Essverbot in Öffis

02. Dezember 2018 11:23; Akt: 02.12.2018 12:13 Print

Bisher nur 61 Ess-Sünder in Wiener U6 erwischt

Die Fahrgäste nehmen das Essverbot in der U6 sehr gut an, freuen sich die Wiener Linien. Seit Inkrafttreten der Verordnung am 1.9. wurden 61 Esser ermahnt.

Ab 15. Jänner 2019 darf auf keiner U-Bahn-Linie mehr gegessen werden. (Bild: picturedesk.com)

Ab 15. Jänner 2019 darf auf keiner U-Bahn-Linie mehr gegessen werden. (Bild: picturedesk.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Was in anderen Städten der Welt längst Alltag ist, gibt es in Wien seit genau drei Monaten: das Essverbot in den Öffis. Drei Monate nachdem das Essverbot in der U6 in Kraft getreten ist, ziehen die Wiener Linien nun eine erste Bilanz.

Umfrage
Sind Sie für eine Ausweitung des Essverbots auf alle Öffi-Linien?

Seit dem 1. September mussten von den Sicherheits- und Servicemitarbeitern der Wiener Linien nur 61 Fahrgäste darauf hingewiesen werden, dass das Essen in den Zügen der U6 verboten ist – "bei 250.000 Fahrgästen täglich auf der U6 ein verschwindend kleiner Anteil", freuen sich die Wiener Linien über die "braven" Passagiere.

"Zuversichtlich, dass auch Ausweitung gut angenommen wird"

"Sehr viel positives Feedback, kaum essende Fahrgäste und saubere U-Bahn-Züge: das Essverbot und die breite Info-Offensive haben gewirkt. Das macht uns zuversichtlich, dass auch die Ausweitung auf die anderen U-Bahn-Linien ab 15. Jänner gut angenommen wird. Denn es geht um Rücksichtnahme und das Miteinander in den Öffis", zeigt sich Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) überzeugt.

An Strafen für "Ess-Sünder" sei derzeit aber nicht gedacht, da sich die Fahrgäste an die Spielregeln halten und sich der Großteil bislang auch, bei Aufforderung durch die Mitarbeiter der Wiener Linien, sofort einsichtig zeige. "Wer will schon den Geruch einer Leberkässemmel in der überfüllten U-Bahn oder mit Nudeln oder Ketchup verschmutzte Sitze", so Sima, die sich bei den Fahrgästen für ihre Mithilfe bedankt.

Die Stadträtin versprach, dass die Mitarbeiter der Wiener Linien bei der Kontrolle des Essverbots stets mit Fingerspitzengefühl vorgehen und niemals einem Kleinkind ein Kipferl oder einen Apfel wegnehme werden.

Über 1.000 Rückmeldungen beim Kundenservice

Seit Juli 2018 wandten sich über 1.000 Fahrgäste per Mail, telefonisch oder persönlich an den Kundendienst der Wiener Linien. Der überwiegende Großteil seien positive Rückmeldungen oder Fragen zum Essverbot gewesen. Die Wiener Linien gaben Antworten auf Fragen wie "Welche Speisen sind nicht mehr erlaubt?", "Auf welchen Linien gibt es das Essverbot?" oder "Sind Kinder oder DiabetikerInnen ausgenommen?". Im November gab es nur mehr vereinzelt Anfragen zum Thema Essverbot.

Essverbot sorgt für saubere U-Bahn-Züge

Auch in punkto Sauberkeit lasse sich ein deutlicher Unterschied erkennen. Der Müll in den Waggons sei spürbar weniger geworden. Die Reinigungskräfte müssten weniger Essensreste auf Sitzen oder Böden einsammeln, auch seien weniger liegengelassene Verpackungen zu beobachten, was zu einer Reduktion der Reinigungskosten führe.

"Im letzten Jahr hat die Reinigung der U6-Züge 470.000 Euro gekostet, im ganzen U-Bahn-Netz sind es über zwei Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt sammeln sich in den Zügen und in den Stationen jedes Jahr 54 Millionen Liter Müll an. Wir stellen durch das Essverbot eine deutliche Reduktion des anfallenden Mülls fest. Jeder Euro, der beim Reinigen eingespart wird, kann in modernere Züge oder Stationen investiert werden und kommt letzten Endes den Fahrgästen zugute", betont Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl.

