20 Angeklagte in 1 Saal

28. Januar 2019 12:15; Akt: 28.01.2019 14:19 Print

Drogen-Firma zahlte Gärtnern 3.000 € Gehalt

Der Hasch-Clan war organisiert wie ein Vorzeigebetrieb, zahlte saftige Gehälter und bot sogar eine Karriereleiter an. Seit heute Vormittag läuft ein Mega-Prozess.

Die 20 Angeklagten auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz am Wiener

Die 20 Angeklagten auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz am Wiener "Landl". (Bild: Denise Auer)

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Geht eng zu, seit heute Vormittag im Wiener Landesgericht. Dort, wo sonst Grasser und Co. im Telekom-Prozess schwitzen, wird nun einem krassen Drogen-Clan der Prozess gemacht. 20 Angeklagte (eine hat sich krankgemeldet) und ihre Anwälte drängen sich an vorerst neun Verhandlungstagen in den Großen Schwurgerichtssaal.

Hunderte Kilo Hasch in elf Häusern

Den Damen und Herren wird vorgeworfen, seit 2016 in zumindest elf Häusern in Wien und Niederösterreich Hunderte Kilo Cannabis angebaut und anschließend verkauft zu haben. Laut Anklage florierte das Unternehmen – und war höchst professionell geführt.

Massive Umbauarbeiten

An den einzelnen Standorte in Wien, Trumau, Gänserndorf, Angern/March und Gerasdorf wurden – unter falschen Namen und mit gefälschten Papieren – Häuser angemietet und Gärtner angestellt. Ihnen zahlte die "Drogen-Firma" ein fürstliches Fixgehalt von 3.000 Euro im Monat aus. Für das fürstliche Salär sollten sie für hohen Ertrag sorgen. Dafür wurde teilweise sogar massive Umbauarbeiten in Kauf genommen. Etwa Wände aufgestemmt, Stromleitungen neu verlegt oder Stiegen niedergerissen – um mehr Platz für Plantagen zu schaffen. Die Ernte übernahmen „Helfer“, die unterste Ebene der kriminellen Verbindung. Bewährte man sich allerdings, war auch ein Aufstieg zum Kontrolleur möglich.

"Hatte Angst um mich und meine Familie – aber ich konnte nicht mehr zurück."

Den Verkauf des Stoffs übernahm schließlich die Führungsriege. Zehn Verdächtige verweigerten – teils aus Todesangst vor den Bossen – bisher die Aussage, sechs bestritten die Vorwürfe vehement und fünf gestanden bereits alles. "Ich habe Angst vor diesen Menschen. Ich habe sowohl Angst um mich als auch um meine Familie. Als ich gesehen habe, was ich arbeiten musste, wollte ich mich gar nicht mehr darauf einlassen. Ich konnte aber nicht mehr zurück", so ein Angeklagter.

Namenskärtchen, synchrones Klicken, Fixplätze

Der Einzug der Angeklagten war heute eindrucksvoll. Alle 20 (!) Personen wurden von einem Justizwachebeamten (oder einer -beamtin) begleitet und zu jenem Tisch geführt, an dem sonst Grasser, Meischberger & Co. sitzen. Zeitgleich klickten dann 20 Handschellen – für die Dauer des Prozesses wurden sie den Verdächtigen abgenommen. Jedes Mitglied des "Hasch-Clan" kam übrigens in das Privileg eines Namenskärtchens – auch das eint sie mit den Telekom-Angeklagten. Jeweils hinter ihren Schützlingen haben die Anwälte ihren fix zugewiesenen Platz. Die Wiener A-Riege (Philipp Wolm, Christian Werner, Astrid Wagner) verteidigt.

"Tausende Seiten Papier wurden hier produziert, exakt zehn Zentimeter davon sind wesentlich!"

