Neujahrsansprache

01. Januar 2019 17:00; Akt: 01.01.2019 20:56 Print

"Europa ist so elegant wie ein Pass von David Alaba"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen nutzte seine traditionelle Neujahrsansprache um dem fünfjährigen Matthias Europa näher zu bringen.

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Die Neujahrsansprache von Bundespräsident Alexander Van der Bellen fällt in diesem Jahr eher ungewöhnlich aus. Denn: In seiner Rede richtet der Bundespräsident viele Sätze direkt an ein Kind – den fünfjährigen Matthias. Dessen Mutter hatte den Präsidenten angesprochen, weil es „nicht so leicht ist, Europa zu erklären. Wie würden Sie das machen?“

Europas Eis schmeckt manchmal auch salzig

Und so macht es Van der Bellen: „Hm. Ich will es versuchen, lieber Matthias: Vielleicht bist du im Sommer mit deinen Eltern schon einmal zum Meer gefahren und hast am Strand ein Eis gegessen. So süß und bunt wie das Schoko-Vanille-Erdeereis, vielleicht ein bissl salzig vom Meer, so schmeckt Europa.“ Dann erinnert ihn Van der Bellen an ein Fußballmatch: „So kraftvoll wie ein Freistoß von Ronaldo oder so elegant wie ein Pass von David Alaba, das ist Europa.“

Anhaltender Frieden die größte Leistung der Union

Und er erzählt, dass es im Kindergarten „zwar manchmal Streit gibt, aber es geben sich alle die Mühe, wieder miteinander auszukommen.“ Gemeinsam mache „das Leben mehr Freude als alleine“, so Van der Bellen. Aber das sei nicht immer so gewesen. Matthias’ Uropa hätte wohl noch den Krieg erlebt. „Und das ist der wichtigste Grund für das Vereinte Europa von heute: Dass es nie wieder Krieg gibt. Dass der Friede bleibt.“

Hier die gesamte Rede im Wortlaut:

Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Start in dieses Neue Jahr 2019.

Es wird einige wichtige Dinge geben, über die wir heuer zu entscheiden haben. Allen voran die Wahl zum Europäischen Parlament im Mai.

Vor kurzem hat mich dazu eine Bürgerin angesprochen, und sie sagte: „Mein Sohn Matthias wird heuer fünf und lernt im Kindergarten gerade viel über verschiedene Fahnen, auch über die europäische. Ich merke,“ so sagte sie, „dass es gar nicht so leicht ist, ihm Europa zu erklären. Wie würden Sie das machen?“

Hm. Ich will es versuchen, lieber Matthias:
Vielleicht bist du im Sommer mit deinen Eltern schon einmal zum Meer gefahren und hast am Strand ein Eis gegessen. So süß und bunt wie das Schoko-Vanille-Erdbeereis, vielleicht ein bissl salzig vom Meer, so schmeckt Europa.

Oder vielleicht hast du mit Papa und Mama, oder nur mit dem Papa, schon einmal ein Fußballmatch angeschaut. So kraftvoll wie ein Freistoß von Ronaldo oder so elegant wie ein Pass von David Alaba, das ist Europa.

Ein bisschen so wie dein Kindergarten ist Europa auch. Wo nämlich viele verschiedene Kinder aus ganz verschiedenen Familien zusammenkommen und Freundschaften schließen, gemeinsam lernen, spielen und basteln.

Das Besondere daran, lieber Matthias, ist, dass es zwar manchmal Streit gibt, dass sich alle aber Mühe geben, miteinander auszukommen. Sie wissen nämlich, dass das Leben gemeinsam viel mehr Freude macht als alleine. Jeder hat Talente, verschiedene Talente und davon können alle anderen profitieren. So ist auch Europa.

Wir Erwachsenen sind auch alle Kinder aus verschiedenen Familien und haben uns entschlossen, dass das Leben gemeinsam mehr Freude macht als alleine. Du musst wissen, lieber Matthias, das war nicht immer so. Denn Dein Opa oder Uropa hat höchstwahrscheinlich noch den Krieg erlebt.

Krieg ist, wenn alle böse aufeinander sind und irgendwann niemand mehr weiß warum. Und sich die Menschen wirklich weh tun, weh bis sie tot sind. Ich hoffe du wirst das nie, nie, nie erleben müssen.

Und das ist der wichtigste Grund für das Vereinte Europa von heute: Dass es nie wieder Krieg gibt. Dass der Friede bleibt.

