Kriminalitätsrate gesunken

07. Juni 2018 20:03; Akt: 07.06.2018 20:03 Print

Wien ist viel sicherer, als die meisten denken

Eine neue Studie über "Öffentliche Sicherheit in Wien" zeigt, dass die meisten Kriminalfälle im Jahr 2003 vermerkt wurden. So wenig wie 2015 und 2016 gab es zuvor nicht.

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Das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) hat die Kriminalitätsrate von Wien unter die Lupe genommen und im Beobachtungszeitraum von 2002 bis 2016 festgestellt, dass die absolute Anzahl von Anzeigen in Wien trotz des steten Bevölkerungswachstums relativ konstant geblieben ist. Die wenigsten Anzeigen seit dem Jahr 2002 gab es in den Jahren 2015 und 2016 mit 195.000 bzw. 205.000, die meisten 2003 mit 258.000.

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Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die meisten Straftaten durch die Bevölkerung angezeigt werden, nicht etwa durch die Polizei. "Nur ein kleiner Teil der kriminalstatistisch erfassten Fälle geht auf proaktive Ermittlungstätigkeit der Polizei zurück (z.B. im Suchtmittelbereich) zurück", heißt es in dem Papier. Zudem wird deutlich, dass nur eine kleine Minderheit aller Anzeigen zu gerichtlichen Verurteilungen führt.

Mehr Kriminalfälle im Stadtzentrum

Ein weiterer Teil der Studie betrachtet auch die unterschiedliche Verteilung von Kriminalanzeigen im Stadtraum. Demnach wurden die meisten Kriminalfälle pro Tausend Einwohner in den Bezirken Innere Stadt (1.), Mariahilf (6.), Neubau (7.) und Josefstadt (8.) gemeldet, gefolgt von den Bezirken Leopoldstadt (2.) und Rudolfsheim-Fünfhaus (15.).

Die Konzentration der Straftaten auf die Bezirke dürfen dem Working Paper zufolge nicht als Ausdruck "gefährlicher Hot Spots" verstanden werden. "Meistens gehen sie auf Ebene der Bezirke mit attraktiven urbanen Anziehungspunkten einher, seien es kulturelle und gastronomische Angebote sowie Einkaufsmöglichkeiten (Diebstahl und Körperverletzung) oder gehobene Wohnviertel (Einbrücke). Zum Teil hängt die Verteilung der Anzeigen statistisch aber auch mit dem Vorkommen prekärer Lebensbedingungen zusammen (relative Bedeutung von Körperverletzungsanzeigen und Suchtgifthandel)."

Rückgang vorsätzlicher Tötungen

Hier zeige sich insgesamt eine abnehmende Tendenz: "Das Risiko, in Wien an einem Tötungsdelikt zu sterben, ist seit den 1970er, 80er und 90er Jahren deutlich gesunken. Rückschlüsse auf ein 'abnehmendes Gewaltniveau' wären dennoch spekulativ: Wahrscheinlich kommen in den sinkenden Homizidraten auch technische Fortschritte (Notfallmedizin, Hilferufe durch Mobiltelefone) zum Ausdruck", so die Erklärung.

Abgesehen davon beschäftigte sich die Studie zudem etwa auch mit den Stufen der Kriminalisierung nach Geschlecht und Nationalität, mit Opfer-Täter-Beziehungen, mit der justiziellen Bearbeitung der Anzeigen, sowie dem Zusammenhang von Kriminalität und sozialen Lebenslagen.

Kriminalität hängt oft mit sozialen Lagen zusammen

Hier wird betont, dass etwa der Anstieg von "ausländischen Tatverdächtigen" auf soziale Lebenslagen (etwa Merkmale wie Erwerbstätigkeit und Bildung) zurückzuführen sind. "In Bezug auf die Bevölkerungsteile, die durch die unterschiedlichen Nationalitätengruppen repräsentiert werden, stellen Arbeitslosigkeit und geringere formale Bildung deutliche Risikofaktoren dafür dar, wegen einer Straftat angezeigt zu werden."

2016 ist die Tatverdächtigenrate der ausländischen Wohnbevölkerung um den Faktor 2,6 angestiegen (77 gegenüber 30 Tatverdächtigen pro Tausend der Bevölkerungsgruppe). Diese Überrepräsentation liegt genau im Mittel der letzten fünfzehn Jahre, in denen sie sich zwischen den Werten 2,9 (2005) und 2,2
(2008) bewegt. "Die überproportionale bevölkerungsrelative Zahl an nicht-österreichischen Tatverdächtigen ist somit nichts Neues; sie hat sich in den letzten Jahren trotz Zuwanderung weder vergrößert noch verkleinert", heißt es. Auch Erklärungen hierfür liefert die 62 Seiten umfassende Studie, die Sie hier vollständig nachlesen können.

In der Bildstrecke oben gibt es zudem einen Auszug der Ergebnisse zum Durchklicken.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michele Fuchs am 07.06.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    Ich sag nur "Mehr als 700 Messerattacken in Österreich" ! ...also schwer zu glauben :-/

  • Sochal am 07.06.2018 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Sicher ist relativ. Vl gibt es etwas weniger von den kavalliersdelikten, aber alle 7 Tage ein Mord spricht eine andere Sprache.

  • Nima am 07.06.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar!!

    Da bin ich schon auf die Statistik 2018 gespannt!!!!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Mama Renate am 23.06.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Änderungen bez. Strafbarkeit:

    Um 2011 hat sich zB. einiges im Bereich der Strafbarkeit und Verfolgbarkeit bei Körperverletzungen geändert und daher sind die Daten vor dieser Zeit nicht vergleichbar. Wer weiß wie vieles heute nicht mehr als Straftat gilt ...

  • Österreich am 09.06.2018 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Österreich

    Natürlich wenn man Wien mit einer Stadt wie Rakka vergleicht dann ist es hier sicher. Nur frage ich mich dann in welchem Wien die letzten Monate Morde und Dutzende Anzeigen stattgefunden haben ?

  • Sucher am 08.06.2018 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opfer

    Das mit sicheren Wien muß man den Frauen und Männer erzählen die jeden Tag Opfer einer Gewalttat werden, dann empfinden sie die Schmerzen nicht so stark.

  • MElisabeth1964 am 08.06.2018 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Haha, dass war der Witz des Tages!

    Haha, dass war der Witz des Tages! Wenn alles veröffentlicht würde was am Tag geschehen ist, dann würde sich niemand mehr auf die Straße trauen. Die Dunkelziffer der Geschehnisse sind 1000 mal so hoch als die Veröffentlichungen.

    • Eins Elf am 09.06.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Dunkelziffer

      Wieso 1000 Mal? 10000 Mal mindestens!!!1!!

    einklappen einklappen
  • Mugl am 08.06.2018 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik

    Glaube nie einer Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast,:-) Von was träumen die nachts??