Das mit Abstand eindrucksvollste Eröffnungsplädoyer hielt im Wiener "Landl" heute Vormittag Top-Jurist Philipp Wolm. "Bis auf das eindrucksvolle Ambiente des ehrwürdigen Großen Schwurgerichtssaals ist das hier ein 08-15-Akt, wie wir ihn hier im Haus beinahe jede Woche verhandeln", so Wolm. "Das Bundeskriminalamt hat eifrig ermittelt und Tausende Seiten Papier produziert. Ich habe den ganzen Akt in den letzten Wochen durchgearbeitet. Exakt zehn Zentimeter darin sind wesentlich, der Rest dient nur dazu, unsere Klienten als so kriminell wie möglich hinzustellen." Wolm, der in der akribischen Prozessvorbereitung sogar bei Wissenschaftern an der Boku recherchiert hat, zog auch massiv in Zweifel, dass pro Pflanze 30 bis 40 Gramm Cannabis gewonnen werde könne. "Bei Indoorplantagen sind eher 15 bis 20 wahrscheinlich, also knapp die Hälfte der angeklagten Menge", so Wolm.

Bis zu 10 Jahre Haft blühen

Was letztlich übrig bleiben wird, werden die kommenden acht Verhandlungstage zeigen. Den Mitgliedern des Hasch-Clans drohen am Ende jeweils bis zu zehn Jahre Haft, ein Bandenkopf ist noch auf der Flucht und wird in Serbien vermutet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Underdog am 29.01.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gewissenlos

    Wenn A. Wagner mit dabei ist, darf man davon ausgehen, dass ihr Schützling tatsächlich was ausgfressn hat. Sie wird ja unter dem ausländsichen Klientel hoch gehandelt und schmeisst sich nur dort ins Zeug, wo es auch was zu holen gibt - sprich, wo ihr Zutun fürstlich abgegolten wird. Als Anwalt darf man kein Gewissen und keine Skrupel haben.

    einklappen einklappen
  • Frosch am 28.01.2019 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    an den Anwalt

    Was soll diese Aussage lieber Anwalt? Warum soll nicht ausführlich auf die kriminelle Vorgeschichte der Angeklagten hingewiesen werden? In den tausenden Seiten stehen nur die Delikte die nachgewiesen werden können. Und was macht das aus wieviel ertrag die Pflanze abwirft? Bei einem Mord ist doch auch egal ob das Opfer beim ersten Stich gestorben ist oder erst beim zweiten. Mord bleibt Mord. Und hier bleibt es ein illegales Geschäft. Bin mir sicher, dass die auch keine Sozialabgaben an die SV gezahlt haben. Daher einsperren und das vorhandene Vermögen einziehen und uns allen zukommen lassen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • A. Underdog am 29.01.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gewissenlos

    Wenn A. Wagner mit dabei ist, darf man davon ausgehen, dass ihr Schützling tatsächlich was ausgfressn hat. Sie wird ja unter dem ausländsichen Klientel hoch gehandelt und schmeisst sich nur dort ins Zeug, wo es auch was zu holen gibt - sprich, wo ihr Zutun fürstlich abgegolten wird. Als Anwalt darf man kein Gewissen und keine Skrupel haben.

    • manfred am 31.01.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      Bewerbung Neu !

      Besser in der Privatwirtschaft als beim AMS ihrer Kurse wie Bewerbe ich mich als Ziegen- Hirte oder als Gärtner in der Wüste ?

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  • Frosch am 28.01.2019 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    an den Anwalt

    Was soll diese Aussage lieber Anwalt? Warum soll nicht ausführlich auf die kriminelle Vorgeschichte der Angeklagten hingewiesen werden? In den tausenden Seiten stehen nur die Delikte die nachgewiesen werden können. Und was macht das aus wieviel ertrag die Pflanze abwirft? Bei einem Mord ist doch auch egal ob das Opfer beim ersten Stich gestorben ist oder erst beim zweiten. Mord bleibt Mord. Und hier bleibt es ein illegales Geschäft. Bin mir sicher, dass die auch keine Sozialabgaben an die SV gezahlt haben. Daher einsperren und das vorhandene Vermögen einziehen und uns allen zukommen lassen.