Dieses Europa hat aus seinen Fehlern gelernt und sich zusammengeschlossen, damit jeder einzelne von uns in Frieden leben kann. Das dürfen wir nie vergessen. Vor allem nicht wir Erwachsenen.

Wenn mancher fragt, „Was habe ich eigentlich von Europa“, dann muss ich ihm sagen: DAS HIER. Unser friedliches Zusammenleben.

Das Vereinte Europa braucht es, damit Sie jetzt friedlich und entspannt und unbehelligt von Krieg vor dem Fernseher sitzen und sich von der Silvesterfeier erholen können. Damit unsere Kinder jetzt in Frieden ihre Weihnachtsspielzeuge ausprobieren können.

Das klingt so selbstverständlich. Das ist es aber nur, weil wir Europäerinnen und Europäer in den letzten 70 Jahren etwas ganz Einzigartiges geschaffen haben.

Und das dürfen wir uns nicht schlechtreden lassen. Von außen nicht. Und auch von denen nicht, die glauben, dass wir einander nicht brauchen. Die glauben, dass wir alleine viel besser dran wären. Das ist eine Illusion.

Lieber Matthias, liebe Kinder, glaubt mir, es ist ein Irrtum. Ich weiß, wovon ich rede. Ich wünsche Euch, dass Ihr es nie erleben müsst. Und eure Eltern können dafür sorgen. Indem sie von ihrem Recht, zu wählen Gebrauch machen. Indem sie verstehen, dass das Gemeinsame Europa der Grund dafür ist, dass der Frieden für uns heute so selbstverständlich ist.

Meine Damen und Herren,
das Vereinte Europa ist die beste Idee, die wir je hatten. Diese große Idee des Friedens, die aus dem Willen geboren ist, tödliche Fehler nicht zu wiederholen. Diese große Idee der Gemeinsamkeit, die unsere einzelnen nationalen Fähigkeiten zu einer Kraft macht, die auch die großen globalen Mächte ernst nehmen müssen. Diese große Idee, die in unserem Alltag selbstverständlich geworden ist. Vielleicht zu selbstverständlich.

Eine kurze, aber umso treffendere Beschreibung von Europa habe ich einmal von einer Schülerin gehört. Sie hat gesagt: „Europa ist wie das WLAN. Für alle ist es selbstverständlich, dass wir es jederzeit und überall nutzen können. Aber wehe, es fällt aus. Dann ist die Hölle los.“

Meine Damen und Herren,
ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend
und uns allen ein friedvolles gutes Neues Jahr.

Ihr Alexander Van der Bellen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AuchneMeinung am 01.01.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    gottseidank

    versäume ich regelmässig die Äusserungen und Ansprachen dieses Verhinderungspräsidenten!

  • Southpaw am 01.01.2019 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nedbös sein...

    ...aber das soll Volksnähe darstellen? Ich hab in meinem Leben noch nie ein Fussball Match gesehen. Ein Erzgrüner kommt mit Alaba, einem Millionär. Sehr glaubwürdig.

    einklappen einklappen
  • Christian am 01.01.2019 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Europa ist ...

    ... ? Ja sicher, nachdem man ihm beide Beine amputiert hat ! Die EU inkl. Euro ist eine Missgeburt und das auch nur, weil sich diese noch röchelnd und mit viel Geld am Leben erhält !

Die neuesten Leser-Kommentare

  • krachwallo am 04.01.2019 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grundgütiger

    Schön langsam geniere ich mich für solche Reden,es ist nicht mehr zu fassen,er faselt andauernd von Europa,über Österreich hat er nichts zu sagen gewusst!

  • Klopfgeist am 03.01.2019 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apropos Alaba

    Quizfrage: Was haben Alaba und VdB gemeinsam? Beide sind hoffnungslos überbezahlt

  • manu am 02.01.2019 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    diese ansprache

    kann und darf man einfach nicht ernst nehmen.

  • Habakuk am 02.01.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Habakuk

    Rauchen schadet der Gesundheit! Steht auf jeder Zigarettenschachtel.

  • Max Mustermann am 02.01.2019 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Matthias

    Europa ist so elegant wie der Wiener Opernball, aber auch so scheußlich wie das Gebiss eines alten Kettenrauchers. Europa, das sind die Beine von Heidi Klum, aber auch die herben Fratzen frustrierter GrünpolitikerInnen. Europa ist die phantasievolle Welt eines Salvador Dalí, aber auch die schmerzhafte Nüchternheit eines Jean-Claude Juncker. Irgendwann, lieber Matthias, wirst du es selbst verstehen, wie vielfältig Europa sein kann.