen?

Als die 25-Jährige am Morgen des 17. September 2018 aufstand, wartete er im Vorzimmer – eine Zigarette in der einen Hand, ein Messer in der anderen. Dann rammte er ihr laut Anklage das Messer mehrmals in den Leib – sie erlitt drei Bruststiche (mit einer Herzbeutelöffnung) und Stiche im Halsbereich. Die Luftröhre streifte er nur. Dann flüchtete der Mann blutverschmiert und halbnackt, wurde aber nur rund fünf Kilometer vom Wohnort entfernt festgenommen. Sie überlebte dank einer Notoperation knapp, lag längere Zeit im Wiener AKH – "Heute" berichtete.

Angeklagter schwer krank

Am Montag stand der 28-jährige Österreicher wegen versuchten Mordes in St. Pölten vor Gericht. Dabei verwies sein Anwalt auf die guten Fortschritte bei der Therapie. Und: Die 25-Jährige hat ihrem Freund verziehen, die beiden wollen – im Rahmen der Möglichkeiten – die Beziehung fortführen. Die Frage vor Gericht lautete daher: Strafe oder Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, beziehungsweise bedingte Einweisung (Anm.: sprich schuldunfähig, aber nicht mehr gefährlich, somit könnte der Angeklagte bei einer bedingten Einweisung nach Hause gehen).

Der Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine schwere psychische Erkrankung, eine paranoide Schizophrenie, die kurz vor der Bluttat ausgebrochen ist. Der Angeklagte habe laut Gutachter Brosch nicht gewusst was er tut, war in einem seelischen Ausnahmezustand. Aber der Betroffene zeige sich krankheitseinsichtig und bereit dazu, die Behandlung auch weiter durchführen zu lassen. Der Sachverständige empfahl daher die bedingte Nachsicht der Einweisung. Denn: Mithilfe der Medikamente sei das Seelenleben des 28-Jährigen weitgehend geordnet. Als Auflagen forderte der Gutachter: Betreute Wohneinrichtung, Kontrollen, Medikamente und Alkohol- und Drogenabstinenz.

Restrisiko bleibt

Auch der Staatsanwalt hielt fest, dass er den Angeklagten für zurechnungsunfähig hält, äußerte aber Bedenken hinsichtlich einer bedingten Nachsicht der Einweisung. Der Verteidiger sah die bedingte Nachsicht für gerechtfertigt, weil die gesetzlichen Voraussetzungen eingehalten werden.

Das Urteil am Montagnachmittag in St. Pölten: bedingte Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher (rechtskräftig), somit durfte der 28-Jährige den Gerichtssaal als freier Mann verlassen, kam aber sofort in ein betreutes Wohnheim (Anm.: davor war der Mann in Mauer). Natürlich muss er seine Auflagen erfüllen. Abschlusssatz des Richters: "Ein Restrisiko für die Bevölkerung bleibt."

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(Lie)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz am 12.03.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    super Urteil

    super Urteil, endlich mal ein Gericht mit Hausverstand. weiter so.

  • Auchnemeinung am 12.03.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das mit den Stimmen

    kann schon stimmen. Wenn man so will... allerdings nur.

  • franka am 12.03.2019 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. die

    ganzen kosten müsste das Opfer zahlen. 2. der letzte Satz ist eine Frechheit sondergleichen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Auchnemeinung am 12.03.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das mit den Stimmen

    kann schon stimmen. Wenn man so will... allerdings nur.

  • franka am 12.03.2019 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. die

    ganzen kosten müsste das Opfer zahlen. 2. der letzte Satz ist eine Frechheit sondergleichen.

  • Franz am 12.03.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    super Urteil

    super Urteil, endlich mal ein Gericht mit Hausverstand. weiter so.

  • Francis Lane am 12.03.2019 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    wer nimmt dass dann auf seine Kappe?

    und wenn der Herr sich nicht an die Auflagen hält, und sticht wieder zu? noch dazu wo er ja noch in Therapie ist? das "Restrisiko" ist vertretbar? für wen? weshalb ist das vertretbar? Seine Freundin hat im verziehen und ist wieder mit ihm zusammen? hat die auch wer untersucht? also i wunder mi nur mehr was in der Welt so alles abgeht. da kommst aus dem Kopfschütteln nimma raus. auch natürlich a lässiger Zufall für das Strafausmass dass die Krankheit erst kurz vor der Bluttat ausbrach...