OGH-Urteil über Erbschaftsstreit

30. Juli 2018 15:11; Akt: 30.07.2018 15:11 Print

Tausende Testamente könnten ungültig sein

Ein Erbschaftsstreit unter zwei Frauen aus Vorarlberg könnte Auswirkungen auf Tausende Österreicher haben.

Das Testament wurde letztendlich ungültig erklärt. (Bild: picturedesk.com/APA)

Das Testament wurde letztendlich ungültig erklärt. (Bild: picturedesk.com/APA)

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Das Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH) in einem Erbschaftsstreit könnte für viele Österreicher weitreichende Folgen haben. Weil Testamentszeugen nicht auf der Urkunde unterschrieben hatten, wurde das Testament für ungültig erklärt.

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Der konkrete Anlassfall trug sich laut einem "orf.at"-Bericht in Vorarlberg zu. Der einzigen Tochter und Alleinerbin einer Frau wurde das Erbe sozusagen "weggeschnappt". Wenige Tage vor dem Tod der sterbenskranken Frau war eine Unbekannte plötzlich samt Anwalt und vorgefertigtem Testament in das Krankenhaus spaziert und ließ das Schreiben dort von der Frau im Totenbett unterzeichnen. Außerdem haben zwei Sekretärinnen des Anwalts und eine Krankenschwester als Zeugen unterschrieben, um den letzten Willen wasserdicht zu machen.

Die Tochter zog daraufhin vor Gericht. Dort blitzte sie allerdings in erster und zweiter Instanz ab. Das Testament wurde für gültig erklärt. Schließlich landete der Fall beim OGH, der gegenteilig entschied. Der Grund dafür sind aber nicht etwa die widrigen Umstände, unter denen die Erblasserin das Testament unterschrieben hatte, sondern formale Gründe. So hatten die Zeugen nicht auf der Urkunde selbst, sondern auf einem extra Blatt unterzeichnet. Das dürfe nicht sein, wenn die Formvorschriften erfüllt sein sollen.

Richtunsgweisendes Urteil?

Laut dem Rechtsanwalt der Tochter könnte dieser Entschluss weitreichende Folgen haben. Seiner Einschätzung nach seien österreichweit Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Testamente auf diese Weise abgeschlossen worden und deshalb ungültig.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ulrike am 30.07.2018 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Manche Notare sind skrupellos

    Fast identer Fall in Wien: Eine Familienangehörige lag sterbenskrank im Spital. Plötzlich tauchten aus dem Ausland zwei Personen auf, die mit Unterstützung eines Notars und zwei Zeugen (Krankenschwester und Pfarrer!) ein Testament ausstellten, um den Erben zuvor zu kommen. Das Schlimme: Durch die Finger schauten mittellose Kinder, die den Gerichtskommissär über das eigenartige Prozedere informierten, der es aber nicht notwendig erachtete, das Vorgehen dem Gericht anzuzeigen. Offenbar kratzt die eine Krähe der anderen kein Auge aus.

  • fuhrinat am 30.07.2018 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Letzter Wille

    Das ist doch eine neue Kriminelle Masche

    einklappen einklappen
  • Joseph am 30.07.2018 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Oida??? Wie kann eine offensichtliche Abzocke (es gilt die Unschuldsvermutung) (2 Sekräterinnen vom Anwalt ?!?!?!; 1 unbeteiligte Krankenschwester; die vlt. noch nichtmal wußte; was da abgeht) überhaupt in erster/Zweiter Instanz für Rechtens erklärt werden??? Damit ist Betruf (Eine ins Spital; irgendwen unterschreiben lassen) Tür&Tor geöffnet. Ich hoffe, da wird nachgeforscht; zuviele Juristen haben schon dazuverdient (selber abgezockt worden)

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Ehklar am 31.07.2018 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Vielleicht sollte man auf der Uni ein eigenes Fach schaffen wie "Testamentschwindel leicht gemacht." Dann hätten die allerwertesten Herrn Anwälte weniger Zores. Dieser hat wenigstens wirkliche Zeugen mitgenommen, anders als Dr. U..!

  • Alex am 31.07.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    dem Notar in diesem Fall

    gehört die "Lizenz" entzogen. So etwas ist eine bodenlose Frechheit. Einfach nur die blanke Geldgier. Am besten den Notar dann auch noch enteignen.

  • S.Oliver am 31.07.2018 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal viel Wind um Nichts!

    Was ist da denn neu? Es war doch immer schon so, dass auf einem nicht persönlich handgeschriebenem Testament, Zeugen direkt auf dem Testament (neben der Unterschrift des Erblassers) und nicht auf einem separatem Blatt Papier unterschreiben mußten/sollten! Das hätte der Anwalt doch wissen müssen. Präzedenzfall ist das keiner und selbst wenn, hebelt das andere Testamente noch lange nicht aus und macht sie rückwirkend ungültig.

  • Joseph am 30.07.2018 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Oida??? Wie kann eine offensichtliche Abzocke (es gilt die Unschuldsvermutung) (2 Sekräterinnen vom Anwalt ?!?!?!; 1 unbeteiligte Krankenschwester; die vlt. noch nichtmal wußte; was da abgeht) überhaupt in erster/Zweiter Instanz für Rechtens erklärt werden??? Damit ist Betruf (Eine ins Spital; irgendwen unterschreiben lassen) Tür&Tor geöffnet. Ich hoffe, da wird nachgeforscht; zuviele Juristen haben schon dazuverdient (selber abgezockt worden)

  • fuhrinat am 30.07.2018 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Letzter Wille

    Das ist doch eine neue Kriminelle Masche

    • Martin am 30.07.2018 22:21 Report Diesen Beitrag melden

      Kriminelle gibts überall

      Eigentlich nicht, die Methode nennt man Erbschleicher.

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