Loredana-Clan

13. Mai 2019 07:50; Akt: 04.06.2019 20:39 Print

So viele Personen erhielten Geld vom Opfer

In den Fall Loredana sind noch weitere Familienmitglieder involviert. Etwa ein Bruder, der als "Escobar von Emmenbrücke" galt und Mozziks Bruder.

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Loredana erschien mit riesiger Sonnenbrille ("Schützt meine Identität -ey-") zur Pressekonferenz in einem Hotel in Kosovo am 10. Mai 2019. Sie sei hier, weil sie einen Video-Clip drehe, sagt Loredana zu Beginn des Medientermins. Dabei interessiert alle Anwesenden nur: ... Was sagt die Rapperin zu den schweren Betrugsvorwürfen, die das Schweizer Portal "20 Minuten" zwei Tage zuvor öffentlich gemacht hatte. Dazu erschien Loredana in Begleitung des kosovarischen Star-Anwalts Tome Gashi (r.) und ... ... des Luzerner Anwalts Artan Sadiku (l.). Neben Loredana saß Ehemann Mozzik. Er war "nur gekommen, um zu schauen, was geschieht." Die Rapperin weist alle Betrugsanschuldigungen von sich: "Ihr könnt hinter mir stehen oder auch nicht." Zwischenzeitlich stand Loredana auf und wirkt etwas wütend. Sie warf der Presse vor, sie habe sie nicht genug für ihr musikalisches Schaffen gewürdigt. Loredana geht davon aus, dass ihr Image keinen Schaden nehmen werde. Loredana gibt an, dass das Geld, das geflossen ist, weder mit Gewalt noch durch Betrug geflossen ist. Alles sei auf freiwilliger Basis gelaufen. Die Sache habe bereits 2016 angefangen. Da habe sie noch nicht gewusst, was läuft. Ein Teil ihrer Familie sei involviert gewesen. Loredana: "Wenn es um meine Familie geht, kenne ich nichts." Weiter gibt sie an, dass es ihr wichtig sei, zu sagen, was für sie die Wahrheit ist. Anwalt Gashi bestätigt, dass ein Bruder von Loredana zu Beginn involviert war. Die Situation sei nicht klar, so Anwalt Sadiku. Es sei nie die Absicht seiner Klientin gewesen, jemanden auszunehmen. Es sei ein ziviler Prozess.

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Petra Z., das Opfer im Fall Loredana, überwies nicht nur Geld an die Rapperin. Geld floss laut Informationen von 20 Minuten auch an zahlreiche Familienmitglieder. So zog ihr Bruder Berat*, der sich als "Antonio Cas" ausgab, Petra Z. mit einer Lügengeschichte 200'000 Franken in bar aus der Tasche. Aber auch Loredanas Mutter erhielt von der Walliserin 3.500 Franken.

Petra Z. überwies auch Loredanas Mutter Geld.

Der Bruder von Loredanas Ehemann und Rapper Mozzik, der ebenfalls ein erfolgreicher kosovarischer Künstler ist und 2016 die Spitze der albanischen Charts erreichte, erhielt am 13.12.2017 sogar 12'000 Franken von Petra Z. Das zeigen Zahlungsaufträge, die 20 Minuten vorliegen. Petra Z. wurde vorgegaukelt, die überwiesenen Beträge würden dafür eingesetzt, dass sie ihr ursprünglich geliehenes Geld wieder zurückbekomme.

Mozziks Bruder erhielt von Petra Z. 12'000 Franken.

Weiter bestellte eine Verwandte Loredanas am 2. August 2018 mit der Kreditkarte von Hans Z.*, dem Mann von Petra Z., im Internet Kosmetika in der Höhe von 60 Dollar.

Loredanas Verwandte bestellte sich mit Hans Z. Kreditkarte im Internet dieses Luxus-Puder für 60 Dollar.

Ein anderer Bruder namens Agon* hielt Petra Z. über Monate hin, indem er ihr in Dutzenden Whatsapp-Nachrichten versprach, dass sie bald ihr Geld zurückbekommen werde. Petra Z. hat gegen Agon eine Anzeige eingereicht.

Petra Z. hat auch Loredanas Bruder Faton* Geld überwiesen. Am 23.11.2017 erhielt er von ihr 6900 Franken. Das zeigt ein Bankauszug, der 20 Minuten vorliegt.

Warum hat Petra Z. diesen ihr unbekannten Personen Geld überwiesen? Loredana habe ihr gedroht, erklärt das Opfer. "Sie sagte: Wenn ich nicht zahle, sehe ich mein Geld nie wieder", so Petra Z.

Loredanas Bruder Faton erhielt von Petra Z. 6900 Franken.

Kaum war die Rapperin Loredana Zefi festgenommen worden, rief Faton Petra Z. am letzten Dienstagabend aus dem Kosovo an. "Er hat mir gesagt, ich sei schuld, dass die Polizei nun eine Frau, die ein kleines Kind hat, abgeführt habe und bei ihr zu Hause eine Razzia mache", sagt Petra Z..

Gegenüber 20 Minuten dementiert Faton, Petra Z. angerufen zu haben: "Ich kenne diese Frau gar nicht." Sie habe seinem Bruder Berat Geld gegeben, nicht ihm. Bei der Berichterstattung über Loredana handle es sich um "Räubergeschichten".

