Ali Ü. droht lebenslang

12. April 2018 11:40; Akt: 12.04.2018 12:46 Print

Kasernen-Schütze muss wegen Mordes vor Gericht

von Clemens Oistric - Wie "Heute" erfuhr, liegt nach dem Todesschusses in der Wiener Albrechtskaserne die Anklage vor: Diese geht von Mord, nicht von einem Unfall, aus.

Ali Ü. sitzt nach Todesschuss derzeit in der Wiener Josefstadt in U-Haft (Bild: Helmut Graf)

Ali Ü. sitzt nach Todesschuss derzeit in der Wiener Josefstadt in U-Haft (Bild: Helmut Graf)

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Ali Ü. (22) sprach immer von einem fürchterlichen Unfall – beim seit Monaten penibel nachforschenden Staatsanwalt kam er mit dieser Version allerdings nicht durch: Wie "Heute" erfuhr, hat die Justiz Anklage eingebracht. Und diese sorgt für einen Knalleffekt in dem verworrenen Krimi: Sie geht nämlich von Mord aus.

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Mithäftling lieferte brisante Info

Ein Einbrecher, der Bundesheer-Todesschütze Ali Ü. (22) im Gefängnis kennenlernte, könnte den verworrenen Kasernen-Krimi letztlich aufgeklärt haben. Als Hausarbeiter hatte er in der Justizanstalt Wien-Josefstadt Kontakt zu Ali Ü. Dieser schüttete ihm dann angeblich sein Herz aus. Der Mithäftling haderte lange damit, ob er die vertraulichen Informationen weitererzählen könne. Er entschied sich letztlich dafür, "da mir die Familie des Opfers nicht aus dem Kopf ging. Nur die Wahrheit befreit", so der entscheidende Zeuge.

Drama wegen "Fettsack"-Sager?

Also schrieb er einen Brief an den Staatsanwalt und wurde danach mehrmals einvernommen. Laut dem iranischen Einbrecher soll ihm Ali Ü. im Häf’n eröffnet haben, dass sein autoritärer Vater ihn gezwungen hatte, zum Heer zu gehen, „um ein Mann zu werden“. Auch mit Ismail M. (20), den er angeblich nur erschoss, weil er mit dem Gewehr in der Hand gestolpert war, dürfte das Verhältnis angespannt gewesen sein: „Er erzählte mir, dass Ismail ihn gehänselt hat. Er nannte ihn auf türkisch „sisko“, also Fettsack“, so der ehemalige Mitgefangene. Über den Tathergang soll Ali Ü. gesagt haben: „Ich habe abgedrückt, weil ich neben mir gestanden bin. Es war eine Kurzschlusshandlung.“

"Öfter mit Gewehr gespielt"

Auch laut anderen Heereskameraden soll Ali Ü. zuvor schon öfter „mit dem Gewehr hantiert, es repetiert und durch das Zielfernrohr geblickt“ haben. „Lebensfremd und unplausibel“, sei die Unfallvariante, die der Schütze auftischte, meinte das Oberlandesgericht – und verhängte über den zwischenzeitlich freigelassenen Ali Ü. im März wieder in Untersuchungshaft. Nachvollziehbar hingegen: „Eine Kurzschlusshandlung aus gekränkter Ehre oder Überreiztheit“.

Prozesstermin noch nicht fix

Die beim Landesgericht für Strafsachen eingebrachte Anklageschrift ist noch nicht rechtskräftig. Der Rechtsbeistand des Verdächtigen hat 14 Tage Zeit, dagegen Einspruch zu erheben. Erst danach beginnt das Gericht mit der Vorbereitung eines Geschworenenprozesses, für den folglich noch kein Termin feststeht.
Sollte Ali Ü. wegen Mordes verurteilt werden, droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe. Für Ali Ü. gilt die Unschuldsvermutung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Knurr am 12.04.2018 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wagner

    Bin schon gespannt wie lange es dauert bis die Wagner sich um den Fall reisst...

  • Mia am 12.04.2018 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich

    war es ein Mord. Ging wer vielleicht von etwas anderem aus ?

  • Rob am 12.04.2018 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich

    Na hoffentlich wird wenigstens bei diesem Fall mal Recht gesprochen und nicht wieder Richter Freifuß weil der Angeklagte den Ausländerbonus hat.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Der_liebe_Augustin am 13.04.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    war selbst lange beim österr. heer

    und habe als waffenmeister mit sämtlichen schusswaffen zu tun gehabt (ausgenommen panzer). habe in meiner 25 jährigen laufbahn noch nie eine durch sturz hervorgerufene selbstladung eines stg77 mitbekommen. dazu müsste man das gewehr sehr heftig mit dem kolben gerade auf den boden stossen und kann im zuge eines sturzes niemals passiert sein. .dass man dann auch noch den sicherungsbügel umlegen muss sollte jedem noch so halbwegs intelligenten anwalt genauer eklärt werden. würde das gerne tun.

  • Knut Randauch am 12.04.2018 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kenne das

    StG 77 nicht so genau. Aber beim StG 58 löste sich kein Schuß "einfach so", auch nicht, wenn man stolpert oder die Waffe zu Boden fällt. Aber wenn einer die schußbereite Waffe mit dem Finger am Abzug dem Kameraden genau ins Gesicht hält . . . wir waren nicht dabei.

  • afasef am 12.04.2018 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Waffen+manche Personen= gute Idee?

    Ich finde es generell unverantwortlich gewissen Personen mehr als ein Buttermesser in die Hand zu drücken. Man muss sich nur ein paar Videos im Internet anschauen, für Polizisten, Zöllner etc. gibt es eine lange Ausbildung und beim Militär sagt man: " Hier hast du eine Waffe, probier Mal aus was du damit machen kannst."

  • werwolf53 am 12.04.2018 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    iwoasned

    Kein Beweis, daher Freispruch . Da könnte sich der Steuerzahler einiges ersparen . Die Rechtsanwälte wirds freuen.

  • Mike DeAngelo am 12.04.2018 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Unfall my ass

    Absolut unmöglich das es sich um einen Unfall handelt. Man muss die Waffe entsichern, durchlaufen (repitieren) und dann den Abzug drücken... wie soll das Alles "Zufällig" passiert sein?