Streit um Kind in NÖ

17. Mai 2019 08:00; Akt: 17.05.2019 07:46 Print

Mutter kritisiert Heim: Ärztin verlor Sorgerecht

Medizinerin Lucia B. (42) wollte ihren Lukas (13) nach Hause holen. Denn: Nach einem Therapeutenwechsel lief laut Mutter im Heim alles schief. Die Behörde war dagegen, entzog der Ärztin das Sorgerecht.

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Mutter (42) und Sohn (13)

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Dr. Lucia B. (42) hat eine gut gehende Praxis samt Eisentherapiezentrum im noblen Baden (NÖ), ein grundsätzlich hochbegabtes Kind und ein gebrochenes Mutterherz. Denn die Medizinerin darf ihren Sohn Lukas* nur unter Aufsicht im SOS-Kinderdorf im Bezirk Mödling besuchen.

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Die Vorgeschichte: Der hochintelligente, aber sozial schwierige Lukas fand nach einem Verweis keine passende Schule mehr. Gemeinsam mit dem Jugendamt fand die 42-Jährige eine Lösung: eine Spezialklasse (mit nur sieben Kindern) im Heim in Hinterbrühl. „Ich musste 2017 einen Vertrag unterschreiben. Dass mein Bub nur am Wochenende zu mir darf, erfuhr ich erst später. Die ersten Monate waren dank einer guten Pädagogin in Ordnung.“

Doch just diese fähige Fachkraft wurde schwanger. „Die Neue war frisch von der Uni. Es wurde immer schlimmer, Lukas meldete Drogen im Heim, nichts passierte.“ Ende 2017 wollte Lucia B. ihren Sohn rausnehmen, plötzlich kam ein Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Baden: „Gefahr im Verzug, ich war die Obsorge los“, erzählt die Mutter fassungslos.

385 Euro Taggeld

Die Ärztin sagt: „Lukas war ein lieber Bub, lernte gerne und viel, jetzt hat er einen Favoriten-Slang drauf und das wird als Therapieerfolg verkauft. Das Heim kassiert 385 Euro Taggeld für Lukas, so werden dort die Arbeitsplätze gleich mitfinanziert.“ Die Medizinerin will sich jetzt mit der renommierten Anwältin Astrid Wagner ihren Sohn zurückholen.

Laut BH Baden waren mehrere Stellen (Gericht und andere Kooperationspartner) zur Absicherung des Kindeswohles beteiligt. „Eine weitere Zusammenarbeit mit den Eltern ist im Interesse des Kindes wichtig“, so die Bezirkshauptfrau Verena Sonnleitner. "Wir ersuchen um Verständnis dafür, dass wir aus Gründen des Datenschutzes keine weiteren Details bekanntgeben", heißt es von der BH Baden.

Übrigens: Seit 27. März 2019 lebt Lukas jetzt im SOS-Kinderdorf, die Mutter hat nur noch die Vermögensobsorge (gemeinsam mit dem Kindesvater). "Die pflegliche Obsorge liegt bis auf weiteres bei der Behörde. Mein Ex-Mann wollte Lukas nie wirklich bei sich aufnehmen, jetzt womöglich schon. Das macht die Sache leider auch nicht einfacher", so die Medizinerin.

*Name des Kindes wurde geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doschauher am 17.05.2019 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Hab selbst Jahrelang gegen Fürsorge und Sozialpedagogen gekämpft. Das einzige das ihnen wichtig ist, ist ihre Machtausübung. Keinesfalls das Wohl des Kindes.

  • Ehklar am 17.05.2019 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Da macht sich die BH wieder mal wichtig, und ja, der Datenschutz... Wie ist das eigentlich mit dem Datenschutz? Der Geschützte kann ja wohl verlangen, dass dieser "Schutz" aufgehoben wird? Die Behörden sollen sich lieber um die Halb?Verbrecher in den Schulen kümmern. Ich denke, da geht's ums Geld und die Existenzberechtigung für diese Einrichtung

  • Vorstadtmama am 17.05.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Was lernen wir daraus?

    Wer Probleme mit seinen Kindern hat, soll sich von jedem helfen lassen (Freunde, Nachbarn, Familie, Internet usw.) nur nicht von staatlichen oder staatsnahen Organisationen. Die zerstören jede Familie.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • @Anna A. am 20.05.2019 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität der Behörden

    Es wäre wünschenswert wenn die Qualität der Behörden und Pädagogen hinterfragt werden würde um Situationen wie diese nicht entstehen zu lassen! Ich selber habe schon Erfahrung mit inkompetenten Behörden in einem ähnlichen Fall gemacht! Ich wünsche der hervorragenden Rechtsanwältin Frau Dr. Wagner, der Mama und dem Jungen das alles gut für sie ausgeht

  • Marlise S. am 20.05.2019 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sorgerecht

    Ein trauriger Fall! Ich hoffe Lucia B. kann mit Hilfe der tollen Rechtsanwältin Frau Dr. Wagner Lukas nach Hause holen und aus den Fängen der überforderten Behörden befreien

  • Beate B. am 20.05.2019 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Fürsorgerecht

    Liebe Frau Dr. Wagner, helfen sie der Medizinerin und ihrem Jungen gegen diese Beamtenwillkür mit fehlender Kompetenz. Wenn das wer zustande bringt sind Sie das.......

  • Jennifer Hochwarter am 20.05.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist dort nichts neues

    Mein Sohn war im Alter von 4 Jahren auf der kjpp hinterbrühl zur diagnostik mit 6 therapien pro Woche war mein Sohn sichtlich überfordert da die Ärzte nicht handeln wollten drohte ich mit der Ärztekammer 24 Stunden später stand das Jugendamt vor meiner Türe nahm meinen Sohn mit Anzeige durch die kjpp kindeswohlgefährdung! Mein Sohn kam ins heim 2 Wochen später keine therapien mehr weil das Kind war überfordert 4 Jahre harter Kampf am Gericht bis letztlich 2 Gutachten plus ein Aufenthalt von 14 Tagen zur Interaktionsdianostik alle samt bestätigten das Kind gehört zur Mutter es gäbe keinen Grund

  • Fachdiverser am 19.05.2019 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kakanien

    Das Wohl eines Kindes hat ausschließlich bei den Eltern zu liegen. Niemals bei einer Behörde. Ausnahme: Rechtsverletzung(en). Aber das haben wir den Roten zu verdanken, die sich den Slogan: "Der Staat macht alles für euch - ihr braucht euch um nichts mehr zu kümmern, außer beim Wählen", an die Fahnen geheftet haben. Das ist nicht grundsätzlich schlecht gedacht, aber nur, wenn der Staat Profis und Fachleute - möglichst unabhängig - beschäftigen würde. Die gibt aber nicht. (Fast) nur Sesselkleber und -furzer.