Schuldirektor über Probleme:

19. September 2018 14:59; Akt: 19.09.2018 15:32 Print

"Zwangsheirat gibt es –mitten in Wien"

von Gerda Mackerle - Die ÖVP Wien stellte ein Acht-Punkte-Programm gegen Radikalisierung an Schulen vor. NMS-Direktor Christian Klar berichtete aus seinem Alltag.

ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch, ÖVP-Bildungssprecherin Sabine Schwarz und NMS-Direktor Christian Klar (Bild: Helmut Graf)

ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch, ÖVP-Bildungssprecherin Sabine Schwarz und NMS-Direktor Christian Klar (Bild: Helmut Graf)

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"Wir haben zum zweiten Mal, seit ich Direktor bin, den Verdacht auf eine Zwangsheirat an unserer Schule", berichtet Schuldirektor Christian Klar, der an einer NMS in Floridsdorf arbeitet. Und: "Das gibt es – mitten in Wien." Bei einer 14-jährigen tschetschenischen Schülerin überlege man gerade, "wie wir helfen können". Und: Vor zwei Jahren sei ein 14-jähriges syrisches Mädchen von einem Urlaub "nicht mehr zurückgekommen. Sie hat dann Hochzeitsfotos an ihre Deutschlehrerin geschickt, wir haben nie wieder etwas von ihr gehört." Die ÖVP Wien lud Klar zu einer Pressekonferenz, bei der die Stadt-Türkisen ein Acht-Punkte-Programm "gegen Radikalisierung und Islamisierung in der Schule" vorstellten.

NMS-Direktor Klar: "Jede Ethnie kämpft gegen die andere Ethnie"

Dem Buch von Lehrerin Susanne Wiesinger, das den Anstoß für die jetzige Schul-Debatte gab, "kann ich vollinhaltlich zustimmen – so ist es, so passiert es", sagt Klar. Nur: "Den Islam als einzige Ursache zu sehen, ist zu einfach." Es gehe um "Auslegungen und um ethnische Konflikte." Und: "Jede Ethnie kämpft gegen die andere Ethnie", so Klar. Klar schildert weitere Beispiele aus seinem Schulalltag.

Bei einem Fußballspiel habe der Direktor versucht, einen serbischen Spieler - der nicht auftauchte - zu erreichen. Vergeblich, denn: "Es gab keinen zweiten serbischen Spieler, die anderen hatten seine Nummer nicht."

"Es ist wichtig, Rassismus von Neonazis zu verhindern – aber auch anderer Rassismus ist nicht erlaubt", hält Klar fest. Und: "Gegen jede Art von Rassismus aufzutreten, ist die Aufgabe von Lehrern und Direktoren." Eine weitere Anekdote: Bei einem Projekt über Europa waren an der NMS auch österreichische Fahnen aufgehängt. "Diese wurden von migrantischen Kindern heruntergerissen oder mit Hakenkreuzen bemalt. Das geht einfach nicht in der Heimat, in der man lebt."

"Vertreten unserer Grundwerte führt zu Problemen"

Ein weiterer Vorfall: Ein offen lesbisches Mädchen sei "von einem türkischen Buben gemobbt worden. Er hat gesagt: 'In anderen Ländern wirst du dafür umgebracht.'" Der Direktor reagierte: "Ich habe dem Buben gesagt, dass das bei uns nicht geht, dann musst in ein anderes Land ziehen." Daraufhin habe Klar Probleme mit den Jugendzentren bekommen. "Das Vertreten unserer Grundwerte führt zu Problemen."

Und: Das Verweigern des Handschlags gebe es auch vice versa, so manche Mutter schüttelte Klar nicht die Hand: "Ich bekam eine Entschuldigung, aber keinen Handschlag."

Mädchen ohne Kopftuch werden gemobbt

In Klars NMS haben rund 80 bis 90 Prozent der Schüler Migrationshintergrund, ein Drittel bis die Hälfte sind muslimisch. Erschreckend ist auch das: "Es ist so: Mädchen mit Kopftuch sind für muslimische Burschen tabu, wenn ein Mädchen kein Kopftuch trägt, kann sie gemobbt werden." Für ihn als Direktor ist fix: "Ich trage die Konflikte konsequent aus."

Klar sei er im Grätzel schon "als Rassist" beschimpft worden. "Ich habe gesagt, dass ich nicht ,Tschetschenen nicht mag' – sondern kein Leiberl mit Maschinenpistole", so Klar. Und: "Wenn ein Bursch mit Tarn-Kleidung in die Schule kommt, muss er sich umziehen gehen." Einfach, weil das in der NMS nicht erwünscht ist.

