Streit um Heumarkt-Projekt

26. Juni 2018 17:05; Akt: 26.06.2018 17:07 Print

Wien darf (vorerst) UNESCO-Welterbe bleiben

Das Welterbekomitee hat beschlossen, dass das historische Zentrum Wiens vorerst weiter Welterbestatus behalten darf. Doch es sei zu früh für Jubel, warnen Kritiker.

Eine Visualisierung des geplanten Turms am Heumarkt. (Bild: WertInvest)

Eine Visualisierung des geplanten Turms am Heumarkt. (Bild: WertInvest)

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Die Wiener Innenstadt ("Historisches Zentrum von Wien") bleibt auf der Liste der Welterbestätten. So lautet die formale Entscheidung des Welterbekomitees, das derzeit in Bahrain tagt.

Das sei ein großer Erfolg für die österreichische Delegation, wie Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) und die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (SPÖ) am heutigen Dienstagnachmittag in verschiedenen Presseaussendungen voller Stolz verkündeten.

Bei der Welterbekomitee-Sitzung in Bahrain wurde der österreichischen Delegation erneut versichert, dass der 3-Stufen-Plan der Bundesregierung anerkannt und wohlwollend angenommen wird. Österreich hat bis April 2019 Zeit, die vorgeschlagenen Schritte umzusetzen.

Die vorgelegten Ergebnisse des Expertenworkshops bilden die Grundlage für das "Heritage Impact Assessment". Diese umfassende Studie und Analyse über das "Historische Zentrum von Wien" ist derzeit in Vorbereitung und wird voraussichtlich im Frühherbst vorliegen, informiert der Kulturminister. Sie bildet eine der Grundlagen für den dritten und letzten Schritt: die Begutachtung und Prüfung der Welterbestätte durch eine Advisory Mission.

"Ich gehe davon aus, dass sich die Stadt Wien auch weiterhin an den intensiven Abstimmungen mit den Gremien der UNESCO beteiligt, damit wir schlussendlich unser gemeinsames Ziel erreichen: Dass Wien Welterbe bleibt!", so Blümel abschließend. Ähnlich tönt Vassilakou: Man wolle diesen Weg "mit großem Engagement gemeinsam mit allen Beteiligten weitergehen".

Liste Pilz warnt vor verfrühtem Jubel

Etwas nüchterner sieht man die Ergebnisse stattdessen bei der Liste Pilz. Der heute bekanntgegebene Beschluss sei "kein Anlass zur Entwarnung oder gar Erleichterung".

"Bevor keine Bagger am Heumarkt auffahren, ist nichts verloren, die Rahmenbedingungen für eine mögliche Aberkennung bleiben aber dieselben", erklärt Kultursprecher und Klubobmann Wolfgang Zinggl: "Der geplante 66-Meter Luxuswohnturm wird Wien den Welterbestatus kosten, sobald er errichtet wird. Da helfen weder Gespräche, Workshops oder gar 3-Stufen-Pläne der Bundesregierung."

"Dass der Kulturminister nun über den Erhalt des Welterbestatus jubelt, ist zynisch und ändert vor allem gar nichts daran, dass er in Handlungsverzug ist", so Zinggl weiter und fordert, dass Blümel anstelle des Landes Wien Maßnahmen setzen solle, um die UNESCO Konvention einzuhalten.

"Wenn das nicht geschieht, wird Wien den Welterbestatus verlieren. Parallel dazu kann die Bundesregierung auch weiterhin den Flächenwidmungsplan in den Teilen, die gegen die Welterbe-Konvention verstoßen, vor dem Verfassungsgerichtshof anfechten. Warum dies nicht schon längst geschehen ist, bleibt ein Rätsel."

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HENRY2018 am 26.06.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vassilakuhs Desaster

    Auch wenn es weh tut, der Eislaufverein sollte in seiner Größe erhalten bleiben. Das Weltkulturerbe ist ein billiges Mittel um dies zu erreichen. Bettentürme gibts genug in Wien. Einer steht im 9. Bezirk

  • Dcel am 26.06.2018 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld von einer Hand zu anderen

    Ich hoffe dass hier die Pilz noch schafft herauszufinden wer wen geschmiert hat. Wenn ich diesen Entwurf präsentiert hätte, dann hätte ich keine Chance gehabt. Weil ohne Geld unterm Tisch würden die doch nie das Weltkulturerbe riskieren. Eine Frechheit das Ganze.

  • Free am 27.06.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hochhaus-Projekt am Heumarkt

    Homepage: ORF-Wiens Welterbe weiter auf Roter Liste. Außerdem laufen nach dem B-VG des StGB Strafverfahren. Die Frau Vize Maria Vassilalou ist nicht (SPÖ) - sondern die (Grünen). Die Heute Redaktion sollte genauer recherschieren!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Free am 27.06.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hochhaus-Projekt am Heumarkt

    Homepage: ORF-Wiens Welterbe weiter auf Roter Liste. Außerdem laufen nach dem B-VG des StGB Strafverfahren. Die Frau Vize Maria Vassilalou ist nicht (SPÖ) - sondern die (Grünen). Die Heute Redaktion sollte genauer recherschieren!

  • Guentta am 27.06.2018 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Keine freie Bahn für Spekulanten!

    Wegen des UNIQA-Towers, der Wienerberg-Hochhäuser oder der Großfeldsiedlung kommt kein Tourist nach Wien. Deswegen ist es wichtig, unser Stadtbild zu erhalten, ob mit oder ohne UNESCO.

  • Alex am 27.06.2018 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kulturminister muss handeln

    Wenn man weiss, dass vorallem Touristen aus dem asiatischen Bereich die Liste der UNESCO für Ihr Urlaubsziel heranziehen kann man davon ausgehen, dass viele ausbleiben wenn Wien nicht mehr auf der Liste zu finden ist. Eine bundesweite allgemeine Bauordnung (Bauhöhe, Fassade) ist dringenst zu beschliessen.

    • Magda Werner am 27.06.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

      Ah geh...

      Was wollens denn mit Ihrer bundesweit einheitlichen Bauordnung wenn es hier konkret um Wien geht? Die Asiaten kommen auch so, die stehen auf die Innenstadt und die übrigen Sehenswürdigkeiten.

    einklappen einklappen
  • Walther Pekaka am 27.06.2018 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Weltkulturerbe? Drahds eich

    Mal abgesehen davon, dass der Kasten schiarch ist... was bringts auf der depperten Liste zu stehen? Deswegen kommt wohl kaum ein Tourist, irgendwelche Eier reden Wien drein was passieren darf und was nicht, und wahrscheinlich kostets sogar was. Also, wozu?

  • Dcel am 26.06.2018 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld von einer Hand zu anderen

    Ich hoffe dass hier die Pilz noch schafft herauszufinden wer wen geschmiert hat. Wenn ich diesen Entwurf präsentiert hätte, dann hätte ich keine Chance gehabt. Weil ohne Geld unterm Tisch würden die doch nie das Weltkulturerbe riskieren. Eine Frechheit das Ganze.