Der ausgeschaffte Faton rief Petra Z. laut deren Angaben gleich nach der Festnahme Loredanas aus dem Kosovo an. Er bestreitet das.

Faton wurde ausgeschafft

Wie 20 Minuten-Recherchen zeigen, wurde Faton aus der Schweiz ausgewiesen. Im Mai 2016 wies das Luzerner Kantonsgericht seinen Rekurs gegen den Landesverweis ab, da Faton immer wieder straffällig geworden sei. Seit dem Jahr 1999 wurde er nicht weniger als 73 Mal rechtskräftig verurteilt, auch wegen Diebstahls oder Hehlerei. "Dieser Umstand legt den Schluss nahe, dass der Beschwerdeführer weder gewillt noch fähig ist, die hiesige Rechtsordnung zu respektieren", heißt es in den Erwägungen des Gerichts. Aus dem Urteil geht aber hervor, dass Faton nie gewalttätig war oder Sozialhilfe bezogen hat.

"Faton galt als Escobar [ein kolumbianischer Drogenhändler, Anm. d. Red.] von Emmenbrücke", erzählt ein Bekannter, der in der gleichen Gemeinde lebte. Schon mit 15 oder 16 Jahren habe er begonnen, mit Marihuana zu dealen, später mit Kokain. So hat ihn denn auch das Luzerner Strafgericht im März 2015 zu einer teilbedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Er hatte zwischen Dezember 2011 und Dezember 2012 mit 300 Gramm Kokaingemisch und 30 Gramm Kokain gehandelt.

"Nichts ist größer als die Familie"

Auch Loredana selber ließ letzten Freitag vor den Medien durchblicken, dass mehrere ihrer Brüder in den Fall involviert seien. So sagte die Rapperin an der Pressekonferenz im Hotel Emerald im Kosovo, wo sie erstmals Stellung zu den Betrugsvorwürfen nahm: "Ich wurde so erzogen, dass nichts größer oder mächtiger ist als die Familie." Sie habe alles aufs Spiel gesetzt: ihren Ruf, ihre Musik, ihre Karriere. Sie werde das aber niemals bereuen. Sie habe sich für die Familie geopfert. Wenn es um ihre Familie gehe, sei ihr "alles andere egal".

"Ihre sieben Brüder haben sie immer beschützt"

Loredana hat insgesamt sieben Brüder und zwei Schwestern. Loredana sei im negativen Umfeld ihrer Brüder aufgewachsen, von denen einige immer wieder straffällig wurden, sagt ein Informant, der die Familie Zefi gut kennt. Die Brüder aber hätten Nesthäkchen Loredana immer beschützt und auch sehr verwöhnt: "Sie war immer wie eine Prinzessin gekleidet." Auch heute noch seien die Brüder nicht weit, wo Loredana sei.

Festzuhalten ist: Die erwähnten Familienmitglieder sind im aktuellen Strafverfahren gegen Loredana weder beschuldigt noch sonstwie beteiligt. Das Erhalten von Geldzahlungen allein ist nicht strafbar.

Alle Artikel zu den Betrugsvorwürfen gegen Loredana auf einen Blick >

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vota am 13.05.2019 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbare "Naivität"

    Ich frage mich nur wie Familie Z so lang überlebt hat auf diesem Planeten. Und wie sie dabei soviel Geld anhäufen konnten. Ich würde erstens NIEMANDEN den ich nicht kenne Geld borgen, schenken etc. Da kann seine Story noch so Herzzerreißend sein, sie würde mir schlichtweg am Allerwertesten vorbei gehen. Und wenn ich´s schon hergeb würd ich mich nicht zusätzlich von dieser oder einer anderen Person dann einschüchtern lassen damit ich mein Geld zurück bekomme... ICH wäre derjenige der einschüchtert!

  • Horst Holzer am 13.05.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bande

    Ich denke ein kluger Anwalt kann die Dame aus der Schweiz als unzurechnungsfähig hinstellen, sodass sie nie etwas unterschreiben hätte dürfen. Dann kriegt er sie raus. Sonst ist die womöglich noch Mitschuld.

  • Hans Ludwig am 13.05.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit siegt

    Sage ich immer. Die Walliserin hat fast eine Million Franken bezahlt um 89.000 Fr. wiederzubekommen. Da lachen die Hühner. Sorry, aber das muss einem ja alleine bei weiteren 10.000 Fr. auffallen dass das eine unendliche Geschichte wird.

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  • Horst Holzer am 13.05.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

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  • Hans Ludwig am 13.05.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

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    Sage ich immer. Die Walliserin hat fast eine Million Franken bezahlt um 89.000 Fr. wiederzubekommen. Da lachen die Hühner. Sorry, aber das muss einem ja alleine bei weiteren 10.000 Fr. auffallen dass das eine unendliche Geschichte wird.

  • Vota am 13.05.2019 08:16 Report Diesen Beitrag melden

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    Ich frage mich nur wie Familie Z so lang überlebt hat auf diesem Planeten. Und wie sie dabei soviel Geld anhäufen konnten. Ich würde erstens NIEMANDEN den ich nicht kenne Geld borgen, schenken etc. Da kann seine Story noch so Herzzerreißend sein, sie würde mir schlichtweg am Allerwertesten vorbei gehen. Und wenn ich´s schon hergeb würd ich mich nicht zusätzlich von dieser oder einer anderen Person dann einschüchtern lassen damit ich mein Geld zurück bekomme... ICH wäre derjenige der einschüchtert!