Große Hoffnungen setzt Klar in den Runden Tisch des Stadtschulrats. "Wichtig ist, dass Haltung ausgestrahlt wird", wünscht sich Klar. Und: "Wir brauchen Unterstützungspersonal – wie Sozialarbeiter. Ich hätte am liebsten jeden Tag einen Sozialarbeiter da."

Die ÖVP stellte im Anschluss ihr Acht-Punkte-Programm vor. Die "rot-grüne Realitätsverweigerung hat wie schon so oft zugeschlagen", konstatiert ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch. ÖVP-Bildungssprecherin Sabine Schwarz kündigte an, dass sie das Acht-Punkte-Programm im nächsten Gemeinderat als Antrag einbringen wird.

Acht-Punkte-Programm

Die Forderungen: Mehr Unterstützungspersonal, eine Rechtsschulung für Mädchen und Buben – getrennt voneinander, ein Mindestniveau von C1 bei den Deutschkenntnissen der Lehrkräfte. Außerdem müsse man "die Eltern ins Boot holen", so Schwarz. "Es muss verpflichtende Eltern-Gespräche in den Schulen geben – und Sanktionen bei Verstößen – bis hin zum "Einfrieren der Familienbeihilfe". Außerdem fordert die ÖVP "Elternbildung" und ein "Bekenntnis zur Werte-Ordnung. Die Eltern müssen bei der Schul-Einschreibung ein Bekenntnis zur Verfassung und zu unseren Grundwerten ablegen", fordert Schwarz. Für den Islam-Unterricht fordert die ÖVP zusätzliches Kontroll-Personal. Und: "Junge Mädchen dürfen oft nicht am Schwimmunterricht teilnehmen. Wir erwarten, dass das als Teil des Unterrichts betrachtet wird", so Schwarz. Soll heißen: Nimmt ein Mädchen nicht teil und holt das Schwimmen auch nicht nach – "gibt es eine negative Beurteilung im Turnen", so Schwarz.

Für 70 zusätzliche Sozialarbeiter seien "und 3 Millionen Euro" nötig, rechnet die ÖVP vor. Dass laut Stadt 300 Stellen in den Schulen von der türkis-blauen Bundesregierung gekürzt wurden, sieht die ÖVP anders. Das sei ein "befristetes Budget" gewesen, "das ist klare Landessache", so Schwarz.

Neos: "Bildung abseits ideologischer Grabenkämpfe"

Die Neos plädieren dafür, "Bildung endlich abseits ideologischer Grabenkämpfe zu diskutieren. "Dass die Wiener ÖVP jetzt die Schuld an der Bildungsmisere allein der Stadt Wien zuschreibt, ist typisch!", kritisiert der designierte Klubobmann von NEOS Wien, Christoph Wiederkehr. "Die ÖVP stellt den Bildungsminister und nimmt sehenden Auges Kürzungen in Kauf, die gerade Wien treffen! Das ist ein zynisches Spiel – während die rot-grüne Stadtregierung alles auf den Bund schiebt und die Hände in den Schoß legt, befeuert Schwarz-Blau mit ihren Kürzungen etwa im Integrationsbereich die Probleme und zeigt genüsslich mit dem Finger auf Wien", so Wiederkehr, der meint: "Das Thema ist viel zu wichtig für ideologische Grabenkämpfe."

SPÖ: "300 Unterstützungspersonen weniger"

Man werde sich "die heutigen Vorschläge der Wiener ÖVP zum Thema Integration an Wiener Schulen gerne anschauen: Einiges davon ist bereits im Laufen und in Umsetzung – auch im Rahmen des überparteilichen Runden Tisches zur Gewalt an Schulen", so SPÖ-Bildungssprecher Heinz Vettermann. Doch: "Insgesamt könnte aber gerade die Wiener ÖVP eine wichtige Aufgabe übernehmen – nämlich den eigenen Bildungsminister davon zu überzeugen, dass Wiener Schulen und auch Schulen in anderen Ballungsräumen mehr Mittel für Integrationsarbeit brauchen. Minister Faßmann hat erst letzte Woche in der Pressestunde davon gesprochen, dass es nach der Flüchtlingsbewegung 2015 nun 'keinen Bedarf' mehr für Integration an Schulen gibt", so Vettermann. Die SPÖ fordere schon lang die Rücknahme der Streichung des "Integrationstopfs".

