Internationales Netzwerk augehoben

30. März 2018 15:54; Akt: 30.03.2018 15:57 Print

Jahrelang Tausende Deutsch-Diplome gefälscht

Ein international agierendes Netzwerk verkaufte mehrere Jahre fingierte Deutsch-Diplome: Die Käufer, oftmals kaum der Sprache mächtig, wollten sich so eine Aufenthaltsgenehmigung erschleichen.

Lange Zeit merkte niemand, dass sich bei den fragwürdigen Sprachinstituten um großangelegten Betrug handelte.  (Bild: iStock)

Lange Zeit merkte niemand, dass sich bei den fragwürdigen Sprachinstituten um großangelegten Betrug handelte. (Bild: iStock)

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Bis zu 2.700 Euro mussten die Käufer für ein Sprach-Zertifikat zahlen, dass ihnen Deutsch-Kenntnisse auf Matura-Niveau attestieren sollte. Doch bei näherer Betrachtung kommt ein Großteil der Diplom-Besitzer nicht über das Volksschulwissen hinaus, so die Erkenntnisse aus den langjährigen Ermittlungen der Abteilung für Fremdenpolizei (AFA). 8.000 Anzeigen wurden erstattet, 3.000 Abnehmer wurden laut APA auch ausfindig gemacht.

International tätig und ertragreich

Zu den mutmaßlichen Tätern war neben nicht-lizenzierten Sprachinstituten eine ganze Reihe von zwielichtigen Prüfern, ein Rechtsanwalt und ein professioneller Zeugnisfälscher. Sie agierten überwiegend im Osten Österreichs, Deutschland und Bosnien. 25 Haupttäter sind mittlerweile ausgeforscht. Insgesamt erfolgten 33 Festnahmen, einige Täter wurden bereits verurteilt.

Nur um ein Beispiel zu nennen: Eine Frau betrieb nahe Wien eine Sprachschule – obwohl sie keine Genehmigung für eine Sprachschule vorweisen konnte. Nach mehreren Jahren erzielte die mittlerweile in U-Haft Sitzende Einnahmen von über 300.000 Euro.

Zahlen um bleiben zu dürfen

Im Fachjargon nennt sich der Verkauf von Sprach-Zertifikaten "kleine Schlepperei": Eine Dienstleistung, die nicht den Grenzübertritt zusichert, aber den Verbleib in einem Land. Etwa jede zweite der 8.000 Anzeigen ist ein Fall von "Kleiner Schlepperei". Da die meisten Abnehmer im Zuge des Erhalts dieses Diploms auch dazu berechtigt waren Sozialleistungen zu beziehen, stehen sie selbst wegen Sozialhilfebetrug vor Gericht. Ein Großteil der Abnehmer soll aus Ex-Jugoslawien und Albanien stammen.

Mangelnde Kontrollen

Die Qualität der Urkunden variierten von billigen Kopien bis zu fast perfekten Nachahmungen. Laut APA sollen manche Kopien so gut geworden sein, dass sie besser als die Originale waren. Der Grund, wieso diese illegale Geschäftspraktik trotz dieser Größendimensionen lange unerkannt blieb, soll laut Ermittlern an mangelnden Kontrollen durch die zuständigen Behörden gelegen haben.

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(bai)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susanne am 30.03.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Kontrolle?

    Jeder, der sich auf diese Weise ein Aufenthaltsrecht ergaunert hat, sollte abgeschoben werden! Einerseits ist es kriminell, andereseits zeigt es deutlich dass Integration von diesen Leuten offenbar nicht gewünscht ist.

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  • Noah Wort am 30.03.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fällt ja nicht auf..

    wenn man eine Sprache nicht kennt... Unglaublicher Unfug

  • Michaela am 30.03.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diplome gefälscht

    Bei uns in Österreich ist alles erlaubt und geht alles rein ohne RICHTIGE Kontrolle.Nur mehr Lug u betrug bei uns Tagtäglich!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • krass am 31.03.2018 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    unsere lieben Nachbarn

    Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Bürger, mit denen Hr. Strache und die FPÖ sehr gut harmonieren und sie ja bald zur EU bringen möchte!

  • man will es nicht hören! am 31.03.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    arbeitende Bevölkerung weiß das!

    Ich frage mich ernsthaft wie man mit einem Deutschdiplom eine Aufenthaltsgenehmigung und Sozialleistungen bekommt! Noch dazu ohne Visum. Warum dauert es Jahre bis man hinter illegale Einwanderung kommt! Für mich ist das nichts Neues. Meine Arbeitskollegen aus Serbien und Bosnien erzählten ganz offen wie sie das machen. Das ging von Medikamentenbeschaffung bis zu Arztbehandlungen in Ö. und dies in regelmässigen Abständen. Er sagte, es sei ein wichtiger Nebenverdienst. Als Ö. glaubt mir aber niemand wenn ich das erzähle!

    • Lionhunter am 31.03.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      ... man will es nicht wissen.

      Es ist leider die alte Geschichte. Würde man die Berichte auch offiziell "glauben" wäre Bedarf zu handeln. Das hat die letzte Regierung und die linke Fraktion in unserem Land immer vermieden. Sozialbetrug hat schon lange Tradition und gilt wie als Kavaliersdelikt. Aber wenn die "Erschleichungen" von Leistungen immer mehr zunehmen ist Handeln gefragt. Von diesen Leuten wird finanziell nichts mehr zu holen sein, es gilt nun zu vermeiden, dass sie der Gesellschaft weitere Kosten bereiten.

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  • Patrizia am 31.03.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hinein gefallen

    Das sind die hoch qualifizierten Fachkräfte die man nach Österreich geholt hat.

  • Patriot5611 am 31.03.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Gauner & Gauner

    Die Fälscher sind Gauner aber auch die Käufer der gefälschten Diplome sind Gauner. Soviel zur Ehrlichkeit der "Schatzsuchenden"...

  • Lionhunter am 31.03.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Alles neu prüfen ...

    Wer ein gefälschtes Diplom vorgelegt hat - dessen Aufenthaltstitel sollte entzogen werden. Betrug darf kein Instrument in einer Demokratie sein.