Estland, Tag 2 und 3

06. September 2018 13:45; Akt: 09.09.2018 17:23 Print

Fisch-Eis zum Abendessen und Sauna beim Meeting

von Armin Bach - Die Esten denken anders (nämlich digital) – das haben wir bei der Info-Reise von LH-Stv. Strugl und Landesrätin Haberlander (beide ÖVP) schon gelernt. Sie essen aber auch anders. Beispiel: Zum Abendessen gab’s Fisch-Eis. Ungewöhnlich.

Strugl und Haberlander beim Spielen mit Robotern. So lernen die Kids in Estland das Programmieren. (Bild: Peeter Hütt)

Strugl und Haberlander beim Spielen mit Robotern. So lernen die Kids in Estland das Programmieren. (Bild: Peeter Hütt)

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Das, was da am Teller liegt, schaut aus wie ein Magnum mit Mandelsplittern (dazu Salat und ein glibbriges Ei). Aber: Es schmeckt ganz anders. Etwas salzig – und nach Fisch. Eine Spezialität. Ein Eis aus gefrorener Fisch-Masse. Sagen wir mal so: Kann man essen, muss man aber nicht. Ich lasse es nach zwei kleinen Bissen liegen.


Das, was wie ein Magnum ausschaut, ist ein Fisch-Eis.

Strugl und Haberlander fanden’s hingegen interessant. Und haben auch alles aufgegessen. „Heute“ saß mit ihnen am Tisch – und redete mit ihnen über die Digitalisierungs-Offensive der Esten (Antworten, ob sie das auch für uns denkbar sehen, später).

Estland sieht sich nämlich als Vorbild dafür, was alles mit und durch Digitalisierung möglich ist. Und welche Vorteile man hat, wenn man „online“ lebt – und vieles mit dem Handy oder dem Laptop erledigen kann.

Digitalisierung beginnt in der Volksschule
Trotzdem begann der Mittwoch ohne „Online“: Wir bewegen uns in der Realität – und gehen zu Fuß zum ersten Termin. Dem Besuch der „Tallinner 21. Schule“, einer Volksschule, in der die Kinder (1.357 Schüler) schon mit Digitalisierung aufwachsen, „Programmieren“ zum Schulunterricht gehört (spielerisch mit programmierbaren Robotern aus Lego-Steinen). Dafür wurde die Schule mit einem der renommiertesten Preise in Estland ausgezeichnet.

Das frühe Heranführen an Digitalisierung ist nur ein weiterer Schritt in einer Entwicklung in Estland, die bereits vor Jahren begann. Möglichst vieles auf „Digital“ und „Online“ umzustellen. In Estland geht man nicht mehr zur Zulassungsbehörde, um sein Auto umzumelden, wenn man es verkauft oder gekauft hat. Man macht das online. Von daheim aus. Geht ganz einfach – und ist auch billiger (online kostet’s 48 Euro, persönlich 63 Euro). Und das neue Taferl kann man sich per Post liefern lassen.

Online geht’s schneller – und man muss nicht warten
Möglich ist das, weil die Esten eine „Digital ID“ haben, quasi einen Personalausweis, mit dem man sich in das Online-System der Behörden einloggen kann. Um dann nicht nur sein Auto anzumelden. Sondern um sich auch viele andere Behördengänge zu ersparen oder z.B. die Steuererklärung zu machen (Vorteil: man bekommt zu viel bezahltes Steuergeld innerhalb von zwei Tagen überwiesen; macht man es nicht online, dauert’s 3 bis 4 Monate).

Doch wie schaut’s mit der Sicherheit für die User aus? Schließlich handelt es sich ja um sensible Daten, die man online weitergibt. Und die dann auf irgendeinem Server gespeichert sind. Etwa auch Gesundheitsakten (welche Krankheiten man hatte, welche Blutgruppe man hat etc.). „Alles ist sicher“, so Thomas Schneider, Berater von Nortal (einem Unternehmen, das ein Drittel der sogenannten „E-Services“ in Estland geplant und umgesetzt hat) – ohne aber (natürlich) ins Detail zu gehen, warum.

Online ist sicher – da sind sich die Esten sicher
Von der Sicherheit ist nicht nur er, sondern davon seien auch die Esten überzeugt. Sie hätten – so Schneider – erkannt, dass die „Digitalisierung“ für sie von Vorteil sei. Dass es einfach bequemer ist, wenn man nicht aufs Amt muss, in einer Schlange stehen muss, warten muss. Sondern per Mausklick Sachen erledigen kann.

Doch gibt er auch zu, dass die Esten „geködert“ wurden. Damit, dass sie etwa fürs Autoummelden weniger zahlen müssen, wenn man es online macht. Oder eben die Steuer schneller rückerstattet bekommen. Aber eines ist auch klar: Der Este macht sich dadurch für die Regierung zum gläsernen Menschen.

Strugl will E-Government vorantreiben
Wäre das auch was für uns? E-Government, E-Health (das sind im Digitalzeitalter die Fachbegriffe dafür, dass Behördengänge online erledigt werden können oder etwa Krankendaten online ausgetauscht werden können)? „Ja“, sagen Michael Strugl und Christine Haberlander beim gemeinsamen Abendessen (bei dem es eben das Fisch-Eis gab). Für Strugl ist es auf jeden Fall wichtig, das Thema E-Government voranzutreiben. Und Haberlander setzt als Gesundheitslandesrätin auf E-Health.

Meeting-Raum mit eigener Sauna
Donnerstag ging’s dann zur Technischen Universität von Tallinn. Dort steht schon, was bei uns in Linz an der JKU erst noch gebaut wird: das Open Innovation Center. Ausbildung, Forschung, Weiterentwicklung (um damit Geld zu machen) – unter einem Dach. So stellt die Uni in Tallinn etwa ausgewählten Start-ups Räume zur Verfügung, um ihre Ideen umzusetzen. Es gibt kreativ eingerichtete Räume, um kreativ sein zu können. Hingucker: ein Meeting-Raum mit angeschlossener Sauna und Kaltwasser-Becken. Es riecht nach Holz und Chlor.

Hier die Fotos zur Sauna:
Meeting-Raum mit Sauna

Erkenntnis: Estland ist anders.

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