Zu Mörderin in Pflege gegeben

12. März 2019 15:51; Akt: 12.03.2019 16:01 Print

Missbrauchsopfer verklagt Steiermark auf 600.000 €

Walfried J. wurde als Kind 15 Jahre lang von seiner Pflegemutter schwerst misshandelt. Jetzt klagt er das Land Steiermark auf 600.000 Euro Schmerzensgeld.

Walfried J. zieht jetzt vor Gericht. (Bild: Helmut Graf)

Walfried J. zieht jetzt vor Gericht. (Bild: Helmut Graf)

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"Dieses Monster hat mich 15 Jahre lang gefoltert. Ich wurde als Kind etwa in einen dunklen Raum gesperrt, ans Bett gefesselt und blutig geschlagen. Alle meine Milchzähne hat sie mir mit einer rostigen Beißzange gezogen – bis heute leide ich unter den Folgen", erinnert sich Walfried J. an die schreckliche Zeit bei seiner steirischen Pflegemutter – "Heute.at" berichtete.

Seine Kindheitserlebnisse in den 1960er- und 1970er-Jahren verfolgen ihn immer noch. Nach all den Jahren kämpft er immer noch um juristische Gerechtigkeit. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien kündigte Walfried J. an, Klage gegen das Land Steiermark einreichen zu wollen. Er verlangt 600.000 Euro Schmerzensgeld. Sein Vorwurf: Die Jugendfürsorge der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz hätte ihn wissentlich als Baby in die Obhut einer verurteilten Kindsmörderin gegeben.

Es gehe ihm nun schlechter als zuvor, schildert J., der nach seinem Martyrium mit 19 Jahren selbst zum Mörder wurde. Schwer getroffen habe ihn ein Bescheid des Landes, der ihm in drei Zeilen mitgeteilt habe, dass seine Ansprüche verjährt seien. "Das ist so unpersönlich, damit habe ich mich nicht zurechtgefunden", wird der mittlerweile 53-Jährige zitiert.

Seine Rechtsanwältin Julia Kolda will nun dagegen vorgehen: Ein vorliegendes psychiatrisches Gutachten würde nicht nur die Höhe des Schmerzensgeldes begründen, sondern hätte auch die Geschäftsunfähigkeit ihres Mandanten festgestellt. Wegen dieser "Hemmung" sei die Amtshaftung auch nicht verjährt, argumentiert die Juristin.

Die Frist hätte zudem erst 2016 zu laufen begonnen, weil Walfreid J. erst in diesem Jahr durch Einsicht in seinen 269 Seiten starken Akt davon erfuhr, dass die tödliche Vorgeschichte seiner Pflegemutter den Behörden von Anfang an bekannt gewesen sein muss. "Mir ist beim Lesen das Herz stehen geblieben. Ich hab’ gezittert, geflucht und geweint", schildert der Steirer in einem Interview mit dem "Kurier".

Bislang hat das Land Steiermark Walfried J. 25.000 Euro zugestanden, allerdings erst nachdem dieser die Causa öffentlich gemacht hatte. Mittlerweile sollen laut dem Bericht belastende Passagen aus seiner Akte verschwunden oder geschwärzt worden sein. Durch wen und wann das geschah ist unklar. Ende 2017 wurde der Akt in dieser Fassung von der Bezirkshauptmannschaft an die eigens eingerichtete Clearingstelle weitergegeben.

Dass man heute noch weiß, was darin zu lesen war, ist J.s Geistesgegenwart zu verdanken. Er hatte die betreffenden Stellen bei seiner Einsichtnahme abfotografiert. Nicht nur deshalb ist Anwältin Kolda positiv, dass die Klage Erfolg haben wird – obwohl es so einen Fall in Österreich bisher noch nicht gegeben hat.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrRay am 18.10.2018 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das grauen Pur

    Das hört sich ja sehr heftig an, kaum zu glauben fast, aber wenn dem wirklich so war, sehe ich hier auch eine ganz klare Verfehlung der Ämter welches sicherlich auch bestraft gehört. Das dann noch ein Familienvater aus ihm wird rechne ich ihm gross an und da er auch scheinbar nicht dumm ist, glaube ich sogar das es ein guter Familienvater ist, nachdem er eine solche Tortour aus seiner Kindheit verarbeitet hat.

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  • Fragender Peter am 18.10.2018 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist da unten los?

    Jeder Steirer, den ich kenne und über den ich lese, hat in seiner Kindheit schlimmes erlebt oder ist selbst so, bzw. will dich über den Tisch ziehen....

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  • Tanja Drazdil am 18.10.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Verrückt

    Und die zuständigen gleich wegen Amtsmissbrauch anzeigen lassen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Peter Bringer am 19.10.2018 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Entschädigung

    Es wäre an der Zeit, dass der Mann dafür entschädigt wird. Das Land Steiermark sollte Haltung zeigen!

    • Laura am 12.03.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      Entschädigung?

      Und wer entschädigt das Opfer welches er ermordet hat??? Trotzdem, man kann einer Mörderin kein Kind geben.

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  • Tanja Drazdil am 18.10.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Verrückt

    Und die zuständigen gleich wegen Amtsmissbrauch anzeigen lassen.

  • Fragender Peter am 18.10.2018 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist da unten los?

    Jeder Steirer, den ich kenne und über den ich lese, hat in seiner Kindheit schlimmes erlebt oder ist selbst so, bzw. will dich über den Tisch ziehen....

    • Lisa am 12.03.2019 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo?!?!

      Sag geht's noch? Ich kann eher das Gegenteil bestätigen! Das selbe denkt man sich über Wiener auch... !! Nur bin ich extrem glücklich darüber endlich aus Wien raus und in der Stmk zu sein!!!

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  • rea am 18.10.2018 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also

    Dieser Spenden Aufruf ist ja mal wieder der "WITZ" des Tages.

    • koarllustig am 18.10.2018 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Traurig....

      Also ich hör niemand lachen, außer Sie vielleicht und das ist gelinde gesagt, entbehrlich !

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  • MrRay am 18.10.2018 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das grauen Pur

    Das hört sich ja sehr heftig an, kaum zu glauben fast, aber wenn dem wirklich so war, sehe ich hier auch eine ganz klare Verfehlung der Ämter welches sicherlich auch bestraft gehört. Das dann noch ein Familienvater aus ihm wird rechne ich ihm gross an und da er auch scheinbar nicht dumm ist, glaube ich sogar das es ein guter Familienvater ist, nachdem er eine solche Tortour aus seiner Kindheit verarbeitet hat.

    • Skorpion am 12.03.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      Rechnen sie ihm auch groß an,

      dass er mit 19 selbst zum Mörder wurde? Sind da auch irgend welche Ämter schuld??? Denken sie noch einmal darüber nach.

    • lili am 21.03.2019 08:19 Report Diesen Beitrag melden

      zu hart

      Das ist mit ziemlicher Sicherheit zum einen der frühesten Kindheit bei den leiblichen Verwandten und zum anderen dem Erleben von massiver Gewalt bei den Pflegeeltern zuzurechnen. Keine Entschuldigung - aber eine Erklärung. Und man hätte es vielleicht verhindern können wenn man ihn beschützt hätte. Genau so wie es bei Kindern sein sollte

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