Online-Voting: Zweidrittel für Essverbot

Die Öffi-Fahrgäste haben im Sommer in einer Online-Umfrage eindeutig für das Essverbot abgestimmt, über 50.000 Menschen haben im August die Möglichkeit genutzt, mitzubestimmen. Mehr als zwei Drittel haben sich für ein Essverbot auf allen U-Bahnlinien ausgesprochen.

Umfassendes Maßnahmenpaket auf der U6

Das Essverbot war Teil eines umfassenden U6-Maßnahmenpakets, das viele Verbesserungen für die Fahrgäste brachte. Neben Klima-Nachrüstung, Sonnenschutzfolien und Lüftungskiemen in den heißen Monaten, wurden außerdem Bodenmarkierungen auf den Bahnsteigen für schnelleres Ein- und Aussteigen angebracht, Stationen und Fahrzeuge modernisiert, sowie die Sauberkeitsmaßnahmen intensiviert.

Alle Infos zum U6-Maßnahmenpaket finden Sie hier.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(lok)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • myopinion am 02.12.2018 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Essverbot U6 ist Erfolg

    Die Kiemen in den nicht klimatisierten U6 Waggon's, helfen genauso nicht wie die Folie. Vielmehr würde ich mir wieder komfortablere Sitze mit Polsterung und eine echte Klimaanlagen Nachrüstung wünschen. Die Bodenmarkierungen interessieren auch kaum jemanden. Es wird einfach weiter gedrängelt, geschubst und rein gesprungen, obwohl der Zug abgefertigt ist. Ich würde mir auch mehr Kontrolle wünschen, was Kinderwagen und Fahrräder betrifft. Die stellen sich manchmal zu fünft in den Einstiegsbereich, dass keiner mehr vorbei kann oder ein-/aussteigen. Essen mitnehmen, ist übrigens weiterhin erlaubt

    einklappen einklappen
  • 1964 am 02.12.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    "Nur 61"..

    ..früher, als wir noch nicht dem Weltherrschaftsdiktat unterlagen, waren solch gesellschaftichen Verhaltensregeln normal und jedem Bürger inhärent. Wohin steuern wir?

  • besorgter Wiener am 02.12.2018 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    61 Esser "ermahnt"

    allein auf einer einzigen Linie der U6, ohne das auch künftig mit Strafen zu rechnen sein muss, wird weder das, noch andere bekannte Probleme lösen ! Somit bleiben auch der Praterstern und andere Brennpunkte, was sie sind. Gefährliche Hotspots, welche es vor wenigen Jahren noch, so noch nicht gab !

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Censorship am 03.12.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wo kein Kläger, da kein Richter...

    Und wie viele hundert Esser werden nicht "abgemahnt", da kein Personal in der Nähe ist? Ich durfte heute wieder gefälschtes Red Bull neben mir im Bus erleben, in der Früh... Zwar eine andere Marke, stinkt aber nicht minder...

  • Reinheitsgebot von 1516 am 02.12.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Reinlichkeit kommt vor Gottesfurcht

    "Nur" 61? Sind 61 zu viel. Ich tät Geldstrafen verhängen. Das Wegputzen der Zwiebelreste und Sauce mit allem und scharf von den Gammeldönern ist ja auch nicht gratis. Oder die Kontrollore sollten den Sündern gleich an Reibfetzen und Besen in die Hand drücken. Do it yourself

  • 1964 am 02.12.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    "Nur 61"..

    ..früher, als wir noch nicht dem Weltherrschaftsdiktat unterlagen, waren solch gesellschaftichen Verhaltensregeln normal und jedem Bürger inhärent. Wohin steuern wir?

  • zachaeus am 02.12.2018 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Beißkorbpflicht

    Wie wär's mit einer Beißkorbpflicht für WiederholungstäterInnen?

  • Wien 22 am 02.12.2018 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Rotes Gummirückgrat

    Anstatt saftiger Strafen, damit sich die "Ess-Sünder" das Verbot zu Herzen nehmen, wird in roter Manier wieder nur darauf hingewiesen und ein Sesselkreis veranstaltet. Im Schulbereich genau das selbe.