"Wir waren im Juni damit konfrontiert, dass entgegen anders lautender Beteuerung seitens des Ministeriums alle SprachlehrerInnen, Integrationspersonal und interkulturelle Teams aus diesem Topf ersatzlos gestrichen wurden. Insgesamt haben wir dank ÖVP-FPÖ-Bundesregierung nun 300 Unterstützungspersonen weniger in den Wiener Schulen für unsere Wiener Kinder zur Verfügung!", so Vettermann.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver am 19.09.2018 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, wirklich?

    Ich hätte jetzt niemals gedacht das diese Leute ihre Kultur und Denkweise nicht abgelegt haben, jetzt wo sie in Österreich leben. Aber manche brauchen halt besonders lang, um dann plötzlich zu merken, dass sie auf einmal als Österreicher in der Minderheit sind

  • Southpaw am 19.09.2018 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    In der Schule...

    ...meiner Stieftochter, haben manche Mädchen sie auch gefragt, ob sie ihr während des Ramadans etwas zu essen holen kann, damit die anderen nicht sehen, dass sie isst. Dann war einmal eine Feier. Da sollten wir etwas mitbringen. Ich habe Inzersdorfer Aufstriche gekauft. Meine Tochter hat gesagt, dass das Schweinefleisch ist und die das dort nicht essen. Ich habe dann noch ein Fleischschmalz mit eingepackt. Bei der Feier hat man das dann nicht verwendet hat sie mir erzählt. Das ging vermutlich direkt in den Müll. Jetzt ist sie in einer Privatschule.

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  • Heimatland am 19.09.2018 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wovor sind die geflohen?

    "14jähriges syrisches Mädchen aus dem Urlaub nicht mehr zurückgekehrt... Hochzeitsfotos geschickt": da sieht man die ganze Groteske der Flüchtlingswelle, wenn sie auf Urlaub (nach Hause?) fahren um eine Minderjährige zu verheiraten.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • McSpider am 20.09.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Wenn sie in Österreich leben wollen, sollen sie unsere Kultur respektieren. Wir wollen keinen Gottesstaat. Sie sollten lieber in Muslimenländer einwandern, hier Istrien Platz für sie. Keine Zuwanderu g von noch mehr Religion, wir denken lieber selbständig !

  • Lehrkraft am 20.09.2018 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule für islamische Eltern

    Jetzt ist schon alles zu spät. Es hätte schon vor Jahrzehnten gegen diese Religionsmethoden vorgegangen gehört. Niemand hat sich mit diesem Problem auseinandergesetzt. Man müsste diese islamischen Eltern zu Vorträgen verdonnern und ihnen unsere Kultur vermitteln.

    • Witchcraft am 21.09.2018 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrkraft

      Du brauchst ihnen nur die Sozialleistungen streichen und sie nach Hause schicken. Dann sind keinerlei Zwangsmaßnahmen nötig und Ressourcen spart man auch maximal.

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  • Johannes Gruber am 20.09.2018 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Danke SPÖ und Grüne !

    Dafür dass ihr unsere Hauptstadt in die Knie zwingt !!

  • Dodo2340 am 20.09.2018 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequentes Vorgehen durch die Schulen und Behörd

    Kein Import ethnischer Probleme/Konflikte!! Wer auffällig wird, muss mit seiner Familie abgeschoben werden. Die Schulen müssen entsprechende Regelungen in einer "Hausordnung" oder einem Vertrag zwischen den Eltern, dem Schüler u der Schule samt entsprechenden Sanktionen festlegen. Darin soll auch - solange nicht gesetzlich verboten - auch ein Kopftuchverbot sowie andere Bekleidungsvorschriften enthalten sein. Bei Nichtteilnahme an bestimmten Unterrichtseinheiten, zB dem Schwimmunterricht, sind lt SchUG jetzt schon Konsequenzen vorgesehen. Es ist skandalös, dass dies bisher nicht passiert ist

    • e.e. am 20.09.2018 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Dodo2340

      Lösungsvorschläge gibt es genug, handeln ist gefordert

    • Gikosch am 20.09.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dodo2340

      Welche Sanktionen sollen das sein?

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  • Klaus am 20.09.2018 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Austreiben

    Jetzt fährt die ÖVP voll auf FPÖ Linie. Gut, lieber spät als gar nicht. Die Frauen, Mädchen der Moslems gehören viel mehr geschützt. Müssen genauso Deutsch Kurse besuchen, gehören geschützt vor Genital Verstümmelung und Zwangsehen. Sollte sich der "Patriarch" Moslem nicht anpassen können muss ein Gesetz her, dass auch Personen die länger da sind trotz Aufenthaltsrecht auszuweisen. Die Kinder (Mädchen) müssen Turnen, Schwimmen usw. gehen dürfen. So kann es gegen unsere Kultur nicht weitergehen. Können es ja in ihren Ländern machen.