Horrende Mietpreise

25. Februar 2019 08:33; Akt: 25.02.2019 10:20 Print

Wiener Innenstadt wird für Gastronomen unleistbar

Das frühere Café Griensteidl wird ein "Billa". Trotz zahlreicher Interessenten fand sich niemand für eine Übernahme des Traditions-Kaffeehauses. Grund dafür sind horrende Mieten.

Das ehemalige Café Griensteidl wurde unter neuem Namen als Café Klimt wieder eröffnet. Im März 2019 sperrt auch dieses zu. (Bild: picturedesk.com)

Das ehemalige Café Griensteidl wurde unter neuem Namen als Café Klimt wieder eröffnet. Im März 2019 sperrt auch dieses zu. (Bild: picturedesk.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das ehemalige Café Griensteidl am Michaelerplatz wird in den kommenden Monaten zur Supermarkt-Filiale umgebaut – eine Entwicklung, die vielen Liebhabern der Wiener Kaffeehaus-Kultur gar nicht schmeckt.

Umfrage
Café Griensteidl wird zu Billa: Wie finden Sie das?
83 %
6 %
11 %
Insgesamt 602 Teilnehmer

Eine Frage steht wie ein rosa Elefant im Raum: Warum wird es nicht als Café unter neuem Besitzer fortgeführt? Einen prominenten Interessenten hätte es sogar gegeben – doch machten ihm die horrenden Mietpreise einen Strich durch die Rechnung.

"Der Platz ist großartig. Wunderschön für ein Kaffeehaus", sagt der bekannte Wiener Cafetier Berndt Querfeld im Interview mit dem "Kurier". Allerdings auch für den Inhaber mehrerer Lokale an Top-Standorten, wie etwa das Café Landtmann, viel zu teuer.

Die Übernahme durch Querfeld sei an den "Mietvorstellungen des Eigentümers" gescheitert. Bei einer angenommenen Miete von 150.000 Euro im Monat – eine Summe die sogar unter der verlangten Miethöhe liegen soll – müsste er im Schnitt mindestens 12.500 Tassen Kaffee à 4 Euro am Tag verkaufen, um auch nur ansatzweise in Richtung schwarzer Zahlen zu rutschen, rechnet er vor. "Das ist für uns nicht darstellbar", so Querfeld.

Laut "Kurier" hätten sich auch internationale Gastroketten für den Standort interessiert, jedoch sich dagegen entschieden. Wohl aus ähnlichen Bedenken.

Leistbarkeit der Mieten erreicht

Für Stefan Krejci, Immobilienexperte bei Remax, ist das keine Überraschung: An den absoluten Spitzenplätzen in Wien liegen die Mieten für Handelsflächen bei rund 400 Euro pro Quadratmeter, exklusive der Betriebskosten. "Das geht sich für die Gastronomen nicht mehr aus, das ist klar", wird Krejci zitiert.

Die Bundeshauptstadt liegt damit deutlich über den restlichen Landeshauptstädten. Allerdings sind auch in Linz, Innsbruck und Graz die Handelsmieten in den guten Lagen tendenziell stärker gestiegen.

"Dies hat unter anderem dazu geführt, dass teilweise die wirtschaftliche Leistbarkeit der Mieten in den Top Lagen erreicht ist, und daher verschiedene Handelsunternehmen in gute Lagen in der Nähe ausweichen", informiert das Makler-Netzwerk in einer Aussendung.

Die Folge: Geschäftsflächen in Innenstädten sind nur noch für größere Konzerne leistbar, denen es mehr darum geht gesehen zu werden, als mit jeder Filiale gut zu verdienen. Klassische Familienbetriebe werden immer weiter Richtung Stadtrand gedrängt.

Die Bilder des Tages
Die Bilder des Tages

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(rcp)

Themen
Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lilly am 25.02.2019 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade unsere Cafes verschwinden aus Wien 

    Schade , wir verlieren unsere Kaffeehaus Kultur langsam! Warum kann man diese Kultur nicht beibehalten wie in andere Städte wie z.b in Paris?? Auf der Mariahilferstrasse war das wunderschöne Cafe Restaurant Servus dann kam dieser Gewandladen ! Der ist jetzt auch geschlossen und was kommt dann?????? Hoffentlich kein Supermarkt!

    einklappen einklappen
  • dschibi am 25.02.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wien, die Stadt der leeren Geschäfte

    Diese horrenden Mieten sind an vielen leeren Geschäftslokalen schuld. So wie im Wohnbereich sollte sich die Stadt auch da darum kümmen. Schnellstens!

  • Natiii am 25.02.2019 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verdienst

    Das Mieten teuer sind wundert mich gar nicht und kein Gastronom kann im Monat soviel verdienen. Zuhause ist der Kaffee billiger. Kein echter Wiener geht ins teure Cafe soviel verdient man ja auch nicht überall. Das ist eh alles nur für Touristen interessant aber selbst die sparen genauso.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Vorstadtmama am 01.03.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Billa sollte man dankbar sein..

    ..ohne ihn würde das Geschäftslokal ganz leer stehen und das sieht ganz und gar nicht schön aus. Ein Glück, dass der so viel Gewinn macht, dass er sich die Mieten leisten kann.

  • Jörg am 26.02.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechnet sich nicht

    Und dann kommen noch Kunden die sich beschweren dass das Glas Leitungswasser 50Cent kostet.

  • Olek am 26.02.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Die Städte sterben aus, wegen der Gier der Vermieter. Ist in jedem Land schon so.

  • Sapperlot am 26.02.2019 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klassenkampf

    mit solchen Preisen sperrt man Otto Normalverbraucher aus und schafft sich Freiraum für die High Society und zum Abzocken der Touristen. Wer nichts hat braucht ja nicht kommen, so düfte die Devise lauten.

    • Vorstadtmama am 01.03.2019 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      den Billa

      würde ich jetzt nicht als "Freiraum für die High Society und zum Abzocken der Touristen" bezeichnen.

    einklappen einklappen
  • Nachd Enker am 25.02.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wird da nicht

    wegen WUCHER gegen den Hauseigentümer ermittelt? Dankt Schüssel und ÖVP/FP für die Aufhebung der Mietobergrenzen...

    • Habakuk am 26.02.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Nachd Enker

      Alle Änderungen von Mietangelegenheiten der letzten Jahre wurden von der SPÖ mitgetragen (2/3 Mehrheit). So auch die Ausdünnung der wirklichen Genossenschaften. Heute sind ca. 98% der ehemaligen wirklich gemeinnützigen Genossenschaften sogenannte "Gemeinnützige Wohnbau Gesellschaften" - nur diese haben mit Gemeinnutzung nichts mehr zu tun. Sind nur noch Gem.... Danke SPÖ!!!!!!!

    • Nachd Enker am 26.02.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Herr Habakuk da irren sie

      sich. Unter Schüssel brauchte es keine 'Zustimmung' der SP. Reine Polemik und Verschleierungstaktik dieser 2 'Sozialen' Parteien..

    • Vorstadtmama am 01.03.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig Habakuk...

      Die leestehenden Geschäfte in allen Stadtteilen verdanken wir der Politik. Die Gastronomen und Geschäftsbesitzer werden nicht nur durch hohe Mieten sondern auch durch schikanöse Vorschriften (Registrierkassa, Rauchverbot usw.) zum Aufgeben gezwungen. Bei uns in der Vorstadt trägt auch das Parkpickerl zur "Wirtschaftsberuhigung" bei. Viele Wiener pendeln aus und es werden immer mehr...

    einklappen einklappen